Eigene Flieger für den Kosovo: Kurti will abheben, doch ein Preisschild gibt es nicht.
Der Kosovo will eine nationale Fluggesellschaft mit öffentlichem Kapital aufbauen. Premier Albin Kurti plant, den Gründungsprozess noch in seiner neuen, auf vier Jahre angelegten Amtszeit in Gang zu setzen. Wie das Vorhaben finanziert werden soll, was es kostet und wer als Partner infrage kommt, ist allerdings offen. Für die Diaspora könnte das Projekt neue Verbindungen eröffnen, es ist aber mit erheblichen Risiken behaftet.
Die Regierung bestätigte die „Gründung einer Fluggesellschaft mit öffentlichem Kapital“. Zum Finanzierungsmodell, zu den Projektkosten und zu möglichen Kooperationspartnern im In- und Ausland hat sie sich bislang nicht geäußert. Kurti stellte in Aussicht, den Prozess innerhalb der laufenden Amtszeit anzustoßen. Offen sind auch die konkreten Entscheidungen zu Flottenstrategie und Geschäftsmodell.
Hohe Kostenschätzungen
Der frühere Minister Ismet Mulaj hält für die Gründung Investitionen von mehr als 500 Millionen Euro für denkbar. Setze man auf geleaste Jets, fielen die Anfangskosten nach seiner Einschätzung geringer aus und lägen zwischen 300 und 400 Millionen Euro. Mulaj hebt hervor, dass es sich dabei um Expertenschätzungen und nicht um Zahlen der Regierung handelt.
Der ehemalige Luftfahrtchef Bujar Ejupi warnt: „Ein neuer Anbieter [muss] mit hohen Kosten für Flugzeuge, Fachpersonal und den laufenden Betrieb rechnen.“ Zusätzlich könne die fehlende Erfahrung im Airline-Betrieb die Tragfähigkeit des Projekts belasten.
Am Flughafen Pristina „Adem Jashari“ wurden laut Angaben im Jahr 2025 mehr als 4,6 Millionen Passagiere gezählt, 13 Prozent mehr als im Jahr davor. Besonders gefragt sind Basel, Zürich und Düsseldorf, was vor allem auf die Reisen der Diaspora zurückgeht. Derzeit steuern 21 internationale Fluggesellschaften Pristina an und liefern sich einen dichten Wettbewerb um Strecken und Preise. Eine neue staatliche Airline müsste sich in diesem Umfeld klar positionieren.
Regionale Erfahrungen
Die Erfahrungen in der Region fallen gemischt aus. Air Albania stellte Ende 2025 den Betrieb ein, Adria Airways schlitterte 2019 in die Insolvenz. Zugleich belegen etablierte Gesellschaften wie Air Serbia, Croatia Airlines oder Air Montenegro, dass Nischenstrategien aufgehen können, abhängig von Flotten- und Preispolitik.
Radio Free Europe spricht in einer Analyse von einer „erheblichen finanziellen und organisatorischen Herausforderung“. Für Kosovaren im Ausland könnte eine nationale Airline je nach Geschäftsmodell Ticketpreise und Verfügbarkeit auf den Diaspora-Routen verbessern, bei einer Fehlkalkulation aber auch zu höheren Preisen führen. Entscheidend werden Transparenz bei der Finanzierung, die Wahl zwischen Leasing und Kauf der Flotte sowie Partnerschaften mit Akteuren der Branche sein.