Keine Artikel gefunden
Versuche einen anderen Suchbegriff
Verdrängung

Fast ein Jahr ohne Heizung: Wiener Mieter kämpfen um ihr Zuhause

Fast ein Jahr ohne Heizung: Wiener Mieter kämpfen um ihr Zuhause
Symbolbild Foto: iStock
2 Min. Lesezeit |

Kein Warmwasser, keine Heizung, kein Starkstrom – mitten in Wien kämpfen Mieter um ihr Zuhause. Dahinter steckt mehr als eine Baustelle.

Seit Dezember 2024 sind die Bewohnerinnen und Bewohner der Paulusgasse 5 in Wien-Landstraße mit den Folgen laufender Sanierungsarbeiten konfrontiert, die ihren Alltag grundlegend beeinträchtigen. Kein Warmwasser, keine Heizung, kein Starkstrom – für die verbliebenen fünf Mietparteien bedeutet das einen Zustand, der weit über eine vorübergehende Unannehmlichkeit hinausgeht. Ursprünglich waren acht Wohnungen in dem Haus bewohnt; die ST 3 Paulusgasse GmbH, eine Gesellschaft der 3SI Immogroup, plant an dem Standort 19 Appartements sowie 26 hochpreisige Eigentumswohnungen.

Grüne unter Druck

Die betroffenen Mieterinnen und Mieter haben sich an die Grünen Wien gewandt, die den Fall nun öffentlich thematisieren. Parteivorsitzende Judith Pühringer, Wohnsprecher Georg Prack und die Bezirksvorsteherin-Stellvertreterin von Wien-Landstraße, Siegrid Widhalm, sehen in den geschilderten Verhältnissen ein gezieltes Vorgehen, um Menschen aus ihren Wohnungen zu drängen. „Die Menschen sorgen sich. Es wird ihnen ein sichereres Zuhause weggenommen. Sie fühlen sich im Stich gelassen“, sagte Widhalm.

Pühringer warnte: „Wenn nicht langsam etwas passiert, dann werden wir immer öfter vor solchen Häusern wie hier stehen.“ Der Bauträger weist die erhobenen Vorwürfe zurück. Geschäftsführer Christian Wagner betonte, die Baustelle werde ordnungsgemäß geführt; ausgezogenen Mietern seien substanzielle Ablösen angeboten worden.

Rund 100.000 Euro habe man in provisorische Lösungen investiert. Insgesamt entstehe durch das Projekt mehr Wohnfläche als zuvor vorhanden gewesen sei. Wagner stellte klar: „Es sei alles ganz anders.“ Ein zentraler Konfliktpunkt bleibt dennoch bestehen: Eine Mieterin verweigert den Umbau der Heizungsanlage, was die Situation weiter blockiert.

Forderungen der Grünen

Für die Grünen Wien illustriert der Fall exemplarisch, wie Immobilienspekulation auf Kosten von Mieterinnen und Mietern betrieben wird. Die Partei fordert ein umfassendes Maßnahmenpaket: engmaschigere Kontrollen, die Möglichkeit zur Entziehung von Häusern durch die Stadt sowie eine personelle Aufstockung von Baupolizei und Mieterhilfe. „Die Stadt muss viel mehr tun, um Mieter:innen zu schützen und Spekulanten zu stoppen“, so Pühringer.

Da eine außergerichtliche Lösung bislang nicht in Sicht ist, liegt der Fall mittlerweile beim Bezirksgericht.

Unabhängiger Journalismus braucht Unterstützung

Guter Journalismus entsteht nicht nebenbei. Gründliche Recherche, sorgfältige Faktenprüfung und eine kritische Einordnung brauchen Zeit, Erfahrung und Ressourcen. Damit wir weiterhin unabhängig berichten können – frei von politischem oder wirtschaftlichem Einfluss – sind wir auf deine Unterstützung angewiesen.

Hilf mit, unabhängigen Journalismus zu sichern.
KO KOSMO-Redaktion
Teilen