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INTERVIEW

Gabrijela Dimitrijevic Gabi: Die Legende der Wiener Clubszene

(FOTO: zVg.)

In der sechsten Folge unserer Serie über Wiener Kultclubs haben wir mit der vielleicht bekanntesten Gastronomin der Wiener Clubszene und der Legende des Kultclubs Viva gesprochen: mit Gabrijela Dimitrijevic Gabi.

KOSMO: Wie bist du zur Gastronomie gekommen?
Gabrijela Dimitrijevic: Anfang 2000 bin ich aus der Wirtschaft in die Gastronomie gewechselt. Auf Drängen meiner Eltern hatte ich die Wirtschaftsschule abgeschlossen und ein paar Jahre in der Branche gearbeitet, aber diese Arbeit habe ich nie gerne gemacht. Sie war mir zu trocken und zu monoton. Dann sind die Kinder auf die Welt gekommen. Während der Karenz habe ich mich entschieden, mir nebenbei eine Arbeit zu suchen, um nicht nur zu Hause zu sitzen, und so habe ich angefangen, in einem Steakhouse im 9. Bezirk zu arbeiten. Das war mein Start in die Gastronomie. Anschließend habe ich durch Zufall angefangen, in einem unserer Cafés zu arbeiten. So begann meine Karriere in der Balkanszene. Aus diesem Café bin ich ins Belami gewechselt, das damals sehr bekannt war. Anschließend habe ich an der Eröffnung eines Nightclubs teilgenommen.

Das Viva war für die ex-YU-Gemeinschaft ganz Europas einer der bekanntesten Clubs, und sogar Nicht-Balkaner sind dort hingegangen. Wie hat die Geschichte angefangen?
Gabrijela Dimitrijevic: Das Viva wurde 2006 eröffnet, nachdem wir uns entschieden hatten, das Konzept des damaligen Nachtclubs zu verändern. In Wien waren zu dieser Zeit lokale Musiker beliebt, die die ganze Nacht in den Clubs Volksmusik gespielt haben. Wir haben dieses Konzept in unserem Club beendet und ihn in einen Szeneclub verwandelt. Wir haben angefangen, ausschließlich mit DJs zu arbeiten, was damals sehr ungewöhnlich war.

Wie haben die Leute auf die neue Musik reagiert?
Gabrijela Dimitrijevic: Am Anfang war es nicht leicht, denn wir haben das Programm, an das Wien gewöhnt war, verändert. Es gab Nächte, in denen wir mit den Kellnern ganz alleine in dem Lokal gesessen sind. Aber zum Glück dauerte das nicht lange und mit vereinten Kräften haben wir es geschafft, etwas ins Laufen zu bringen, das 13 Jahre lang angedauert hat. Viele Generationen sind durch das Viva gegangen, angefangen von meiner Generation bis zur Generation der Kinder unsere Freunde. Viele Freundschaften, die noch heute bestehen, sind dort entstanden, und genauso auch Beziehungen und Ehen. Das Viva war ein Club, der die Jugend vieler Generationen geprägt hat. Es war nicht nur ein Club, sondern eine ganze Geschichte, ein Konzept, eine Marke. Zu uns sind Gäste aus Deutschland, der Schweiz und dem ganzen Balkan gekommen. Viva-CDs mit einem Mix der Musik von unserem DJ Silver wurden in unseren Ländern massenweise verkauft. Ein paar Jahre gab es auch in Tuzla, der Geburtsstadt unseres Kollegen, ein erfolgreiches Viva. Überall, wo vom Viva die Rede war, wusste man, was gemeint war.

Was war das Geheimnis dieses großen Erfolgs?
Gabrijela Dimitrijevic: Ich glaube, es gab kein Erfolgsgeheimnis. Da haben einfach mehrere Faktoren zusammengespielt: der Ort, die Zeit, die Mitarbeiter, d.h. ein Team, das die selbe Leidenschaft und dieselbe Idee teilte. Wir haben für diese Geschichte alle unser Bestes gegeben und viel Kraft, Zeit und Nerven investiert. Unsere Marke hat sich tatsächlich durchgesetzt, nachdem wir die Livemusik abgeschafft hatten. Diese Entscheidung war einer der Faktoren, die zu unserem Erfolg beigetragen habt, denn diese Musik war in dem Moment und für die Generation attraktiv. Außerdem haben wir regelmäßig Partys mit verschiedenen thematischen Schwerpunkten organisiert und mit vielen Partnern zusammengearbeitet, und auch das war einer der Schlüssel zum Erfolg. Das Viva hat es geschafft, weil zur rechten Zeit alles zusammenkam, ein gutes Team und gute Entscheidungen zur rechten Zeit am rechten Ort.

Was war an dieser Arbeit das Schwerste? Wie ging es dir als Mutter?
Gabrijela Dimitrijevic: Ich habe mein Privatleben und mein Geschäft niemals miteinander vermischt. Ich habe mich so organisiert, dass ich sowohl als Mutter als auch als Geschäftsführerin des Clubs normal funktionieren konnte. Nur unsere Kinder haben ein wenig gelitten, denn sie haben sich niemals ganz frei gefühlt, wenn sie in unseren Lokalen verkehrt haben, denn irgendjemand hat sie immer erkannt (lacht). Aber die größte Herausforderung war es für mich definitiv, ein gutes Konzept für unsere Gäste zu machen und eine Marke zu schaffen, die Bestand hat. Die Herausforderung war, dass auch mein Herz voll sein sollte, wenn das Lokal voll war.