Kroatien lockt seine Landsleute zurück nach Bosnien-Herzegowina – mit einem millionenschweren Förderprogramm und bis zu 80.000 Euro pro Projekt.
Die kroatische Regierung hat ein umfassendes Förderprogramm aufgelegt, das die Rückkehr von Kroaten nach Bosnien-Herzegowina finanziell unterstützen soll. Wie der Nachrichtensender N1 berichtet, können juristische Personen in Bosnien-Herzegowina ab sofort Projektanträge mit einem Fördervolumen von bis zu 80.000 Euro einreichen. Die entsprechende Ausschreibung wurde von Branko Bacic, stellvertretender Ministerpräsident und Minister für Raumordnung, Bauwesen und Staatsvermögen, veröffentlicht.
Das Programm verfolgt das Ziel, die Rückkehr und Reintegration kroatischer Staatsbürger in ihren Heimatgemeinden zu fördern. Dabei setzt die Initiative auf nachhaltige Verbesserungen der Lebensqualität vor Ort. Antragsberechtigt sind ausschließlich in Bosnien-Herzegowina registrierte juristische Personen, die Projekte im Sinne dieser Zielsetzung umsetzen.
Förderungsschwerpunkte
Die Fördermaßnahmen umfassen mehrere Schwerpunktbereiche. Zum einen erhalten Vereine und Organisationen finanzielle Unterstützung, die sich für bessere Lebensbedingungen und eine nachhaltige Rückkehr der Bevölkerung einsetzen. Zum anderen werden wirtschaftliche Aktivitäten gefördert und spezielle Zentren für Rückkehrer aufgebaut, die Hilfsangebote und Betreuungsprogramme bereitstellen.
Ein weiterer Fokus liegt auf der Sanierung und dem Ausbau kommunaler und sozialer Infrastruktur. Das Programm sieht zudem Hilfen für Einrichtungen vor, die Menschen mit besonderen Bedürfnissen betreuen. Auch Initiativen für sozial benachteiligte Gruppen wie Gewaltopfer und Alleinerziehende sowie Projekte zur Verbesserung der Gesundheitsversorgung können gefördert werden.
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Antragsfrist
Darüber hinaus unterstützt die kroatische Regierung Informationskampagnen, die auf die Herausforderungen von Rückkehrern aufmerksam machen und erfolgreiche Reintegrationsbeispiele als Motivation präsentieren. Die maximale Fördersumme pro Projekt beträgt 80.000 Euro.
Interessierte haben bis zum 4. August Zeit, ihre Anträge einzureichen.
Demografischer und politischer Hintergrund
Die kroatische Förderinitiative steht in einem breiteren demografischen und politischen Kontext: Die Zahl der Kroaten in Bosnien-Herzegowina ist seit dem Jugoslawien-Krieg deutlich zurückgegangen. Aktuelle Schätzungen gehen von weniger als 500.000 Kroaten aus – etwa 15 Prozent der Gesamtbevölkerung und damit erheblich unter dem Vorkriegsniveau.
Diese demografische Entwicklung wirkt sich direkt auf die politische Vertretung im Rahmen des Daytoner Abkommens aus, das eine paritätische Machtverteilung zwischen den drei konstitutiven Völkern – Bosniaken, Serben und Kroaten – vorsieht. Die sinkende Bevölkerungszahl der Kroaten schränkt deren politische Einflussmöglichkeit zunehmend ein.
Die Initiative scheint Teil einer langfristigen Strategie Zagrebs zu sein. Erst kürzlich unterzeichnete Kroatiens Premierminister Andrej Plenković bei einem Besuch in Bosnien-Herzegowina 199 Verträge mit einem Gesamtvolumen von 6,5 Millionen Euro für Projekte, die gezielt die Lebensqualität der kroatischen Gemeinschaft verbessern sollen, darunter Investitionen in Bildung, Kultur, Gesundheitswesen und Landwirtschaft.
Kritik und internationale Perspektiven
Das Förderprogramm stößt jedoch nicht überall auf Zustimmung. Kritiker in Bosnien-Herzegowina werfen der kroatischen Regierung vor, in innere Angelegenheiten des Landes einzugreifen und die politische Einflussnahme auf die kroatische Minderheit zu verstärken. Die EU-Kommission hat sich bislang nicht offiziell zu dem Programm geäußert, betont jedoch grundsätzlich die Bedeutung der Achtung der Souveränität und territorialen Integrität von Bosnien-Herzegowina im Rahmen der EU-Erweiterungspolitik.