Während Nutzer ahnungslos durch ihre Facebook-App scrollen, könnte im Hintergrund eine KI bereits ihre privaten Fotos scannen – mit weitreichenden Konsequenzen.
Ein Cybersicherheitsexperte schlägt Alarm: Facebook scannt offenbar heimlich private Fotos auf Nutzerhandys mithilfe künstlicher Intelligenz. Caitlin Sarijan, in der Online-Welt als @cybersecuritygirl bekannt, macht auf ein brisantes Detail aufmerksam – viele Nutzer erteilen dem Netzwerk unwissentlich die Erlaubnis, ihre persönlichen Bilder für neue Inhalte zu verwenden.
„Facebook greift mittlerweile auf Fotos zu, die ihr noch nicht einmal gepostet habt, um daraus ‚Stories‘-Ideen zu generieren“, warnt Sarijan. „Das bedeutet, dass sie eure Galerie, Gesichter, Standorte, Zeitstempel und vieles mehr durchleuchten – und ihr habt möglicherweise keine Ahnung, dass ihr dem zugestimmt habt.“
Die neue Funktion wird derzeit bei ausgewählten Nutzern getestet und erscheint als Benachrichtigung beim Erstellen eines Beitrags oder einer „Story“. Die Mitteilung fordert zur Aktivierung der „Cloud-Verarbeitung“ auf, um „kreative Ideen aus eurer Galerie“ zu erhalten. Darunter fallen KI-generierte Zusammenstellungen, Beitragszusammenfassungen, Collagen oder verschiedene Bildbearbeitungen.
Wörtlich heißt es: „Um Ideen für euch zu erstellen, werden wir kontinuierlich Medien aus eurer Galerie auswählen und in unsere Cloud übertragen, basierend auf Informationen wie Zeit, Ort oder Themen.“
Weitreichende Befugnisse
Konkret bedeutet das: Meta, der Mutterkonzern von Facebook, kann Fotos vom Handy auf seine Server übertragen, mit KI-Technologie analysieren und bearbeiten. Das eigentliche Problem liegt jedoch tiefer: Wer der „Cloud-Verarbeitung“ zustimmt, akzeptiert automatisch auch Metas Nutzungsbedingungen für KI-Dienste.
Diese räumen dem Konzern weitreichende Befugnisse für den Zugriff, die Speicherung und Nutzung der Fotos ein. In den Bedingungen steht unmissverständlich: „Einmal geteilt, stimmt ihr zu, dass Meta diese Fotos analysieren wird, einschließlich Gesichtszüge, unter Verwendung künstlicher Intelligenz. Diese Verarbeitung ermöglicht es uns, innovative neue Funktionen anzubieten, einschließlich der Zusammenfassung von Fotoinhalten, der Modifizierung von Fotos und der Generierung neuer Inhalte auf Basis von Fotos.“
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Derselbe Vertrag gestattet Meta zudem, alle geteilten Informationen „zu behalten und zu nutzen“, um seine KI-Interaktionen zu personalisieren.
Datenschutzbedenken und DSGVO-Fragen
Obwohl Meta offiziell betont, dass die neue KI-Funktion nicht für gezielte Werbung genutzt werde, bleiben viele Fragen offen. Datenschutzexperten äußern Bedenken bezüglich der Speicherdauer der hochgeladenen Fotos und der Zugriffsrechte. Besonders problematisch: Es bleibt unklar, wie lange Meta die in die Cloud übertragenen Bilder tatsächlich speichert und wer innerhalb des Konzerns darauf zugreifen kann.
Diese Unklarheiten sind im Kontext der Datenschutz-Grundverordnung (DSGVO) besonders kritisch zu betrachten. Die DSGVO verlangt von Unternehmen Transparenz darüber, wie lange personenbezogene Daten gespeichert werden und zu welchen Zwecken sie verwendet werden.
KI-Training mit Nutzerdaten
Seit Juni 2025 hat Meta mit dem Training seiner KI-Modelle unter Verwendung öffentlich geteilter Daten von erwachsenen Nutzern in der EU begonnen, nachdem die irische Datenschutzbehörde (DPC) ihre Zustimmung gegeben hatte. Meta versichert zwar, dass nicht veröffentlichte, aber in der Cloud verarbeitete Fotos derzeit nicht für KI-Trainingszwecke verwendet werden, doch Datenschutzexperten warnen: Die Verarbeitung in der Cloud birgt grundsätzliche Risiken, da personenbezogene Daten in Trainingsdatensätze einfließen oder zur Profilbildung genutzt werden könnten.
Schutzmaßnahmen
Zum Glück erfordert diese Einstellung derzeit noch eine aktive Zustimmung. Wer die Benachrichtigung nicht bestätigt hat, dessen Daten sollten nicht automatisch geteilt werden. Wer sicherstellen möchte, dass Meta nicht mehr Zugriff erhält als nötig, kann folgende Schritte befolgen: Zunächst die Einstellungen in der Facebook-App überprüfen – dazu Facebook öffnen und zum Menü in der unteren rechten Ecke navigieren.
Nach unten zu „Einstellungen und Datenschutz“ scrollen und „Einstellungen“ auswählen. In der oberen Suchleiste „Teilen von Fotos aus der Galerie“ eingeben. Es erscheinen zwei Optionen: „Erhalten Sie Vorschläge aus der Galerie beim Durchsuchen von Facebook“ und „Erhalten Sie kreative Ideen durch Zulassen der Galerieverarbeitung in der Cloud“. Beide Optionen sollten deaktiviert sein.
Für zusätzliche Sicherheit empfiehlt Sarijan, den Zugriff auf Fotos direkt auf Telefonebene zu beschränken. Dazu in den Geräteeinstellungen zu Apps → Facebook navigieren. Dort die Option „Berechtigungen“ oder „Fotozugriff“ suchen und „Keine“ oder „Eingeschränkter Zugriff“ wählen, um zu verhindern, dass die App ohne ausdrückliche Erlaubnis auf die Fotogalerie zugreift.