Von Island bis Liberia: Der Weg Kroatiens zur weltweiten Anerkennung begann 1991 und dauert bis heute an – drei Staaten fehlen noch auf der diplomatischen Landkarte.
Am 25. Juni 1991 erklärten Kroatien und Slowenien zeitgleich ihre Unabhängigkeit und erkannten sich gegenseitig am Folgetag an. Parallel zum Zerfall Jugoslawiens vollzog sich auch die Auflösung der Sowjetunion. Die baltischen Staaten und die Ukraine, selbst noch um internationale Anerkennung ringend, gehörten zu den ersten Unterstützern Kroatiens – allen voran Litauen, das noch 1991 die kroatische Unabhängigkeit anerkannte.
Bei den diplomatischen Bemühungen um internationale Anerkennung spielten der Vatikan und Deutschland eine Schlüsselrolle. Die vatikanische Diplomatie kündigte bereits am 3. Oktober 1991 als erste weltweit an, auf eine Anerkennung Kroatiens hinzuarbeiten. Von den etablierten Staaten wagte Island den ersten Schritt und erkannte Kroatien am 19. Dezember 1991 an – wie zuvor schon die baltischen Republiken. Am selben Tag verkündete Deutschland seine Anerkennung, die am 15. Jänner 1992 wirksam werden sollte.
Italien, Schweden und der Vatikan folgten mit ähnlichen Ankündigungen. Der Heilige Stuhl vollzog die Anerkennung am 13. Jänner, San Marino einen Tag später.
Diplomatischer Durchbruch
Der 15. Jänner 1992 markierte den diplomatischen Durchbruch: An diesem Tag erkannten sämtliche Mitglieder der damaligen Europäischen Gemeinschaft Kroatien an. Deutschland nahm noch am selben Tag diplomatische Beziehungen auf. Neben den zwölf EG-Mitgliedern sprachen auch Österreich, Kanada, Bulgarien, Ungarn, Polen, Malta, Norwegen und die Schweiz ihre Anerkennung aus.
In den folgenden Tagen schlossen sich weitere Staaten an, sodass bis Ende Jänner bereits 44 Länder Kroatien anerkannt hatten. Bis heute wird der 15. Jänner als nationaler Gedenktag begangen.
Die Anerkennung durch weitere Großmächte erfolgte gestaffelt: Russland im Februar, Japan im März, die USA im April und Indien im Mai. Bis Ende 1995 hatten insgesamt 124 Staaten Kroatien anerkannt. Ein besonderer Meilenstein war das Abkommen zur Normalisierung der Beziehungen mit der Bundesrepublik Jugoslawien vom 23. August 1996, das die gegenseitige Anerkennung einschloss.
Offene Anerkennungen
Bis heute haben drei Länder Kroatien noch nicht formell anerkannt: Bhutan, Niger und Tonga. Zu den jüngsten Anerkennungen zählen Somalia im Februar 2022 sowie die Zentralafrikanische Republik und Togo, die beide am 18. September 2023 diesen Schritt vollzogen.
Etwa fünfzig Staaten haben zwar keinen formellen Anerkennungsbeschluss gefasst, aber diplomatische Beziehungen aufgenommen, was völkerrechtlich einer Anerkennung gleichkommt. In diese Kategorie fällt auch Liberia, das erst im September 2024 diplomatische Beziehungen zu Kroatien etablierte.
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Bhutan, eines der Länder ohne formelle Anerkennung, ist ein kleines buddhistisches Königreich im Himalaya, eingeklemmt zwischen Indien und China. Das Land ist bekannt für sein einzigartiges Konzept des „Bruttonationalglücks“ und hat als erster Staat der Welt ein Ministerium für Glück eingerichtet.
Niger, ein Binnenstaat in Westafrika, grenzt an sieben Nachbarländer und liegt zu zwei Dritteln in der Sahara. Archäologische Funde belegen eine frühe menschliche Besiedlung in diesem Gebiet.
Das dritte Land ohne formelle Anerkennung ist Tonga, ein polynesischer Inselstaat im südwestlichen Pazifik.
Der aus 169 Inseln bestehende Archipel erstreckt sich über 748 Quadratkilometer entlang eines Unterwasserrückens westlich des Tonga-Tiefseegrabens.