Eine 42-jährige Linzerin wurde Opfer eines schockierenden Verbrechens durch ihren eigenen Partner. Gegenüber der „Oberösterreich-Krone“ berichtet Astrid, wie sie während eines gemeinsamen Wellnessaufenthalts in Bayern unter Drogen gesetzt und missbraucht wurde. Die Tat kam erst ans Licht, als sie auf dem Handy ihres Freundes zwölf Vergewaltigungsvideos entdeckte – vier davon zeigten sie selbst. „Ich will anderen Frauen Mut machen, sich zu trauen, ihre Peiniger anzuzeigen“, erklärt die Betroffene. Zwei weitere Frauen wurden laut Astrid auf ähnliche Weise missbraucht. Ende Oktober wurde ihr ehemaliger Partner zu einer fünfjährigen Haftstrafe verurteilt.
Petra Leschanz, Juristin beim Frauenservice Graz, bestätigt, dass solche Fälle auch in der Steiermark vorkommen. „K.-o.-Tropfen sind in Clubs ein Thema, aber auch in Beziehungen.“ Besonders beunruhigend: In Internetforen tauschen sich Tätergruppen aus und teilen sogar Bild- und Videomaterial. „Wir hatten so einen Fall in der Beratung – eine langjährige Partnerschaft mit Kindern“, berichtet die Expertin.
Systematische Gewalt
Der Austausch unter Gewalttätern zeigt sich laut Leschanz und ihren Kolleginnen auch bei Betretungs- und Annäherungsverboten. „Wir sehen das in Beziehungen, in denen der Mann bereits einmal weggewiesen wurde, dann zurückkommt, einen Streit provoziert und die Polizei ruft.“ In jüngster Zeit seien in drei Fällen Frauen weggewiesen worden. „Auch Frauen können übergriffig sein, ja – aber wir glauben, dass Notwehr hier als Angriff angezeigt wird.“ Michaela Gosch, Geschäftsführerin der Frauenhäuser, warnt jedoch davor, von einem Trend zu sprechen. Die Polizeistatistik untermauert dies: Von den 1403 Betretungsverboten, die in diesem Jahr in der Steiermark verhängt wurden, richtet sich der Großteil gegen Männer.
Vielen Frauen fällt es schwer, über erlebte Gewalt zu sprechen, erklärt Leschanz. „Ganz viele kommen wegen einer Trennung. Wir bemerken dann erst nach und nach, dass es eine Angst vor dem Partner gibt.“ Das Frauenservice bietet bewusst niederschwellige Hilfe an, da es keine explizite Gewaltschutz-Einrichtung ist. Dennoch ist jede siebte Frau, die Hilfe sucht, akut von Gewalt betroffen. Die Einrichtung arbeitet eng mit anderen Institutionen zusammen, darunter die Gewaltambulanz am Uniklinikum. „Wir schicken oft Frauen direkt von der Beratung dorthin. Durch forensische Methoden kann man Gewalt lange nachweisen – das war in mehreren Fällen ein Gamechanger.“ Dies sei besonders wichtig, wenn Aussage gegen Aussage steht.
⇢ Jede dritte Frau von Gewalt betroffen: „JEDE 3.“ bricht das Schweigen
Rechtliche Fortschritte
„Gewalt ist Machtausübung und Grenzüberschreitung – und erfordert eine hierarchische Grundhaltung, die viel mit Geschlechterbildern zu tun hat“, erläutert Petra Leschanz. Die Juristin befürwortet die derzeit intensiv diskutierte Änderung im Sexualstrafrecht: Statt „Nein heißt Nein“ könnte künftig „Nur Ja heißt Ja“ gelten. „Das wäre ein fundamentaler Fortschritt und ein ganz neues Beweiskonzept.“ Der entscheidende Unterschied: Der Täter müsste nachweisen, dass das Opfer eingewilligt hat – nicht umgekehrt.
„Vor allem für bewusstlose Opfer würde das viel ändern“, betont die Expertin.