Zwischen Sprachbarrieren und Qualifikationslücken: Österreichs Arbeitsmarkt steht vor besonderen Herausforderungen bei der Integration von Geflüchteten – mit weitreichenden wirtschaftlichen Folgen.
AMS-Chef Kopf betont laut Heute die wirtschaftliche Dimension der Flüchtlingsintegration und fordert intensive Förderung von Beginn an. „Jenseits aller moralischen Ansprüche“ sei die Integration eine „ökonomische Notwendigkeit“, erklärt er. Ohne frühzeitige und umfassende Unterstützungsmaßnahmen drohten erhebliche Folgekosten für den Staat.
Die aktuellen Herausforderungen haben sich laut Kopf verschärft. Anders als 2015 kämen heute vermehrt Menschen nach Österreich, die bereits jahrelang in Flüchtlingslagern gelebt haben. „Der Anteil der Niedrigqualifizierten nimmt massiv zu“, sagt Kopf und verweist auf die Schwierigkeit, Personen zu integrieren, die weder lesen noch schreiben können und deren Bildungsweg durch lange Aufenthalte in Flüchtlingslagern unterbrochen wurde.
Sprachliche Hürden
Besonders deutlich wird Kopf bei der Bedeutung von Sprachkenntnissen. „Wer gar kein Deutsch kann, den kann ich nicht vermitteln – nicht einmal in die Reinigung“, stellt er fest. Selbst für einfache Tätigkeiten seien grundlegende Deutschkenntnisse unerlässlich, etwa um Arbeitsanweisungen zu verstehen.
Die Forderung nach einer sofortigen Arbeitsverpflichtung für Asylberechtigte hält der AMS-Chef für unrealistisch. Im Gespräch mit „Heute“ betont er, dass ohne vorherige Sprachkurse eine erfolgreiche Jobvermittlung kaum möglich sei. Selbst für Hilfstätigkeiten seien heute gewisse Deutschkenntnisse unverzichtbar.
Eine überraschende Beobachtung teilt Kopf bezüglich unterschiedlicher Integrationsverläufe mit: „Die Integration der Afghanen ist oft schneller als die der Syrer – obwohl Syrer im Schnitt besser qualifiziert sind.“ Er erklärt dieses Phänomen mit den höheren sprachlichen Anforderungen in qualifizierten Berufen. Als Beispiel nennt er die rund 200 syrischen Ärztinnen und Ärzte in Österreich, die für ihre Nostrifikation (Anerkennung ausländischer Abschlüsse) Ergänzungsprüfungen auf Deutsch ablegen müssen – ein Prozess, der durchschnittlich drei Jahre dauert. „Als Patient sage ich: Ich hätte gern, dass der Arzt nicht Magen und Darm verwechselt. Also ist gut Deutsch zu lernen wichtig.“
Förderung und Sanktionen
Kopf unterstreicht die Alternativlosigkeit der Integration aus wirtschaftlicher Perspektive: „Die Folgekosten, wenn wir nicht in diese Menschen investieren, sind viel höher.“ Er plädiert für zusätzliche Investitionen in Integrationsprogramme und fordert insbesondere für junge Geflüchtete „ganztägige Bildungs- und Sprachprogramme“, auch um Leerlauf zu vermeiden.
Um diesen Herausforderungen zu begegnen, hat die österreichische Regierung bereits umfassende Maßnahmen eingeleitet. Im Rahmen des Asyl-, Migrations- und Integrationsfonds (AMIF) 2025/2026 werden innovative Projekte gefördert, die Geflüchtete ab Erhalt einer langfristigen Aufenthaltsperspektive beim Spracherwerb, bei der Wertevermittlung und beim Zugang zum Arbeitsmarkt unterstützen. Diese Programme kombinieren Sprachkurse mit Berufsorientierung, Coaching und individueller Beratung, um insbesondere junge Menschen mit Flucht- oder Migrationshintergrund auf eine Lehrausbildung oder den direkten Arbeitsmarkteinstieg vorzubereiten.
Bei mangelnder Integrationsbereitschaft hält Kopf Sanktionen für unumgänglich: „Wenn jemand nicht bereit ist, mitzuarbeiten, braucht es Sanktionen. Das ist auch wichtig, um die Solidarität in der Gesellschaft aufrechtzuerhalten.“
Zum Vorhaben der Regierung, arbeitsfähige Sozialhilfeempfänger künftig direkt dem AMS zuzuweisen, äußert sich Kopf grundsätzlich positiv, schränkt jedoch ein: „Da muss man sich mit neun Bundesländern einigen, vor allem über die Höhe der Unterstützung – insbesondere für Ausländer.“ Zudem seien noch zahlreiche verfassungsrechtliche Fragen ungeklärt.