Die Palette an Hausmitteln gegen Sonnenbrand ist vielfältig – von Natron über Backpulver bis hin zu Topfen, Gurkenscheiben und Aloe vera. Doch nicht jedes dieser vermeintlichen Wundermittel hält, was es verspricht. Manche verschärfen sogar die Beschwerden, statt sie zu lindern.
Der Verein für Konsumenteninformation (VKI) hat verschiedene Hausmittel zur Sonnenbrand-Behandlung einem Wirksamkeitstest unterzogen. Die Ergebnisse, die am 8. August 2024 veröffentlicht wurden, zeigen ein differenziertes Bild: Während einige Mittel durchaus hilfreich sein können, sollten andere gemieden werden. Besonders von der im Internet häufig empfohlenen Paste aus Natron oder Backpulver raten die Experten ausdrücklich ab. Gurkenscheiben hingegen erweisen sich als tatsächlich nützlich.
Bei Aloe vera ist die Situation nicht eindeutig. Die VKI-Fachleute stellen fest: „Die heilende Wirkung ist kaum belegt. Es gibt jedoch Hinweise auf feuchtigkeitsspendende und pflegende Eigenschaften.“ Problematisch kann der Inhaltsstoff Aloin werden, der bei falscher Verarbeitung ins Gel gelangt und die Haut reizt. Daher empfehlen die Experten fertige Produkte aus Drogerie oder Apotheke – vorausgesetzt, sie enthalten tatsächlich frische Aloe vera.
Topfen wird oft eine entzündungshemmende und feuchtigkeitsspendende Wirkung zugeschrieben. Angeblich sollen Milchsäurebakterien die Haut beruhigen und den Heilungsprozess fördern. Der VKI bestätigt zwar die angenehm kühlende Wirkung, weist jedoch darauf hin, dass wissenschaftliche Belege für die übrigen Effekte fehlen. Unklar bleibt auch, ob die keratolytische Wirkung (hornhautlösend) der Milchsäure – also ihr Peelingeffekt – den Heilungsprozess unterstützt oder möglicherweise sogar schadet.
Wirksame Alternativen
Gurken schneiden im Test gut ab. Mit einem Wasseranteil von über 90 Prozent und ihrem Vitamin-C-Gehalt können sie tatsächlich kühlen und Entzündungen hemmen. „Das enthaltene Vitamin C kann dabei helfen, geschädigte Zellen zu reparieren. Gegen die Anwendung bei Sonnenbrand spricht grundsätzlich nichts“, lautet das Urteil der Tester. Am besten eignen sich gekühlte Scheiben einer gründlich gereinigten Bio-Gurke oder alternativ eine Maske aus pürierter Gurke.
Auch schwarzer oder grüner Tee erhält gute Noten. Die darin enthaltenen Gerbstoffe wirken nachweislich entzündungshemmend, während Antioxidantien die Zellregeneration fördern. „Die diesen Inhaltsstoffen zugeschriebenen Wirkungen sind wissenschaftlich gut belegt – und können auch bei Sonnenbrand unterstützend wirken“, bestätigen die Experten. Wichtig ist jedoch die Verwendung von Bio-Tee ohne Geschmackszusätze. Für einen kühlenden Wickel empfehlen sie, starken Tee aufzubrühen, abkühlen zu lassen, ein sauberes Tuch darin zu tränken und dieses 15 bis 20 Minuten auf die betroffenen Hautpartien zu legen.
Gefährliche Mittel
Vor Natron warnen die Fachleute eindringlich. Obwohl es im Internet häufig als Mittel gegen Sonnenbrand angepriesen wird, das durch seine leicht alkalische Wirkung Juckreiz lindern und die Haut beruhigen soll, raten die Experten strikt davon ab: „Im Internet finden sich immer wieder Empfehlungen, eine Paste aus Natron und Wasser auf die Haut aufzutragen. Davon ist jedoch dringend abzuraten.“ Der Grund: Natron ist basisch und stört den natürlichen leicht sauren pH-Wert der Haut, was zu Reizungen führen kann. Dasselbe gilt für Backpulver – beide Substanzen haben auf sonnengeschädigter Haut nichts verloren.
Auch Honig und Kokosöl sollten bei Sonnenbrand nicht verwendet werden, wie die VKI-Experten betonen. Honig macht durch seine klebrige Konsistenz das Entfernen schwierig und kann zusätzliche Hautreizungen verursachen. Die belegte wundheilende Wirkung von Honig bezieht sich ausschließlich auf chronische Wunden, nicht auf akute Entzündungen wie Sonnenbrand. Kokosöl bietet ebenfalls keine Vorteile bei Sonnenbrand, da Öle keine Feuchtigkeit spenden und lediglich einen geringen kühlenden Effekt durch Verdunstung haben.
Die Konsumentenschützer betonen abschließend, dass Prävention die beste Strategie bleibt.
Angesichts der bevorstehenden Hitzetage mit intensiver UV-Strahlung empfehlen sie, auf angemessenen Sonnenschutz zu achten und übermäßige Sonnenexposition zu vermeiden.