Abgereichertes Uran bei NATO-Bombardement: Italienisches Urteil könnte Wende bringen

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Abgereichertes Uran bei NATO-Bombardement: Italienisches Urteil könnte Wende bringen

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Nato-Bombardement-Uran-Abgereichert
(FOTOS: zVg.)

Serbische Akademiker gründeten einen Verein, der sich für Betroffene des NATO-Bombardements im Jahr 1999 stark macht. Ziel ist es, Entschädigung für den Einsatz abgereicherten Urans anzuklagen. Ein Urteil aus Italien könnte der Schlüssel für eine wichtige Wende in diesem Fall sein.

Anfang des Jahres wurde in Belgrad eine parlamentarische Untersuchungskommission gegründet, die einen Zusammenhang zwischen Krebsfällen und NATO-bomben untersuchen soll. Während die Belgrader Neurochirurgin Danica Grujičić davon spricht, dass Serbien die Zahl der Krebserkrankten in Serbien das 2,7-Fache des globalen Durchschnitts beträgt, ist ihr Kollege Zoran Radovanović der Meinung, dass sich das Land hinsichtlich der Krebserkrankungen im europäischen Mittelfeld befinde.

Auch wenn erste Ergebnisse dieser Kommission erst in zwei Jahren erwartet werden, so machen sich zahlreiche Akademiker bereits seit Jahren für jene Krebsfälle stark, die angeblich durch die Verwendung von abgereicherten Urans verursacht wurden.

NATO räumt Verwendung ein
In ihrem Bericht über abgereichertes Uran aus dem Jahr 2000 bestätigt die NATO selbst, solch eine Munition im Irak und auf dem Balkan verwendet zu haben. „Im Irak wurden rund 300 metrische Tonnen DU-Munition [engl. depleted uranium – abgereichertes Uran] von amerikanischen und britischen Truppen abgefeuert. Kürzlich bestätigte die NATO die Verwendung von DU-Munition auf den Kriegsschauplätzen im Kosovo, wo ungefähr 10 Tonnen DU benutzt wurden“, ist im Bericht zu lesen.

Auch das UN-Tribunal für das ehemalige Jugoslawien bestätigte, dass „Beweise für die Verwendung von abgereicherten Uranprojektilen durch die NATO“ bestünden. Jedoch hob das Tribunal auch gleichzeitig hervor, dass die Verwendung laut NATO-Gesetz nicht verboten sei. Zu den Konsequenzen der Verwendung solcher Munition für die Zivilbevölkerung heißt es im NATO-Bericht: „In der Umgebung des Einschlagpunkts der DU-Munition ist es nicht ausgeschlossen, dass Individuen die sich der Kontaminierung nicht bewusst sind, […] Strahlendosen akkumuliert haben könnten und/oder Mengen an Uran im Körper haben könnten, die die internationalen Grenzwerte überschreiten.“

Schätzungen zufolge wurden etwa 400.000 Projektile und bis zu 30.000 Bomben mit abgereicherten Uran auf Jugoslawien abgefeuert. Betroffen von den mindestens 112 Fällen, in denen diese Art der Munition verwendet wurde, sind vor allem Kosovo und Metochien, Südserbien sowie ein kleiner Teil Montenegros.

Verein kündigt erste Klagen an
In diesem Zusammenhang wurde der Verein „Abgereichertes Uran“ gegründet, der zum Ziel hat, die Verbindung zwischen den NATO-Bomben mit abgereicherten Uran und den steigenden Krebserkrankungen der serbischen Bevölkerung nachzuweisen. Der Präsident von „Abgereichertes Uran“, Universitätsprofessor Sreto Nogo kündigte für Ende 2018 die ersten Einzelklagen serbischer Bürger gegen NATO-Mitgliedstaaten.

„Wir werden einige NATO-Mitgliedstaaten auf den Ersatz von materiellen und immateriellen Schäden verklagen, und bald werden wir offenlegen, welche Staaten das sein werden“
, so Professor Nogo gegenüber RT und fügte hinzu, dass bisher keine kollektiven Klagen geplant sein.

Arbeitsgruppen innerhalb des Vereins sollen die Klagen in den kommenden Monaten verfassen und Unterstützung erhalten sie aus den größten Rechtsanwaltskammern des Landes, jener aus Belgrad und Niš. Ein Urteil aus Italien stimmt die Advokaten positiv, da dieses einen Präzedenzfall darstellen könnte.

Italien zahlt bis zu 500.000 Euro Schadensersatz
Ein italienisches Gericht bestätigte bereits den Zusammenhang zwischen abgereicherten Uran und der Erkrankung von Soldaten, die sich auf dem betroffenen Gebiet, genauer gesagt am Kosovo, aufgehalten hatten. Die italienische Regierung musste den an Krebs erkrankten Soldaten, sowie den Familien der bereits Verstorbenen, nach einem rechtskräftigen Urteil einen Schadensersatz in der Höhe von 200.000 bis 500.000 Euro zahlen. Die serbischen Bürger planen, eine ähnliche Summe einzuklagen.

Allerdings dämpfte der Belgrader Anwalt Dušan Bratić eine verfrühte Euphorie über das italienische Urteil: „Die infolge der Klagen der während ihrer Dienstzeit in Kosovo und Metochien aufgrund der Wirkung des abgereicherten Urans erkrankten Soldaten gefällten rechtskräftigen italienischen Gerichtsurteile stellen einen Ansporn dar, aber diese basieren auf einer anderen unerlaubten Handlung. Es ging dort darum, dass Italien verpflichtet wurde, die Schäden zu kompensieren, die dadurch entstanden, dass es Soldaten in den Kosovo geschickt hat und nicht dadurch, dass es Projektile mit abgereichertem Uran abgefeuert hat.“

Der italienische Pilot Domenico sprach bei einem Symposium in Niš sogar darüber, dass bisher 350 italienische Soldaten an den Folgen des Einatmens von abgereichertem Uran im Kosovo und in Metochien gestorben und weitere 7.500 der damaligen Soldaten an Krebs erkrankt sind.