Damir Saračević: „Was es wirklich bedeutet, tolerant zu sein!“

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Damir Saračević: „Was es wirklich bedeutet, tolerant zu sein!“

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FOTO: zVg.

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Wenn ich über ein Thema schreibe, schlage ich meistens zuerst die etymologische Bedeutung des Begriffs nach, denn darin liegt oft die Lösung. So gesehen bedeutet „jemanden tolerieren“ „jemanden ertragen“.

Das ist keine hohe Stufe der Beziehung zum anderen, aber es ist ein erster Schritt zum Aufbau einer Kultur des Zusammenlebens. Dabei dürfen wir nicht vergessen, dass die Grundlage der zwischenmenschlichen Beziehungen nicht darin liegt, was wir zueinander sagen, sondern darin, was wir übereinander denken. Toleranz, die nur gespielt ist, verbessert unsere Situation nicht!

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Heute wurde 1781 seitens des Kaisers Joseph II: das Toleranzpatent verkündete, welche die Religionsausübung innerhalb der Monarchie reformierte und Minderheiten mehr Rechte zugestand.

 

Was braucht es für echte Toleranz? Vor allem den Wunsch nach Begegnung und Offenheit, denn diejenigen, die offen sind, werden korrigiert werden und ihre Vorurteile ablegen. Wenn uns die anderen und Andersartigen verunsichern, dann haben wir uns selbst noch nicht gefunden. Erst wenn wir unsere Angst überwinden, werden wir merken, dass wir die anderen in Wirklichkeit brauchen, um zu erkennen, wo wir selbst stehen. Damit das, was wir denken, sagen und tun, Sinn hat, muss es immer auch den anderen geben. Der andere ist unser Spiegel. Das wäre schon ein Schritt vom Ertragen des anderen hin zum Erkennen des anderen als Freund.

Was bedeutet Toleranz im gesellschaftlichen Kontext? Jede Gemeinschaft strebt nach sozialer Identifikation ihrer Mitglieder und versucht auf unterschiedliche Weise, diese zu erzielen. Eine tolerante Gesellschaft ist im Prinzip eine, die ihre Tore für unterschiedliche kulturelle Einflüsse öffnet, sodass sich alle Bürger in ihr wiederfinden. Auf diese Weise entsteht eine gemeinsame Identität: Die Einheit der Vielfalt!

Zur Umsetzung dieses Konzepts muss die Vielfalt als grundsätzlicher gesellschaftlicher Wert definiert werden. Und wir brauchen auch eine Politik des guten Verhaltens.

Damir A. Saračević – Vorsitzender des Zentrums der zeitgemäßen Initiativen und Leiter des Instituts für interkulturelle Pädagogik VHS OÖ.

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