Während Wiens Bevölkerung rasant wächst, kann der Arbeitsmarkt nicht mithalten. Mit 11,1 Prozent Arbeitslosigkeit steht die Hauptstadt vor einer besonderen Herausforderung.
Wien verzeichnet mit 11,1 Prozent die höchste Arbeitslosenquote aller österreichischen Bundesländer. Diese Spitzenposition bestätigte sich auch in aktuellen Berichten: Während Tirol mit 4,3 Prozent die niedrigste Quote österreichweit aufweist, lag Wien im Frühjahr 2025 bei 11,5 Prozent. Trotz des erheblichen Bevölkerungswachstums durch Zuwanderung bleibt die Beschäftigungssituation angespannt, besonders für Menschen mit geringer Qualifikation. In der ZIB2 wies AMS-Chef Johannes Kopf auf das Ungleichgewicht hin: Das Bevölkerungswachstum übertrifft die Jobentwicklung deutlich.
Der Wiener AMS-Leiter Winfried Goschl betonte im „Wien heute“-Interview, dass mangelnde Qualifikation ein Hauptproblem darstellt. Etwa die Hälfte der Arbeitslosen in Wien besitzt keine weiterführende Ausbildung. Diese Problematik spiegelt sich österreichweit wider: Menschen mit maximal Pflichtschulabschluss verzeichneten im ersten Quartal 2025 eine Arbeitslosenquote von 14,1 Prozent – deutlich über dem Gesamtdurchschnitt. Goschl erklärte: „Meistens scheitert es bei vielen an der Basisbildung, an nicht ausreichend Deutschkenntnissen.“
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Wachsende Diskrepanz
Im Juli stieg die Zahl der beim AMS Wien registrierten Arbeitslosen im Jahresvergleich um 4,6 Prozent auf etwa 118.000 Personen. Gleichzeitig sank das Angebot an offenen Stellen um 19,5 Prozent auf rund 13.800. AMS-Wien-Chef Goschl identifiziert die demografische Entwicklung als Hauptursache für diese Diskrepanz: „Das liegt im Wesentlichen daran, dass das eine ungeheuer wachsende Stadt ist. Aber die Wirtschaft wächst in Wien nicht annähernd so stark wie die Bevölkerung.“
Der Wiener Arbeitsmarkt wird vorwiegend vom Dienstleistungssektor geprägt, während industrielle Arbeitsplätze kaum vorhanden sind. In der Gastronomie und im Tourismus führen unregelmäßige Arbeitszeiten zu hoher Personalfluktuation. Auch im Reinigungsgewerbe erschweren geteilte Dienste die Arbeitsbedingungen.
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Bildungsoffensive geplant
„Da ist halt auch das Problem mit Abenddienst“, erläuterte Goschl. Selbst mit der vergleichsweise guten Kinderbetreuungssituation in Wien stellen solche Arbeitszeiten für viele eine erhebliche Hürde dar.
Das AMS Wien verstärkt seine Bemühungen im Bereich der Aus- und Weiterbildung, um die Qualifikationen der Arbeitsuchenden zu verbessern. Ein besonderer Fokus liegt auf jungen Menschen, deren Arbeitsmarktchancen durch Bildungsinitiativen und Investitionen in die Lehrausbildung gesteigert werden sollen.
„Wenn man besonders motiviert ist, gibt es immer Chancen“, versicherte Goschl.