Massenexodus nach Visapflicht: Tausende Türken verlassen Montenegro, Unternehmen schließen. Ein Messerangriff und rechte Ausschreitungen lösten die diplomatische Krise aus.
Nach der Einführung von Visa für türkische Staatsbürger haben fast 9.000 Türken Montenegro verlassen. Seit dem 27. Oktober, als die Regierung in Podgorica die visafreie Regelung aufhob, reisten 8.935 türkische Staatsbürger aus dem Balkanland aus, wie das montenegrinische Innenministerium der Tageszeitung Vijesti mitteilte.
Die Auswirkungen zeigen sich auch in der Wirtschaft: Allein im November mussten 31 türkische Unternehmen in Montenegro ihren Betrieb einstellen – statistisch gesehen schloss damit täglich ein Unternehmen seine Pforten. Montenegrinische Medien berichten zudem von einem deutlichen Rückgang türkischer Besucher.
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Auslöser der Krise
Auslöser für die Visapflicht war ein Vorfall am 25. Oktober im Stadtteil Zabjelo in Podgorica. Dort wurde ein 25-jähriger Montenegriner mit einem Messer verletzt. Die Polizei hatte zunächst türkische und aserbaidschanische Staatsbürger als Tatverdächtige genannt, später jedoch präzisiert, dass vermutlich zwei Aserbaidschaner für die Tat verantwortlich seien.
In der Folge kam es zu Protesten rechtsgerichteter Gruppierungen, bei denen mehrere Geschäfte in türkischem Besitz in Brand gesetzt wurden. Nach Angaben der montenegrinischen Steuerbehörde sind im Land 2.140 Unternehmen mit türkischen Eigentümern registriert. Sie sind vorwiegend im Großhandel, Baugewerbe, Gastgewerbe, in der Unternehmensberatung sowie im Fahrzeugverleih tätig.
Wirtschaftliche Folgen
„Seit Jahresbeginn wurden insgesamt 234 türkische Unternehmen aus dem Zentralregister gelöscht, davon 31 allein im vergangenen Monat“, teilte die Steuerbehörde dem Portal Bankar mit. Diese Zahlen deuten nach Einschätzung von Wirtschaftsexperten darauf hin, dass die Ausschreitungen in Podgorica und die Einführung der Visapflicht spürbare Auswirkungen auf den Markt haben. Offenbar überdenken zahlreiche Investoren ihr Engagement in Montenegro.
Der montenegrinische Außenminister Ervin Ibrahimovic zeigte sich jedoch zuversichtlich, dass die Visapflicht bald wieder aufgehoben werden könnte. Er verwies auf die intensivierte Zusammenarbeit der Sicherheitsdienste beider Länder nach dem Vorfall und erklärte: „Ich glaube, dass wir türkische Staatsbürger bald von der Visapflicht befreien werden.“