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Wasserkatastrophe

Wochen lang Gift aus dem Hahn – Gostivar ruft Epidemie aus

Wochen lang Gift aus dem Hahn – Gostivar ruft Epidemie aus
Foto: iStock
3 Min. Lesezeit |

Über Wochen floss verseuchtes Wasser durch die Leitungen – jetzt sitzen Verantwortliche in Haft und Tausende kämpfen mit den Folgen.

In der nordmazedonischen Stadt Gostivar hat sich der Verdacht auf eine schwerwiegende Verunreinigung des Trinkwassers bestätigt. Wie die Gesundheitsbehörden mitteilen, wurden in den lokalen Gesundheitseinrichtungen mittlerweile rund 3.100 Personen mit Magen-Darm-Erkrankungen behandelt. Die Betroffenen litten unter Symptomen wie Durchfall, Erbrechen, Bauchschmerzen, Fieber und ausgeprägter Schwäche.

Gesundheitsminister Saso Klekovski zufolge mussten vier Personen stationär aufgenommen werden. Die zuständigen Stellen erklärten für Gostivar eine lokale Epidemie.

Festnahmen & Ermittlungen

Über mehrere Wochen hinweg gelangte offenbar stark belastetes Wasser in das Trinkwassernetz der Stadt. Tausende Menschen erkrankten in der Folge, drei leitende Mitarbeiter des städtischen Versorgungsunternehmens wurden festgenommen – darunter die amtierende Direktorin, ein technischer Leiter sowie der Leiter der Abteilung für Wasserversorgung, Kanalisation und Bauarbeiten. Die Ermittlungen richten sich gegen sie wegen des Verdachts auf schwere Straftaten gegen Umwelt und Natur durch die Verunreinigung von Trinkwasser.

Die Staatsanwaltschaft geht nun der Frage nach, auf wessen Anweisung die Pumpen installiert wurden und aus welchem Grund das belastete Wasser über einen längeren Zeitraum ungehindert in das Versorgungsnetz gelangen konnte. Den bisherigen Erkenntnissen zufolge nahm das Problem bereits am 25. Juni seinen Anfang. Führungskräfte des kommunalen Unternehmens „Komunale“ sollen Mitarbeiter dazu angehalten haben, drei Tauchpumpen in einem offenen Wasserkanal nahe einer Überlaufkammer zu installieren.

Dem Vernehmen nach sollte damit der Wasserdruck geprüft beziehungsweise die Versorgung während der sommerlichen Engpässe stabilisiert werden. Als Kontrolleure am 16. Juli vor Ort erschienen, waren zwei der Pumpen noch in Betrieb. Über Schläuche leiteten sie unbehandeltes Oberflächenwasser direkt in eine Kammer, die an die zentrale Trinkwasserleitung angebunden ist. Auf diese Weise vermischte sich das verunreinigte Kanalwasser mit dem Wasser des geschlossenen Versorgungssystems, das neben Gostivar auch mehrere umliegende Ortschaften versorgt.

Massive Grenzwertüberschreitungen

Die Untersuchungen des Instituts für öffentliche Gesundheit förderten im Wasser des offenen Kanals eine Belastung von 2.419,6 koloniebildenden Einheiten coliformer Bakterien pro 100 Milliliter zutage. Der zulässige Höchstwert für dieses Wasser liegt bei 50 Einheiten. Auch in einer Probe aus dem gefassten Quell- und Versorgungssystem wurden coliforme Bakterien nachgewiesen: Anstelle des vorgeschriebenen Werts von null wurden 39 Einheiten pro 100 Milliliter gemessen.

Darüber hinaus war die Konzentration weiterer Bakterienkolonien erhöht. Eine Probe aus einem Wasserhahn in der JNA-Straße wies zudem eine Restchlorkonzentration von 1,1 Milligramm pro Liter auf – der nach geltendem Recht zulässige Höchstwert beträgt 0,5 Milligramm pro Liter.

Das Wasser aus dem städtischen Leitungsnetz bleibt für die Bevölkerung vorerst gesperrt. Die Aufhebung des Verbots ist erst dann vorgesehen, wenn neue Analysen die gesundheitliche Unbedenklichkeit zweifelsfrei belegen. Solange stellt die Regierung täglich rund 50.000 Liter abgefülltes Trinkwasser für die Einwohner zur Verfügung.

Das Gesundheitsministerium meldet inzwischen einen Rückgang bei den neu aufgenommenen Patienten.

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KO KOSMO-Redaktion
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