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Durchbruch

Sonne außer Kontrolle: Forscher fangen gewaltige Plasma-Eruption ein

Sonne außer Kontrolle: Forscher fangen gewaltige Plasma-Eruption ein
Foto: iStock
3 Min. Lesezeit |

Wissenschaftlern ist ein bemerkenswerter Durchbruch in der Sonnenbeobachtung gelungen. Mit dem GREGOR-Sonnenteleskop auf Teneriffa konnten sie ein hochdetailliertes Bild einer Sonnenfleckengruppe aufnehmen, in der sich zwei intensive Sonneneruptionen der Klasse X ereigneten.

Diese Art von Beobachtung stellt eine Seltenheit dar, da solche Phänomene von der Erde aus nur unter optimalen Bedingungen erfasst werden können. Das Forschungsteam dokumentierte dabei die aktivste Sonnenfleckenregion des Jahres 2025 und konnte komplexe Magnetfeldstrukturen sowie die Entstehungsphasen der Eruptionen mit beispielloser Präzision festhalten. Die gewaltigen Strahlungsausbrüche führten zu koronalen Massenauswürfen, die in den darauffolgenden Nächten auf der Erde als intensive Polarlichter sichtbar wurden.

Die Aufnahmen entstanden durch den Einsatz von vier Hochgeschwindigkeitskameras des HiFI+ Instruments am GREGOR-Teleskop, das vom Leibniz-Institut für Astrophysik Potsdam entwickelt und betrieben wird. Bei der Beobachtung richteten die Wissenschaftler das Teleskop auf 28 verschiedene Bereiche der Sonnenoberfläche und erstellten innerhalb von 14 Minuten einen umfassenden Rasterscan der aktiven Region mit einer Ausdehnung von etwa 175.000 km × 110.000 km. Diese Methode kam erstmals zum Einsatz, um eine großflächige, komplexe Region mit zahlreichen Sonnenflecken zu erfassen. Spezielle Bildrekonstruktionstechniken machten die feinen Strukturen in allen Teilbereichen des Mosaiks sichtbar.

Bemerkenswert war, dass bereits 30 Minuten nach Abschluss des Rasterscans ein X1,2-Flare in der beobachteten Region ausbrach, dessen Vorzeichen die Wissenschaftler bereits in ihren Aufnahmen erkennen konnten.

Seltene Beobachtungschance

Die detaillierte Beobachtung starker Sonneneruptionen gilt als äußerst schwierig mit erdgebundenen Teleskopen. „Starke Flares treten entweder auf der Rückseite der Sonne auf, während der Nacht, bei bewölktem Wetter, bei schlechter Sicht oder wenn sie sich gerade außerhalb des Sichtfeldes des Teleskopes befinden“, erklärt Prof. Carsten Denker, Leiter der Abteilung Sonnenphysik am Leibniz-Institut für Astrophysik Potsdam (AIP) und Erstautor der neu veröffentlichten Studie. „Wir hatten das große Glück, die Entwicklung von zwei Flares der Klasse X am 10. und 11. November 2025 mit dem 1,5-Meter-Sonnenteleskop GREGOR am Teide-Observatorium auf Teneriffa, Spanien, beobachten zu können.“

Die Sonnenflecken in der aktiven Region NOAA 14274 verursachten insgesamt 155 Strahlungsausbrüche: 135 der Klasse C, 15 der Klasse M und 5 der stärksten Kategorie X. Diese X-Klasse-Eruptionen repräsentieren die intensivsten Sonneneruptionen im wissenschaftlichen Klassifikationssystem, wobei sich die verschiedenen Kategorien jeweils um den Faktor 10 in ihrer Röntgenstrahlungsintensität unterscheiden. Die beobachteten Eruptionen sind Teil des Sonnenzyklus 25, der aktuellen 11-jährigen Aktivitätsperiode unseres Zentralgestirns.

Dieser Zyklus begann im Dezember 2019 und wird voraussichtlich 2025 seinen Höhepunkt erreichen, gekennzeichnet durch vermehrte Sonnenflecken, Strahlungsausbrüche, koronale Massenauswürfe und Polarlichter. Im bisherigen Verlauf des Zyklus wurden weniger als 100 X-Klasse-Eruptionen registriert.

Magnetische Strukturen

„Die penumbralen Filamente, die sich typischerweise radial vom dunklen Kern des Sonnenflecks aus erstrecken, waren stark gekrümmt und verflochten“, erklärt Dr. Meetu Verma, Sonnenforscherin am AIP und Mitautorin der Studie. Diese Beobachtung deutet auf eine extrem angespannte Magnetfeldkonfiguration hin. Die Rotation der Sonnenflecken und auftretende Scherbewegungen schufen Bedingungen, unter denen die im Magnetfeld gespeicherte Energie plötzlich freigesetzt werden konnte.

Beachtlich ist dabei, dass die Energiefreisetzung an den Filamenten der Penumbra auf räumlichen Skalen begann, die nahezu an der Auflösungsgrenze des GREGOR-Teleskops liegen – etwa 100 Kilometer auf der Sonnenoberfläche.

Während der Beobachtungsphase im November 2025 wurden fast 40.000 Datensätze für die Bildrekonstruktion erfasst, die derzeit für weitere wissenschaftliche Analysen aufbereitet werden.

Die in der Fachzeitschrift „Research Notes of the AAS“ publizierten hochauflösenden Aufnahmen bieten einen ersten Einblick in die außergewöhnliche Datenqualität und die wissenschaftlichen Erkenntnisse, die in kommenden Veröffentlichungen präsentiert werden sollen.