Aus Zagreb verbannt: Marschall-Tito-Platz ist endgültig Geschichte

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Aus Zagreb verbannt: Marschall-Tito-Platz ist endgültig Geschichte

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Tito-Platz in Zagreb nun Geschichte
(FOTOS: zVg.)

Die Stadtregierung entschied bei der gestrigen Sitzung und zu später Stunde, dass der Name des Marschall-Tito-Platzes in der Hauptstadt geändert wird. Somit heißt es: “Auf nie mehr Wiedersehen, Tito!”

Bei der Abstimmung waren 50 Abgeordnete anwesend, wobei 29 für eine Namensänderung und 20 dagegen stimmten. Einer bzw. eine von ihnen enthielt sich seiner/ihrer Stimme.

Der neue Name des Platzes lautet nun „Trg Republike Hrvatske“ (dt. Platz der Republik Kroatien). „Mit dieser Abstimmung wurde der Marschall-Tito-Platz der Geschichte übergeben und ich hoffe, dass er dort auch bleiben wird“, so der Vorsitzende der Stadtversammlung Andrija Mikulić.

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Das Straßenschild des Marschall Tito-Platzes in Zagreb wurde kürzlich von einem Kaffeehausbesitzer demontiert und abgestellt neben Mistkübeln gefunden.

 

Initiiert wurde die Namensänderung vonseiten der Gruppe „Bruna Esih – Zlatko Hasanbegović“, welche zusammen mit der Partei für Arbeit und Solidarität eine Koalition eingingen, um eine Mehrheit bei den Stadtregierungssitzungen zu erreichen.

Der ehemalige Kulturminister Zlatko Hasanbegović erklärte, dass die Straßenschilder des Marschall-Tito-Platzes abmontiert und entweder im Historischen Museum oder Stadtmuseum Zagrebs aufbewahrt werden.

Er bezeichnete die Demontierung und Umbenennung als „kleine und verspätete Genugtuung für alle Opfer des jugoslawischen, kommunistischen und titoistischen Terrors der Vor und Nachkriegszeit.“

Von 1946 bis 1990 war dieser Platz den Opfern des Faschismus gewidmet. Im Jahr 2000 wurde er in “Platz der kroatischen Größen” umbenannt. Noch im gleichen Jahr wieder rückgängig gemacht. Seither heißt er “Platz der Opfer des Faschismus”. (FOTO: Wikimedia Commons/Suradnik13)

Stadtbild als Instrument eines ideologischen Kampfes
Betreffend Kroatien, bzw. auch die anderen Nachfolgestaaten Jugoslawiens ist es ein besonders typisches Vorgehen, alte Denkmäler abzutragen und neue aufzustellen.

Diese sollen als „Anker eines neuen Gedächtnisses der Nation“ gelten und sind zumeist antikommunistisch bzw. anti-jugoslawisch: ein „Kampf um Erinnerungen“, welcher seit dem Zerfall der multiethnischen kommunistischen Staates Jugoslawien auch bis
heute andauert.

Kurz vor und nach der Unabhängigkeit Kroatiens, welche 1991 unter Franjo Tuđman verkündet wurde kam es zu einer institutionalisierten Löschung von Zeichen des Sozialismus, sowie des Kampfes gegen den Faschismus.

(FOTO: Stanić, Jelena; Šakaja, Laura; Slavuj, Lana 2009: Preimenovanja zagrebačkih ulica i trgova. (S. 89) In: Migrantske i etničke teme Vol. 25. Institut za migracije i narodnosti, Zagreb)

Jugoslawien dominierte Zagreber Stadtbild
Die Abbildung zeigt die Zeit unmittelbar vor Kroatiens Unabhängigkeit, als jugoslawische
Symbole und Namen das Stadtbild stark dominierten.

Daher finden man als Änderungen aus der Zeit der Sozialistischen Föderativen Republik Jugoslawiens auch Benennungen wie, „Trg maršala Tita“ (Platz des Marschalls Tito), „Trg bratstva jedinstva“ (Platz der Brüderlichkeit und Einigkeit), „Trg žrtava fašizma“ (Platz der Opfer des Faschismus), „Socijalističke revolucije“ (Straße der sozialistischen Revolution) und „8. maja 1945.“ als Symbol für den Tag der Befreiung. Der Hauptplatz der kroatischen Hauptstadt „Trg Bana Jelačića“ hieß damals „Trg Republike“ (Platz der Republik).

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(FOTO: Stanić, Jelena; Šakaja, Laura; Slavuj, Lana 2009: Preimenovanja zagrebačkih ulica i trgova. (S. 89) In: Migrantske i etničke teme Vol. 25. Institut za migracije i narodnosti, Zagreb)

Rund 17 Jahre später, zeigt die Stadt nun ein komplett anderes Bild, wie man auf diesem Bild aus dem Jahr 2008 sehen kann. Sozialistische und kommunistische Namen wurden sukzessive durch alte, vorsozialistische Bezeichnungen ersetzt.

Wie sich politische und ideologische Veränderungen im Stadtbild der kroatischen Hauptstadt manifestierten, zeigt neben der Geschichte rund um die Ban-Jelačić-Statue, auch die Umbenennung diverser Zagreber Straßen und Plätze, wie z.B. des“ Platz der Opfer des Faschismus“ (Trg žrtava fašizma) in „Platz der kroatischen Größen“ (Trg hrvatskih velikana) in den 1990er Jahren.

Dies wurde allerdings mit einer darauffolgenden links orientierten Regierung wieder rückgängig gemacht.

Bye, bye Tito!
Die Veränderungen des Stadtbildes Zagrebs im geschichtlichen Querschnitt zeigt, dass jede herrschende Macht versucht, den öffentlichen Raum je nach zu propagierenden Ideologie und politische Einstellung veränderten.

Die Wichtigkeit von der Einnahme des alltäglichen Raumes der Bevölkerung, bzw. fast schon plakative politische Statements via Denkmäler, Straßennamen und ähnlichem zeigte auch der Tausch der Büste von Josip Broz Tito mit der des ersten kroatischen Präsidenten Franjo Tuđman.

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Grabar Kitarović verlautbarte anlässlich ihres ersten Jubiläums im Amt, dass, wenn jemand eine Büste verdient, dies Tuđman sei.

 

Dies soll dem Volk signalisieren, dass nun endgültig mit der sozialistischen Zeit gebrochen und das unabhängige kroatische Zeitalter begonnen hat.

Bei all diesen Beispielen handelt es sich um eine Wandlung des kulturell bedingten
Erinnerten, da in Kroatien 1990 antifaschistische Denk und Mahnmale als Ausdruck eines „serbischen Kommunismus“ großräumig beseitigt wurden

Gleichzeitig sorgten diese Veränderungen des öffentlichen Raumes aber auch für ein Aufkommen von kritischen Gegenstimmen, die, im Falle Kroatiens, die Rückbesinnung auf das „National-kroatische“ und die Tilgung des kommunistischen Erbes Titos als mehr als bedenklich einstufen.

  • Krisscross

    Es wird auch Zeit dass die kommunistischen Symbole endlich verschwinden. Tito war ein Kind seiner Zeit, und hat sich auch dementsprechend wg. Mord, Folter, Vertreibung, Enteignung aller, aber insbesondere der Kroaten, schuldig gemacht. Er verdient keinen Platz in Zagreb. Leider wollen das viele ewig gestrige nicht wahr haben.

  • square triangle

    Essig und Hasanbegovic, das sagt alles:)