Beim Friseur zahlen Frauen oft mehr als Männer – selbst für ähnliche Kurzhaarschnitte. Die umstrittene Praxis gerät unter Druck, während immer mehr Salons auf neutrale Preismodelle umstellen.
Jahrzehntelang teilten Friseursalons ihre Preislisten strikt in „Damen“ und „Herren“ – mit deutlichen finanziellen Nachteilen für weibliche Kunden. Eine Untersuchung der Antidiskriminierungsstelle des Bundes belegt dieses Ungleichgewicht: Bei fast 90 Prozent der erfassten Betriebe zahlten Frauen für vergleichbare Kurzhaarschnitte erheblich mehr als Männer. Verbraucherschützer sprechen von einem strukturellen Problem, das unter Begriffen wie „Pink Tax“ oder „Gender Pricing“ bekannt ist – ein Phänomen, das sich vom Rasierer bis zum Friseurbesuch durch zahlreiche Produkte und Dienstleistungen zieht.
Die Friseurbranche verteidigt die Preisdifferenz mit unterschiedlichem Leistungsumfang: Ein typischer „Damenhaarschnitt“ beinhaltet oft aufwendigere Schnitttechniken, Föhnen, Styling, spezielle Pflegeprodukte und ausführlichere Beratung. Der klassische Männerhaarschnitt wird dagegen häufig als schneller „Cut & Go“ eingestuft. Während männliche Kunden oft nach 15 Minuten den Salon verlassen können, benötigt selbst ein Kurzhaarschnitt bei Frauen in vielen Betrieben deutlich mehr Zeit. Die Antidiskriminierungsstelle rät jedoch nachdrücklich zu geschlechtsneutralen Preisen im Dienstleistungssektor, die sich am tatsächlichen Aufwand orientieren.
Neue Preismodelle
In der Praxis vollzieht sich bereits ein Wandel. Bei unserem Nachbarn in Deutschland trat im Salon „Harper Hair“ in Bochum folgender Fall ein: Nachdem eine Kundin mit Kurzhaarfrisur den günstigeren „Männerhaarschnitt“ online buchte und die Preisunterschiede kritisch hinterfragte, stellte die Inhaberin ihr gesamtes Preismodell um. Heute richtet sich die Preisgestaltung ausschließlich nach der Haarlänge – kategorisiert in „kurz“, „mittel“, „lang“ oder „Überlänge“ – ohne Berücksichtigung des Geschlechts.
Ähnliche Konzepte setzen sich in zahlreichen Städten durch. Manche Salons berechnen nach Zeitaufwand, andere bieten klar definierte Leistungspakete wie „Cut & Go“, „Cut & Style“ oder „Color & Cut“ an. Entscheidend sind dabei Faktoren wie Haardichte, Länge und angewandte Technik – nicht mehr die Geschlechtszugehörigkeit. Fachpublikationen der Branche verzeichnen Unisex-Preislisten als zunehmenden Standard, nicht zuletzt weil sie Diskussionen um Gender Pricing entschärfen.
Transparente Kalkulation
Die Entwicklung ist eindeutig: Traditionelle Muster, bei denen Frauen pauschal höhere Preise zahlen, geraten zunehmend unter Rechtfertigungsdruck. Salons mit transparenter, aufwandsbezogener Preisgestaltung nach Faktoren wie Material und Haarlänge können nachvollziehbar begründen, warum ein komplexer Langhaarschnitt mehr kostet als ein schneller Maschinenschnitt – ohne dabei auf das Geschlecht der Kundschaft Bezug zu nehmen.
Die höheren Friseurkosten für Frauen basieren hauptsächlich auf überholten Preisstrukturen und unterschiedlichen Leistungspaketen. Gesellschaftlicher Wandel und rechtliche Empfehlungen treiben jedoch eine Transformation der Branche voran.
Der Trend weist klar in Richtung geschlechtsneutraler Preismodelle: Entscheidend wird zunehmend der tatsächliche Arbeitsaufwand – nicht die Kategorisierung nach Geschlecht.