Längere Schichten, halbierte Quote, strengere Sprachprüfung: Berlin plant Einschnitte, die Menschen vom Westbalkan direkt betreffen.
Berlin lotet längere Arbeitstage aus, will die Westbalkan-Quote halbieren und die DTZ-Anforderungen verschärfen, und das mitten in einem akuten Fachkräftemangel. Für Menschen mit Wurzeln im BKS-Raum stellt sich die Frage, was das konkret für sie bedeutet.
Die Bundesregierung zieht Änderungen im Arbeitsrecht und bei der Arbeitsmigration in Betracht, die Interessierte aus Albanien, Bosnien-Herzegowina, dem Kosovo, Montenegro, Nordmazedonien und Serbien unmittelbar treffen würden. Im Gespräch sind Arbeitstage von bis zu 12 Stunden und eine Berechnung der Arbeitszeit auf Wochenbasis.
Außerdem soll die Westbalkan-Quote ab Jänner 2027 von 50.000 auf 25.000 sinken. Gleichzeitig werden ab 1. November die Regeln für die DTZ-Prüfung, also den Deutschnachweis auf B1-Niveau, strenger.
Längere Arbeitstage
Im Arbeitszeitgesetz könnte die tägliche Höchstgrenze unter bestimmten Voraussetzungen auf bis zu 12 Stunden angehoben werden. Gerechnet würde künftig über die Woche: An manchen Tagen wäre länger zu arbeiten, an anderen kürzer oder gar nicht.
Derzeit sind regulär acht Stunden erlaubt, mit Ausgleich bis zu zehn. Die Arbeitgeber verlangen mehr Flexibilität, die Gewerkschaften warnen vor Folgen für Gesundheit und Familie. Längere Schichten bedeuten zudem nicht automatisch mehr Lohn.
In der Migrationspolitik will Berlin die jährliche Sonderquote für Beschäftigte vom Westbalkan ab Jänner 2027 halbieren. Betroffen sind auch serbische Staatsangehörige, die im vereinfachten Verfahren einreisen. Laut Bundesagentur für Arbeit standen im September rund 546.000 Menschen aus der Region in Deutschland in Beschäftigung. 53 Prozent von ihnen arbeiteten in Jobs mit niedrigerem Qualifikationsniveau.
Auch beim Sprachnachweis ändert sich etwas: Ab 1. November darf der schriftliche Teil der DTZ-Prüfung nicht mehr zur Gänze entfallen. Bereits vorliegende B1-Bestätigungen behalten ihre Gültigkeit. Der Nachweis spielt unter anderem bei Aufenthaltsrechten und Einbürgerungsverfahren eine Rolle.
Engpass bei Fachkräften
Gleichzeitig steckt Deutschland in einem gravierenden Engpass: Nach Angaben des Instituts der deutschen Wirtschaft fehlen rund 148.000 Fachkräfte. Gesucht werden vor allem Elektriker, Mechaniker sowie Installateure für Heizungs- und Klimaanlagen.
Angesichts geplanter Infrastrukturprojekte im Umfang von 500 Milliarden Euro könnte der Mangel zur Bremse werden. Mehmed Smajic von der Deutschen Welle schätzte gegenüber N1 ein, dass der Bedarf hoch bleibe.
Die Bundesagentur für Arbeit lehnt die Kürzung der Quote ab und warnt vor zusätzlichen Engpässen, vor allem im Bau, im Transportwesen, in der Logistik und in der Gastronomie. Die Arbeitgeber sehen in flexibleren Arbeitszeiten Vorteile, die Gewerkschaften widersprechen und verweisen auf Belastung und Vereinbarkeit.
Politisch gilt: Es handelt sich um Entwürfe und Prüfaufträge, nicht um beschlossene Gesetze.
Für die Diaspora aus Südosteuropa heißt das, die Entwicklungen im Auge zu behalten, die Fristen einzuplanen (1. November für die DTZ, Jänner 2027 für die Quote) und Bewerbungen frühzeitig vorzubereiten.