Mit falschen Prophezeiungen und einem nicht existierenden Milliardär lockten sie Millionen aus ihren Opfern. Jetzt sitzt die selbsternannte Hellseherin in Untersuchungshaft.
In einem wohlhabenden Vorort von Sydney haben Ermittler ein Mutter-Tochter-Gespann festgenommen, das dem sogenannten Penthouse-Syndikat angehören soll. Die kriminelle Organisation operierte in Dover Heights und nutzte Kontakte zu korrupten Bankmitarbeitern, um Kredite für hochwertige Immobilien in Sydney zu erschleichen. Die Behörden sprechen von einem systematischen Betrugsschema, das auf Privat-, Geschäfts- und Hypothekendarlehen bei verschiedenen Finanzinstituten abzielte.
Die Festnahmen sind Teil umfassenderer Ermittlungen. Der Leiter der Finanzermittlungsabteilung, Detective Superintendent Gordon Arbinja, erklärte gegenüber der BBC: „Was als Untersuchung von gefälschten Autokrediten begann, hat sich zu einem der raffiniertesten Finanzkriminalitätsfälle entwickelt, die ich in meiner Karriere gesehen habe.“
Das Duo soll durch ihre betrügerischen Machenschaften etwa 70 Millionen australische Dollar (rund 40 Millionen Euro) erbeutet haben. Dabei gaben sich die Frauen als Wahrsagerin und Feng-Shui-Beraterin (chinesische Harmonielehre) aus.
Raffinierte Betrugsmasche
Die vermeintliche Hellseherin nutzte ihre vorgetäuschten Fähigkeiten gezielt aus. Sie versprach ihren Opfern finanzielle Unterstützung durch einen nicht existierenden Milliardär, forderte sie jedoch zuvor auf, Kredite aufzunehmen. Von diesen Darlehen behielt die Betrügerin einen Teil für sich selbst. Durch diese Masche gelang es ihr offenbar, die beachtliche Beute zu sammeln und gemeinsam mit ihrer Tochter ein Leben im Luxus zu führen.
Während die Tochter gegen Kaution freikam, muss die 52-jährige Hauptverdächtige in Untersuchungshaft bleiben. Der Prozess soll im Jänner beginnen. Laut BBC-Bericht gingen die beiden Frauen methodisch vor und wiederholten stets dasselbe Betrugsmuster. Sie zielten dabei hauptsächlich auf wohlhabende vietnamesische Einwanderer ab, die sich in finanziellen Schwierigkeiten befanden.
Belastende Beweise
Bei der Durchsuchung der Villa der angeblichen Wahrsagerin – ein Anwesen im Wert von über einer Million Euro – stellten die Ermittler zahlreiche Beweismittel sicher: Finanzdokumente, mehrere Mobiltelefone, Designerhandtaschen, einen Goldbarren von 40 Gramm (Wert: etwa 5600 Euro) sowie Casino-Chips im Wert von rund 3700 Euro.
Die 52-Jährige muss sich nun in 39 Anklagepunkten verantworten, darunter die Führung einer kriminellen Organisation und Betrug durch Täuschung zum eigenen finanziellen Vorteil.