249 tote Tiere in vier Monaten – und ein Mann, dem Tierhaltung verboten ist, soll trotzdem noch im Stall stehen.
Rinder, die knietief in flüssigen Fäkalien stehen, ausgezehrte Schafe und Ziegen am Rand ihrer Kräfte: Neues Videomaterial aus einem niederösterreichischen Mastbetrieb, der bereits mehrfach bei den Behörden aktenkundig wurde, sorgt erneut für Bestürzung. Hinzu kommt ein besonders schwerwiegender Vorwurf: Ein Landwirt, dem die Tierhaltung behördlich untersagt wurde, soll auf dem Gelände nach wie vor aktiv sein. Der VEREIN GEGEN TIERFABRIKEN (VGT) erstattet nun zum vierten Mal Anzeige gegen den Betrieb im Bezirk St. Pölten-Land – wegen des Verdachts der Tierquälerei.
Wie gravierend das mutmaßliche Ausmaß des Tierleids ist, verdeutlicht eine erschreckende Zahl: Zwischen Anfang April und Anfang August 2026 sollen in dem Betrieb insgesamt 249 tote Tiere dokumentiert worden sein – das entspricht einem Durchschnitt von rund zwei Todesfällen täglich. Aufnahmen sollen zudem sterbende Tiere in den Buchten sowie Müllbehälter zeigen, die mit Tierkadavern gefüllt sind.
Schwere Misshandlungsvorwürfe
Das dem VGT zugespielten Bildmaterial zeigt nach Angaben der Organisation Rinder, die in verschmutzten Buchten stehen, völlig verdreckten Stallbereiche sowie Schafe und Ziegen in einem besorgniserregenden Ernährungszustand. Viele Tiere wirken krank, husten oder zeigen Hautveränderungen und geschwollene Euter. Die schwersten Vorwürfe stützen sich auf Videoaufnahmen (Triggerwarnung!): Darauf soll ein Landwirt eine Ziege an den Hörnern über eine Buchtenwand zerren, während eine weitere Person Tiere mehrfach mit einer Mistgabel schlägt.
Für den VGT ist schwer nachvollziehbar, dass die Zustände trotz jahrelanger Anzeigen und behördlicher Eingriffe offenbar unverändert fortbestehen. Bereits 2022 und 2023 hatte die Organisation die Verhältnisse in dem Betrieb öffentlich gemacht. In der Folge wurde eine sogenannte Taskforce Tierschutz ins Leben gerufen, die den Betrieb in regelmäßigen Abständen – zunächst im Zwei-Wochen-Rhythmus – kontrollieren sollte.
Verbot ignoriert
Im Mai 2023 erging gegen den damaligen Betreiber ein Tierhaltungsverbot. Seither wird der Betrieb formell von Familienmitgliedern geführt. Das neue Videomaterial soll laut VGT jedoch belegen, dass der betroffene Mann nach wie vor im Stall tätig ist und direkten Umgang mit den Tieren hat. Die Organisation hat deshalb erneut Strafanzeige eingebracht. Campaigner David Richter, der den Fall bereits seit 2013 begleitet, übt scharfe Kritik am bestehenden Kontrollsystem und fordert von der Bezirkshauptmannschaft St. Pölten-Land sowie vom Land Niederösterreich Antworten.
Die Bezirkshauptmannschaft hat in einem ähnlich gelagerten Fall im niederösterreichischen Bezirk Neunkirchen im Mai 2025 ein seit März rechtskräftiges Tierhaltungsverbot durchgesetzt und dabei mehr als 50 Tiere – darunter 43 Pferde sowie mehrere Lamas, Alpakas und Hunde – behördlich abnehmen lassen. Die Tatsache, dass in anderen Bezirken konsequent durchgegriffen wird, verstärkt die Kritik am Vorgehen der Behörden im vorliegenden Fall.
Für den VGT ist eine Grenze erreicht: Die Organisation verlangt die sofortige und endgültige Schließung des Betriebs, die konsequente Durchsetzung des bestehenden Tierhaltungsverbots sowie die Abnahme der Tiere. Parallel dazu lanciert der Verein eine Petition, die auf strengere Kontrollen, höhere Höchststrafen bei Tierquälerei und mehr Transparenz im Umgang mit akuten Missständen abzielt.
Für Donnerstag, den 27. August, kündigt der VGT zudem eine Demonstration vor Ort an – Treffpunkt für den Protestmarsch ist um 16 Uhr in Traismauer.