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REPORTAGE

Nada & Milun Nikolić: Beispielhafte Menschlichkeit unserer Community

FOTO: Radule Bozinovic

MITLEID. Wenn einen fremde Not berührt, wenn die Hoffnungslosigkeit unbekannter Menschen den Wunsch weckt, ihnen uneigennützig zu helfen, ist die höchste Stufe der Menschlichkeit erreicht. KOSMO stellt euch in unserer vier-teiligen Serie großherzige Wiener mit Balkan-Wurzeln vor, deren Verhalten gegenüber Hilfsbedürftigen Bewunderung und großen Respekt verdient.

Wir leben in schweren Zeiten. Es gibt viele hungrige, entrechtete und durch fremdes Übel ins Elend gestürzte Menschen, deren Fundamente erschüttert sind, deren Würde verletzt wurde. Sie sind hier, bei uns. Wir können die Augen vor ihnen verschließen, wir können unsere kleine, verlogene Welt vor ihrer Not schützen. Aber wir können auch zulassen, dass das Mitleid in uns siegt, und ihnen helfen. Dass wir uns richtig verstehen: Echtes Mitleid ist nicht mit der Erwartung verbunden, dass man das, was man gibt, auch zurückbekommt. Es gibt kein Geben ohne Verzicht und Opfer. Wenn wir einmal diese Linie ziehen, werden wir begreifen, dass von allem, was wir haben, nur das bleibt, was wir anderen gegeben haben. Die Menschen, die wir bei der Arbeit an dieser Geschichte über Menschlichkeit kennengelernt haben, wecken die Hoffnung, dass der Menschen für den Menschen auch Mensch sein kann, und nicht nur Wolf.

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MITLEID. Wenn einen fremde Not berührt, wenn die Hoffnungslosigkeit unbekannter Menschen den Wunsch weckt, ihnen uneigennützig zu helfen, ist die höchste Stufe der Menschlichkeit erreicht. KOSMO stellt euch in unserer vier-teiligen Serie großherzige Wiener mit Balkan-Wurzeln vor, deren Verhalten gegenüber Hilfsbedürftigen Bewunderung und großen Respekt verdient.

 

Nada und Milun Nikolić

Die humanitäre Arbeit ist unser Lebensstil

Nada – eine langjährige Lehrerin für den Praxisunterricht an einer medizinischen Schule. Milun – Ingenieur der Elektrotechnik, der mehrere Jahrzehnte lang technischer Direktor des St. Anna Kinderspitals war. Beide stammen aus Serbien, leben seit über 40 Jahren in Wien und sind heute beide Pensionisten.

Milun Nikolić: „Einen großen Teil der Ausstattung aus dem alten AKH haben wir in unsere Region geschickt. Das waren Krankenhausmöbel, Bettwäsche und medizinische Apparate.“ (FOTO: Radule Bozinovic)
Milun Nikolić: „Einen großen Teil der Ausstattung aus dem alten AKH haben wir in unsere Region geschickt. Das waren Krankenhausmöbel, Bettwäsche und medizinische Apparate.“ (FOTO: Radule Bozinovic)

„Humanitäre Arbeit machen wir seit den 80-er Jahren des letzten Jahrhunderts. Aber wegen des Krieges im ehemaligen Jugoslawien wurde der Bedarf der Menschen immer größer, so ist uns das Helfen zum Lebensstil geworden. Weil wir beide der Kirche sehr verbunden sind, haben wir unsere Hilfe häufig über diese Kanäle geleistet, und ich glaube, dass wir noch nie einen Hilferuf ignoriert haben“, beginnt Frau Nada ihre Reise durch die Erinnerung und erwähnt, dass sie ihren ersten humanitären Konvoi in den achtziger Jahren an das Rote Kreuz in Zagreb geschickt haben.

In den neunziger Jahren herrschte schrecklicher Mangel, die Sanktionen gegen Serbien trafen Kinder, Alte und Invalide. In den Krankenhäusern fehlten die grundlegendsten Materialien und die Nikolićs berührte all das schmerzlich.

„Als das AKH in das neue Gebäude übersiedelte, schickten wir einen Großteil der Ausstattung des alten Krankenhauses in unsere Region. Das waren Krankenhausmöbel, Bettwäsche, medizinische Apparate. Solche Aktionen gab es viele und normalerweise haben wir einen Teil geschenkt bekommen und einen Teil abgekauft, auf unsere Kosten warten lassen und dorthin geschickt, wo die Menschen nichts hatten. An vielen Orten sind diese Dinge noch immer in Verwendung. Ich betone, dass wir niemals Müll geschickt haben. In meinem Bojnik habe ich auf diese Weise eine Tagesklinik ausgestattet und bis heute haben wir 16 Krankenwagen gespendet“, erzählt Milun von seinem humanitären Engagement.

