In Wien wird bald ein Platz nach dem serbischen Sprachreformer Vuk Stefanovic Karadzic benannt. Bezirksvorsteherin Silvia Jankovic zeigt sich begeistert: „Ein historischer Meilenstein ist uns gemeinsam mit dem Dritten Bezirk gelungen. Eine öffentliche Verkehrsfläche soll nach unserem großen Reformator Vuk Stefanovic Karadzic bald benannt werden. Dies erhöht die Sichtbarkeit von Wiener*innen mit serbischen Wurzeln und noch Generationen nach uns werden darüber sprechen.“
Die Bemühungen, den Bereich um Karadzics Büste in der Rasumofskygasse 22 in Wien-Landstraße zu benennen, haben eine lange Vorgeschichte. Dank des Engagements von Margaretens Bezirksvorsteherin Silvia Jankovic und Aleksandar Stankovic, dem Präsidenten des Österreichischen Dachverbandes serbischer Folklore, konnte ein entscheidender Durchbruch erzielt werden. Mit Unterstützung von Bezirksvorsteher Erich Hohenberger und der SPÖ Landstraße wurde ein politischer Antrag zur Platzbenennung eingebracht und von der Kulturkommission angenommen.
Im Herbst steht nun die finale Abstimmung im Wiener Gemeinderat an. Parallel dazu gibt es auch in Wien-Donaustadt Bestrebungen für eine Ehrung Karadzics. Dort wurde die Initiative von Zoran Ilic (ÖVP) vorangetrieben und erhält Unterstützung durch die serbische Botschaft.
Karadzics Bedeutung
Vuk Stefanovic Karadzic, geboren 1787 in Trsic im heutigen Serbien und verstorben 1864 in Wien, gilt als herausragender Sprachreformer des 19. Jahrhunderts. Als Philologe, Ethnologe, Dichter und Übersetzer schuf er die Grundlagen der modernen serbischen Schriftsprache und reformierte das kyrillische Alphabet. Durch seine Sammlung und Veröffentlichung serbischer Volkslieder, Märchen und Sagen erwarb er sich den Ruf als „Vater der serbischen Volksliteratur“.
Zu seinen bedeutendsten Werken zählen die erste serbische Grammatik (1814) und das erste serbisch-deutsch-lateinische Wörterbuch (1818). Nach dem Scheitern des ersten serbischen Aufstands 1813 fand Karadzic Zuflucht in Wien, wo er mehr als fünf Jahrzehnte lebte und wirkte.
Wiener Verbindungen
Die Habsburgermetropole, damals ein intellektuelles Zentrum für südosteuropäische Gelehrte, bot ihm ideale Bedingungen für die Verbreitung seiner Reformideen und den Austausch mit bedeutenden Zeitgenossen wie Jacob Grimm und Goethe. Gemeinsam mit dem Slawisten Jernej Kopitar setzte er sich für die Etablierung der Volkssprache in Literatur und Wissenschaft ein.
Während seiner Zeit in Wien wohnte Karadzic an verschiedenen Adressen in der Landstraße, darunter in der Marokkanergasse 3, wo heute eine Gedenktafel an ihn erinnert. Karadzics Reformen legten den Grundstein für die kulturelle Annäherung der Serben und Kroaten und beeinflussten maßgeblich die Entwicklung des Serbokroatischen.
Seine Werke machten die serbische Literatur und Kultur in ganz Europa bekannt und förderten den interkulturellen Dialog. Als anerkannte Persönlichkeit der wissenschaftlichen Welt erhielt er zahlreiche Ehrungen, darunter ein Ehrendoktorat der Universität Jena.
Vuk Stefanovic-Karadzic prägte als bedeutender Schriftsteller und Sprachreformer die serbische Kultur nachhaltig.
Ende des 19. Jahrhunderts verbrachte er den Großteil seines Lebens in Wien, vorwiegend in der Landstraße, und pflegte enge Verbindungen zu österreichischen und deutschen Literaten seiner Zeit.