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Förderbilanz

20 Milliarden mehr aus Brüssel erhalten als eingezahlt – trotzdem brodelt es in Zagreb

20 Milliarden mehr aus Brüssel erhalten als eingezahlt – trotzdem brodelt es in Zagreb
Foto: iStock, epa/OLIVIER HOSLET
2 Min. Lesezeit |

20 Milliarden Euro Nettogewinn aus der EU – und trotzdem brodelt es im kroatischen Parlament. Die Bilanz spaltet das Land.

Kroatien hat seit seinem EU-Beitritt am 1. Juli 2013 deutlich mehr aus dem Gemeinschaftshaushalt bezogen, als es eingezahlt hat. Zum Stichtag 30. Jänner 2025 belief sich der Nettoüberschuss auf 16,75 Milliarden Euro – inzwischen ist dieser Betrag auf 20,1 Milliarden Euro angewachsen. Das erklärte Domagoj Mikulic, Staatssekretär im Ministerium für regionale Entwicklung und EU-Fonds, im Rahmen einer parlamentarischen Debatte in Zagreb.

Die Mittel seien in zentrale Bereiche wie Bildung, Gesundheit, Infrastruktur, Unternehmertum, Innovation und Umweltschutz geflossen. Dass diese Investitionen bei der Bevölkerung ankommen, belegt laut Mikulic auch eine aktuelle Eurobarometer-Erhebung: Demnach sind 70 Prozent der kroatischen Bürgerinnen und Bürger mit EU-geförderten Projekten in ihrer unmittelbaren Umgebung vertraut – gegenüber einem EU-weiten Durchschnitt von lediglich 46 Prozent. Noch in diesem Monat wird zudem die achte Tranche aus dem Nationalen Aufbau- und Resilienzplan erwartet, die weitere 896 Millionen Euro in das Land bringen soll.

Oppositionskritik

Doch die Oppositionsparteien zeichnen ein deutlich nüchterneres Bild. Die SDP-Abgeordnete Sanja Radolovic verwies darauf, dass fünf kroatische Gespanschaften nach wie vor ein Pro-Kopf-BIP auf dem Niveau des Jahres 2001 aufweisen. Die EU-Gelder hätten als Motor für wirtschaftliche Entwicklung und den Abbau sozialer Ungleichheiten dienen sollen – stattdessen seien sie allzu oft in Bauprojekte geflossen.

Radolovic kritisierte überdies, dass zahlreiche Vorhaben mit bürokratischen Verzögerungen, Kostensteigerungen von 30 bis 40 Prozent und einem akuten Mangel an Fachkräften am Bau zu kämpfen haben. Noch grundsätzlicher fiel die Kritik des unabhängigen Abgeordneten Josip Jurcevic aus: Die präsentierte Bilanz sei schlicht falsch gerechnet, da sie die Abwanderung qualifizierter Arbeitskräfte außer Acht lasse – ein Verlust, den Experten auf bis zu 500 Milliarden Euro beziffern.

HDZ-Verteidigung

Aus den Reihen der Regierungspartei HDZ verteidigte Abgeordneter Marko Pavic die bisherige Bilanz als außerordentlichen Erfolg. Kroatien habe die EU-Mittel effizient genutzt, und in der kommenden Finanzperiode stünden dem Land rund 19 Milliarden Euro zur Verfügung. Als Beleg für die Wirksamkeit der Kohäsionspolitik nannte Pavic die BIP-Entwicklung: Binnen zehn Jahren sei das kroatische Bruttoinlandsprodukt von 61 auf 78 Prozent des EU-Durchschnitts gestiegen.

Gleichzeitig räumte er ein, dass künftig verstärkt in Forschung, Entwicklung und moderne Technologien investiert werden müsse, um nachhaltig neue Arbeitsplätze zu schaffen.