Während Sarajevo für das große Filmfestival rüstet und Besucherrekorde verzeichnet, kämpft Bosnien mit Visa-Problemen und schwindenden Gästen aus arabischen Ländern.
Die Sommersaison in Bosnien und Herzegowina befindet sich auf ihrem Höhepunkt. Während täglich neue Besucher eintreffen, steht mit dem Sarajevo Film Festival ein kulturelles Großereignis bevor, das die Hauptstadt in wenigen Tagen zum Mittelpunkt des regionalen Kulturgeschehens machen wird. Neben zahlreichen Filmschaffenden werden rund 30.000 zusätzliche Touristen erwartet. Das Festival, das vom 15. bis 22. August stattfindet, bleibt seinem Ruf als Begegnungsort treu und verspricht ein vielseitiges Programm sowie legendäre Partys. Die Veranstalter haben auch Neuerungen im Bereich der Open-Air-Kinos angekündigt.
„Wir werden einige neue Standorte in besonderem Ambiente präsentieren, darunter in Ilidza und Dobrinja – weitere Details folgen in Kürze“, erklärt SFF-Sprecherin Andrijana Copf. „Zu den verbesserten Locations zählt das Uniqa Sommerkino Altstadt bei der Vijecnica (historisches Rathaus), das heuer mit mehr Sitzplätzen, einer neuen Leinwand, besserem Sound und verbesserter Technik aufwartet. Ich bin überzeugt, dass Besucher, die diese Orte noch nicht kennen, etwas Neues entdecken und das gemeinsame Filmerlebnis genießen werden.“
Parallel werden mehr als 1.200 Branchenvertreter zu den CineLink Industry Days erwartet, was die Bettenauslastung in der Hauptstadt zusätzlich erhöht. Der Vorverkauf für das Festival hat bereits am 11. August begonnen.
Die historische Altstadt Bascaršija (Sarajevos Altstadt-Basar), traditionelle Küche, Souvenirs und Gebäude als stumme Zeugen einer vielschichtigen Geschichte locken täglich neue Besucher an – und bringen auch jene zurück, die bereits einmal hier waren. „Wir kommen aus Deutschland und sind zum ersten Mal hier. Wir haben die Altstadt besichtigt und diesen Teil der Stadt kennengelernt“, erzählt ein Tourist. Ein anderer Besucher meint: „Ich bin nach 20 Jahren zum zweiten Mal hier. Es gefällt uns sehr, auch wenn es recht heiß ist.“ Ein weiterer Gast schwärmt: „Es ist wirklich eine wunderschöne Stadt.“
Tourismus-Boom mit Rekordwerten
Neben Sarajevo ziehen auch andere Regionen Bosnien und Herzegowinas zunehmend Touristen an. In der ersten Jahreshälfte wurden laut den offiziellen Juni-Daten des Statistikamts Bosnien und Herzegowinas landesweit 889.589 Ankünfte und 1.809.094 Übernachtungen verzeichnet – das entspricht einem Plus von 12,2 Prozent bei den Ankünften und 10,8 Prozent bei den Nächtigungen gegenüber dem ersten Halbjahr 2024. Die meisten Gäste stammen aus Kroatien, Serbien, der Türkei, Slowenien, China, Deutschland und den USA.
Der Kanton Sarajevo bleibt mit 46 Prozent Anteil an allen Ankünften das führende Reiseziel, gefolgt von der Herzegowina-Neretva Region mit Mostar und Međugorje. „Aktuell verzeichnen wir monatlich ein Plus von zwei bis drei Prozent“, berichtet Haris Fazlagic, Direktor des Tourismusverbandes des Kantons Sarajevo. „In den ersten sieben Monaten haben wir sogar ein Plus von 14 Prozent bei den Übernachtungen erreicht – insgesamt über 1,07 Millionen, was einen neuen Rekord im Vergleich zu 2024 darstellt.“
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Bestehende Hürden
Allerdings scheint das Interesse jener Besucher nachzulassen, an die man sich in den vergangenen Jahren gewöhnt hatte – Touristen aus arabischen Ländern. Wirtschaftsanalyst Igor Gavran erklärt: „Bosnien und Herzegowina pflegt ein sehr eigenartiges Verhältnis zu bestimmten arabischen Ländern, für die nach wie vor Visa erforderlich sind. Selbst wenn Visa beispielsweise für saudische Staatsbürger vorübergehend ausgesetzt werden, geschieht dies überraschend, wird als temporäre Maßnahme eingeführt und kommt relativ spät. Für Länder, die weiterhin visumpflichtig sind, fehlen fast regelmäßig jedes Jahr die Visa-Aufkleber, die erst beschafft werden, wenn die Saison bereits vorbei ist.“
Der Tourismus könnte zudem durch anhaltende Berichte über die politische Krise im Land beeinträchtigt werden. Zusätzliche Herausforderungen stellen die häufige Streichung bestimmter Flugverbindungen, ständige Straßenarbeiten und Taschendiebstähle dar, die der Tourismusbranche das Leben schwer machen.
Um zu den attraktivsten Reisezielen zu gehören, braucht es offenbar mehr als nur landschaftliche Schönheit und eine reiche Geschichte.