271 Tage lang hielt eine Schweineniere einen Menschen am Leben – ein medizinischer Meilenstein mit offenem Ausgang.
Tim Andrews litt an einem Nierenversagen im Endstadium, ausgelöst durch Typ-2-Diabetes – und wartete auf eine menschliche Spenderniere, die nicht rechtzeitig verfügbar war. Im Jänner 2025 erhielt er am Massachusetts General Hospital in Boston eine Niere eines genetisch modifizierten Minischweins. Insgesamt 69 Veränderungen am Erbgut des Tieres waren notwendig, um das Risiko einer Abstoßung zu minimieren.
Die transplantierte Niere arbeitete 271 Tage lang ohne Dialysebedarf. Bereits 14 Tage nach dem Eingriff zeigten sich erste leichte Abstoßungsreaktionen, später traten weitere Komplikationen auf. Dennoch überbrückte die Schweineniere die Wartezeit erfolgreich, bis Andrews im Jänner 2026 eine menschliche Spenderniere erhielt, die sein Körper annahm.
Xenotransplantation
Die Xenotransplantation gilt in der Transplantationsmedizin als vielversprechender Ansatz. Durch die gezielte genetische Anpassung des Schweineerbguts sowie die besondere Haltung der Minischweine zur Reduktion potenzieller Krankheitserreger gelang es dem Forscherteam, für Andrews eine funktionsfähige Übergangslösung zu schaffen. Eine Übertragung von Schweinekrankheiten auf den Patienten wurde nicht festgestellt.
Wissenschaftler sehen in Schweinenieren eine realistische Möglichkeit, die Lücke zwischen Organversagen und verfügbarem menschlichem Spenderorgan zu überbrücken. Die Dringlichkeit zeigt sich in den Zahlen: Im Jahr 2024 starben weltweit 31.853 Patientinnen und Patienten auf der Warteliste für eine Organtransplantation. Allein in den Mitgliedstaaten des Eurotransplant-Verbundes waren es 1.103 Personen, davon 465 auf der Warteliste für eine Niere.
„Unsere Vision ist, dass die Xenotransplantation dazu beitragen kann, diese Lücke zu schließen“, erklärte Leonardo Riella vom Massachusetts General Hospital in Boston.