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KONTROVERSE ANSICHTEN

„Zeitlich begrenzt“: Kickl will Gastarbeiter nach Österreich holen

HERBERT_KICKL
(EPA/Christian Bruna)

Am Montagabend war FPÖ-Chef Herbert Kickl, zu Gast bei den ORF-Sommergesprächen. Im Kontext des Arbeitskräftemangels bricht der Politiker mit einer kontroversen Idee: Österreich könnte möglicherweise auf zeitlich begrenzte Gastarbeiter setzen. Kickl betont, dass dies jedoch lediglich eine vorübergehende Lösung sein könne. Ein Schritt, der auf Zustimmung und Kritik stoßen dürfte.

Hinsichtlich des Arbeitskräftemangels brachte Kickl neue Aspekte zur Sprache. Angesichts der Tatsache, dass politische Verbündete in Italien und Ungarn Arbeitskräfte aus Drittländern anwerben, äußerte Kickl die Überlegung, dass Österreich möglicherweise erneut Gastarbeiter ins Land holen könnte. „Wenn wir den Bedarf, nicht anders decken können, ist es logisch, dass wir zeitlich begrenzt, nach unseren Bedürfnissen und nach unseren Vorgaben Leute ins Land zu lassen.“ Früher habe es die Gastarbeiter gegeben, die dann wieder nach Hause zurückgegangen sind. „Das kann maximal eine Übergangssituation sein.“

große Migrationsdebatte

Mit dieser Aussage sorgte der FPÖ-Chef für große Aufregung. Der Begriff „Gastarbeiter“ wirft ein Schlaglicht auf eine Zeit, in der Arbeitsmigration und die wirtschaftliche Abhängigkeit von ausländischen Arbeitskräften ein zentrales Thema waren. Die Gastarbeiter von damals wurden oft als eine unverzichtbare Ressource betrachtet, die in erster Linie für körperlich anstrengende und wenig angesehene Aufgaben angeworben wurden. Sie wurden als Hilfsarbeiter angestellt, um die als „Drecksarbeit“ stigmatisierten Tätigkeiten auszuführen – eine Bezeichnung, die ihre prekäre Position in der Arbeitswelt nur unzureichend reflektiert. Während die Wirtschaft von deren Arbeit profitierte, führte die soziale Isolation und rechtliche Unsicherheit der Gastarbeiter zu einer oft ignorierten Kluft in der Gesellschaft.

In der heutigen Debatte über Migration und Arbeitskräftemangel ist es daher entscheidend, den historischen Kontext zu berücksichtigen und sicherzustellen, dass vergangene Fehler nicht wiederholt werden.

In Europa herrscht ein akuter Mangel an Fachkräften, und die Frage der Arbeitsmigration steht im Mittelpunkt. Doch die Idee, Fachkräfte nur „solange wie gebraucht“ ins Land zu holen und dann wieder „nach Hause zu schicken“, wirft ernsthafte Zweifel auf. Eine solche kurzfristige Perspektive könnte dazu führen, dass ausländische Arbeitskräfte sich wie „austauschbare Werkzeuge“ behandelt fühlen, ohne langfristige Bindung oder Identifikation mit dem Gastland.

Damit Fachkräfte langfristig im Land bleiben, muss die Diskussion über Migration über den bloßen Arbeitsbedarf hinausgehen. Sie muss Fragen der sozialen Integration und Gleichbehandlung angehen. Ein rein ökonomischer Ansatz könnte langfristig zu sozialen Problemen und Unzufriedenheit in Österreich führen.