Teure Zutaten, strenge Vorschriften und ein florierender Schwarzmarkt – der Handel mit Weihnachtskeksen entwickelt sich zum brisanten Geschäft mit ungeahnten Risiken.
Die Inflation treibt die Kosten für Backzutaten in Österreich weiterhin in die Höhe. Während der Verbraucherpreisindex für Butter 2020 noch bei 127 Punkten lag, erreichte er 2024 bereits 164 Punkte. Ähnliche Entwicklungen verzeichneten auch Kristallzucker und Vollmilchschokolade, wie aus Daten der Statistik Austria hervorgeht. Die Teuerungswelle hat die Backzutaten voll erfasst.
Leo Jindrak, Bundesinnungsmeister der Lebensmittelgewerbe in der Wirtschaftskammer, erklärt gegenüber ORF.at: „Die Teuerungen waren natürlich sehr schmerzhaft. Auch wenn die Preise für einzelne Zutaten wie Schokolade vor Kurzem ein wenig gesunken sind, bewegen wir uns doch auf einem insgesamt viel höheren Kostenniveau als in den vergangenen Jahren.“ Zusätzlich beobachtet er extreme Preisschwankungen – Haselnüsse verteuerten sich beispielsweise innerhalb kürzester Zeit um 50 Prozent.
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In seinem eigenen Betrieb musste Jindrak die Preise um etwa drei Prozent anheben. „Da sind in der Kalkulation aber nicht nur die Rohwarenkosten ein Thema, sondern ganz massiv auch die Kosten für die Energie. Und auch die Löhne sind in den letzten Jahren im Konditorgewerbe stark angestiegen.“
Kurz vor dem Weihnachtsfest wächst die Nachfrage nach Keksen, die in nahezu allen Geschäften prominent angeboten werden. Allerdings haben sich die traditionellen Weihnachtsbäckereien zu einem kostspieligen Vergnügen entwickelt, da die Preise für wesentliche Zutaten in den vergangenen Jahren kontinuierlich gestiegen sind.
In Supermärkten und an Marktständen können Weihnachtskekse schnell 40 Euro pro Kilogramm oder mehr kosten. Der private Handel im Internet bietet zwar günstigere Alternativen mit niedrigen Einstiegshürden, birgt jedoch erhebliche Gesundheitsrisiken – und kann für Verkäufer empfindliche Strafen nach sich ziehen.
Illegaler Kekshandel
Die hohen Preise haben vermutlich zur Entstehung eines Schwarzmarkts für Kekse im Internet beigetragen. Auf gängigen Verkaufsplattformen finden sich zahlreiche private Angebote für verschiedenste Weihnachtsbäckereien. Immer wieder wird auch von Fällen berichtet, in denen mehrere hundert Kilogramm Weihnachtskekse zu Dumpingpreisen online angeboten werden.
Dies ist jedoch mit erheblichen Problemen verbunden. Privatpersonen dürfen lediglich Mengen verkaufen, die in „häuslicher Nebenbeschäftigung“ hergestellt wurden. Alexander Hengl vom Wiener Marktamt erläutert: „Da fängt es schon an. Das kann sich gar nicht an einen großen Personenkreis richten. Wenn ich daheim zu viele Kekse gebacken habe und dem Nachbarn ein paar davon verkaufe, ist es in Ordnung. Was ich aber im World Wide Web anbiete, widerspricht dem schon.“
Strenge Kontrollen
Für Verkäufe, die über haushaltsübliche Mengen hinausgehen, ist ein Gewerbeschein erforderlich. „Das ist ein reglementiertes Gewerbe, ich brauche Vorahnung, eine Lehre und mehr“, erklärt Hengl im Gespräch mit ORF.at. „Eine normale Haushaltsküche, egal wie sauber sie ist, wird die Bedingungen nicht erfüllen können, zum Beispiel weil sie oft aus Holz bestehen.“
Zudem fehlen bei privaten Angeboten häufig gesetzlich vorgeschriebene Angaben zu Inhaltsstoffen, Allergenen und Gewicht, die für gewerbliche Anbieter verpflichtend sind.
Das Marktamt führt jährlich tausende Kontrollen verschiedenster Art durch. Im vergangenen Jahr wurden etwa 150 Überprüfungen im Zusammenhang mit privaten Keksverkäufen im Internet durchgeführt, die zu rund 25 Anzeigen führten. Dafür durchsucht das Amt systematisch relevante Internetplattformen wie Instagram, Facebook und willhaben.
Entdeckt man einen Anbieter ohne entsprechende Voraussetzungen, werden die Kontaktdaten ermittelt. „Da haben wir schon unsere Mittel und Wege“, so Hengl, etwa durch Anwendung des Telekommunikationsgesetzes. Die anschließend von Bezirksämtern oder Bezirkshauptmannschaften verhängten Strafen können beträchtlich ausfallen – beginnend bei 700 Euro für unbefugte Gewerbeausübung bis hin zu 3.600 Euro. Zusätzliche finanzielle Belastungen können entstehen, wenn später auch das Finanzamt Nachforderungen stellt.
Konditor Jindrak betont, dass der Verkauf von Keksen über das Internet grundsätzlich weder für handwerkliche Betriebe noch für Privatpersonen verboten sei. „Allerdings handelt es sich bei vielen dieser Onlineverkäufe um große Mengen an Keksen, die ohne die Anmeldung eines entsprechenden Gewerbes produziert wurden.“ Er fordert eine Präzisierung im Gewerberecht, da das Problem zunehme: „Die Menschen lernen immer besser, mit modernen Vermarktungstechnologien wie sozialen Netzwerken umzugehen, dementsprechend steigt auch das diesbezügliche Angebot von Jahr zu Jahr“, so Jindrak.
Hengl sieht die Situation, zumindest in Wien, anders. Hier gehe der illegale Keksverkauf zurück, da das Marktamt diesem bereits seit Jahren nachgehe. „Ich glaube, in Wien haben wir das ganz gut unter Kontrolle“, meint Hengl. Das Lebensmittelrecht in der EU und in Österreich sei sehr streng. „Bei jedem, der daran vorbeiarbeiten möchte, muss ich mir zweimal überlegen, ob ich dort kaufe.“ Bei öffentlichen Inseraten ohne Namen und Adresse oder bei Straßenverkäufen sei stets Vorsicht geboten.
Andernfalls könne man nie sicher sein, ob beispielsweise die Eier in den Keksen ausreichend durchgebacken sind oder ob bedenkliche Inhaltsstoffe enthalten sein könnten.