Amerikas Einfluss auf dem Balkan wächst: Eine neue Pipeline soll US-Flüssigerdgas nach Bosnien-Herzegowina bringen und die Energiekarte der Region neu zeichnen.
Nächstes Jahr startet ein amerikanisch geprägtes Energieprojekt, das Bosnien-Herzegowina und Kroatien miteinander verbindet. Die 243 Kilometer lange Pipeline mit Investitionskosten von rund 270 Millionen Euro soll erstmals die Lieferung von US-Flüssigerdgas (LNG) nach Bosnien-Herzegowina ermöglichen. Mit einer geplanten Kapazität von bis zu 1,5 Milliarden Kubikmeter Gas jährlich verspricht die Südliche Interkonnektions-Pipeline einen bedeutenden Fortschritt für die regionale Energieversorgung.
Das amerikanische LNG erreicht bereits heute per Schiff das Terminal auf der kroatischen Insel Krk. Von dort existiert zwar ein ausgebautes Gasnetz, doch der südliche Zweig endet derzeit bei Split in Dugopolje – genau dort soll die neue Südliche Interkonnektion ansetzen. Die geplante Trasse führt zunächst 52 Kilometer von Dugopolje nach Zagvozd im Hinterland von Makarska, schwenkt dann Richtung Imotski und verläuft weitere 22 Kilometer bis zur bosnischen Grenze.
Der kroatische Netzbetreiber Plinacro veranschlagt für diesen 74 Kilometer langen Abschnitt Investitionen von etwa 169 Millionen Euro. Von kroatischer Seite gab es für das Projekt stets grünes Licht – man wartete lediglich auf die Klärung politischer Fragen im Nachbarland.
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Verlauf und Kosten
Auf bosnisch-herzegowinischem Staatsgebiet erstreckt sich die Pipeline über 169 Kilometer mit geschätzten Baukosten von rund 100 Millionen Euro. Nach dem Grenzübertritt bei Posusje teilt sich die Leitung in zwei Hauptstränge: Ein Zweig versorgt die Herzegowina und führt nach Mostar durch die wirtschaftlich entwickelte Westregion mit den Industriezonen von Siroki Brijeg und Grude.
Der zweite Strang verläuft Richtung Mittelbosnien nach Travnik und schließt dort an die bestehende Pipeline Travnik-Zenica-Sarajevo an. Zudem ist die Entwicklung von Verteilnetzen für Städte wie Busovaca, Vitez, Novi Travnik und Bugojno vorgesehen.
Politischer Durchbruch
Jahrelang blockierte ein politischer Streit das Vorhaben in Bosnien-Herzegowina. Der Zankapfel: Wer soll die Pipeline bauen und betreiben? Der kroatische politische Block forderte die Gründung eines neuen Betreibers als Gegenstück zu BH Gas, was zu einem “doppelten Institutionen”-Modell geführt hätte – ähnlich wie bei Stromversorgern und Telekommunikationsunternehmen im Land.
Die Parteien aus Sarajevo lehnten dies mit Unterstützung der amerikanischen Partner jedoch konsequent ab. Vor etwa zehn Tagen gelang endlich der Durchbruch: Die Pipeline wird von einem amerikanischen Unternehmen gebaut und betrieben – ein Kompromiss, der für alle Seiten akzeptabel erscheint.
Nach Einschätzung der US-Botschaft bietet dieses Modell entscheidende Vorteile: Es ermöglicht eine zügige Projektumsetzung, amerikanische Investoren garantieren einen reibungslosen Baufortschritt, und Bosnien-Herzegowina erhält Zugang zu erschwinglichem und verlässlichem US-Flüssigerdgas – was die Energiesicherheit des Landes erheblich stärkt.
Die politischen Führungskräfte in Bosnien-Herzegowina haben ihre grundsätzliche Zustimmung signalisiert und sich zu weiteren technischen Detailgesprächen verpflichtet. Der Baustart ist für das kommende Jahr anvisiert.
Langfristig könnte Bosnien-Herzegowina über die Südliche Interkonnektion auch Gas aus anderen Quellen beziehen, darunter aus Aserbaidschan.
Dies wird möglich, sobald die gesamte Adriatisch-Ionische Pipeline fertiggestellt ist, die – über Kroatien, Montenegro und Albanien verlaufend – in Griechenland an die Transadriatische Pipeline angeschlossen wird.
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