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Religionsstudie

41 Prozent der jungen Muslime stellen Islam über Gesetze

41 Prozent der jungen Muslime stellen Islam über Gesetze
(Symbolbild FOTO: iStock)
3 Min. Lesezeit |

Eine Wiener Studie zu Jugend und Religion liefert Zahlen, die Expertinnen und Experten aufhorchen lassen – und politischen Zündstoff bergen.

Eine neue Studie der Stadt Wien rückt die Rolle von Religion unter Jugendlichen in den Fokus – und sorgt für Diskussionen. Studienleiter Kenan Güngör stuft die Ergebnisse als „sehr bedenklich“ ein, wie der Standard berichtet. Auffällig ist dabei vor allem der Stellenwert des Glaubens bei muslimischen Jugendlichen: 73 Prozent der Schiiten und 68 Prozent der Sunniten bezeichnen sich als sehr oder eher religiös. Zum Vergleich: Bei katholischen Jugendlichen liegt dieser Wert bei 41 Prozent, bei orthodoxen Christen bei 38 Prozent.

Hintergrund der Untersuchung ist auch die jüngst bekannt gewordene Zahl, wonach muslimische Kinder mit knapp 39 Prozent inzwischen die größte Glaubensgruppe an Wiens Pflichtschulen stellen. Für die Studie wurden 1.200 junge Menschen im Alter zwischen 14 und 21 Jahren befragt. Das Forscherteam untersuchte zehn Gruppen – darunter Österreicher, Bosnier, Türken, Syrer, Afghanen und Tschetschenen.

Religiöse Praxis

Ein Drittel der muslimischen Befragten gibt an, in den vergangenen Jahren religiöser geworden zu sein. Güngor zufolge wird die Identität muslimischer Jugendlicher deutlich stärker durch den Glauben geprägt als jene christlicher Jugendlicher. Ob beim Gebet, beim Fasten oder beim Moscheebesuch – in sämtlichen Bereichen religiöser Praxis erreichen Jugendliche islamischen Glaubens die höchsten Werte.

Besonders viel Aufmerksamkeit erregen jene Ergebnisse, die das Verhältnis zu staatlichen Gesetzen betreffen. 41 Prozent der muslimischen Jugendlichen stimmen der Aussage zu, dass religiöse Vorschriften über dem österreichischen Recht stehen – bei christlichen Jugendlichen sind es 21 Prozent, wie etwa die Tageszeitung Die Presse berichtet. 46 Prozent der muslimischen Befragten erklären zudem, bereit zu sein, „für die Verteidigung seines Glaubens zu kämpfen und zu sterben“ – unter Christen teilen 24 Prozent diese Haltung.

36 Prozent der muslimischen Jugendlichen sind der Meinung, alle Menschen sollten sich an die Regeln ihrer Religion halten. Mehr als die Hälfte spricht sich dafür aus, dass Musliminnen in der Öffentlichkeit Kopftuch tragen. 65 Prozent geben an, islamische Vorschriften gälten für alle Lebensbereiche und seien strikt zu befolgen. Güngor spricht in diesem Zusammenhang von sozialem Druck.

Demokratie & Geschlechterrollen

Auch im Hinblick auf Demokratieverständnis und Geschlechterrollen offenbart die Studie erhebliche Unterschiede. Während 82 Prozent der befragten Österreicher die Demokratie als beste Staatsform betrachten, sind es bei syrischen Jugendlichen nur 47 Prozent, bei Tschetschenen 50 Prozent und bei Afghanen 61 Prozent. Vor allem unter Jugendlichen aus Syrien, Afghanistan und Tschetschenien sind laut Studie konservative Rollenbilder verbreitet: Fast die Hälfte findet, Männer sollten wichtige Entscheidungen treffen, ein Viertel lehnt eine Frau in einer Führungsposition ab, und nur rund ein Drittel steht Homosexualität offen gegenüber.

Die Autoren der Studie warnen jedoch davor, die Ergebnisse auf einen einzigen Faktor zu reduzieren. Religion allein erkläre die beobachteten Einstellungen nicht. Als weitere relevante Einflussgrößen nennt die Untersuchung unter anderem ein niedriges Bildungsniveau, erlebte Diskriminierung, autoritäre Erziehungsstile, soziale Isolation sowie die Wirkung radikaler Inhalte im Internet.

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KO KOSMO-Redaktion
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