Einmal schickte eine Mutter aus Belgrad, deren dreijährige Tochter an Leukämie erkrankt war, einer Bekannten in Wien einen Haufen medizinischer Rezepte, weil es wegen der Sanktionen dort keine Medikamente gab. Die Frau wandte sich an Milun Nikolić und bat ihn um Hilfe. Innerhalb von 24 Stunden war die erste Dosis der Therapie auf dem Weg zu dem kranken Kind.

Nada ist für das Leid von Kindern empfänglich. Um eine Flüchtlingsfamilie aus Fruška Gora kümmerte sie sich 10 Jahre lang. (FOTO: Radule Bozinovic)
Nada ist für das Leid von Kindern empfänglich. Um eine Flüchtlingsfamilie aus Fruška Gora kümmerte sie sich 10 Jahre lang. (FOTO: Radule Bozinovic)

„Das ist nur einer von vielen ähnlichen Fällen. Ich könnte es mir niemals verzeihen, wenn ich einem kranken Kind nicht helfen würde. Normalerweise handelte es sich um ziemlich teure Medikamente und ich habe sie direkt bei den Großhändlern bezogen, die mich von vielen humanitären Aktionen her bereits kannten. Sie haben mir die Medikamente manchmal sogar geschenkt. Das Mädchen, das ich erwähnt habe, ist heute eine gesunde junge Frau, und einen besseren Lohn als das gibt es nicht, glauben Sie mir!“, erzählt der bekannte Wohltäter bescheiden.

Nada Nikolić betrifft vor allem das Leid von Kindern. Unter vielen Beispielen erwähnt sie den Fall einer Flüchtlingsfamilie aus Fruška Gora, um die sie sich zehn Jahre lang gekümmert hat. „Die Eltern haben ihre drei Kinder großartig erzogen, sie waren wie die Orgelpfeifen. Sie waren arm, aber sie haben um nichts gebeten. Ich habe ihnen Kleidung und Schuhe, Schulsachen, Essen, Heizmaterialien  gekauft und ihnen Geld gegeben. Sie haben es mir durch Anhänglichkeit und ausgezeichnete Schulnoten gedankt. Mein jüngerer Sohn hat sich wunderbar mit ihnen verstanden und hat gelernt, dass im Leben nichts selbstverständlich ist. Meine Schützlinge sind auf die Beine gekommen und ich bin glücklich, dass ich ihr Aufwachsen zumindest etwas erleichtern konnte, so wie es auch mit den beiden Mädchen aus der Gegend von Bijeljina der Fall war, denen ich jeden Monat Geld für die Schulausbildung geschickt habe.“, erzählt diese gute Frau.

Die Nikolićs helfen immer, so sehr sie können. Sie haben auch bei Hilfssammlungen für syrische Flüchtlinge mitgewirkt. (FOTO: Radule Bozinovic)
Die Nikolićs helfen immer, so sehr sie können. Sie haben auch bei Hilfssammlungen für syrische Flüchtlinge mitgewirkt. (FOTO: Radule Bozinovic)

Die Nikolićs helfen noch heute, wo sie können. Sie haben auch beim Sammeln von Hilfsgütern für syrische Flüchtlinge mitgearbeitet, häufig wenden sich unsere Studenten an sie, wenn sie zum Studium nach Wien kommen, und sie unterstützen Aktionen der Kirche.

„Wir sind keine reichen Leute und wir müssen auf manches verzichten, um anderen etwas zu geben Ich fahre ein altes Auto, das Mobiliar in der Wohnung hätte schon längst ersetzt werden müssen, aber all das verschieben wir immer wieder auf bessere Zeiten. Wir geben nicht das, was wir übrig haben, denn wir haben nichts übrig, wir leben sehr bescheiden, aber wir beschweren uns nicht“, unterstreichen die Nikolićs, die, da sie Menschen in Not helfen, ihren beiden Söhnen, der Schwiegertochter, der Enkelin und dem Enkel weniger geben können.

Wir sind nicht reich und müssen auf manches verzichten, um anderen zu helfen. Wir leben ziemlich bescheiden, aber wir beklagen uns nicht“, sagen die Nikolićs.

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