Start INTEGRATION BHKP: Bosnische Kulturplattform – Bosnien ist mehr als Mokka und Folk
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BHKP: Bosnische Kulturplattform – Bosnien ist mehr als Mokka und Folk

In Österreich leben mehr als 200.000 Personen mit bosnischen Wurzeln, dass Interesse an der „alten Heimat“ ist hoch. Nun soll ein Verein den Bedarf an Kultur abdecken. (Foto: Diva Shukoor)

In Wien ist eine neue Kulturplattform ins Leben gerufen worden mit dem Ziel die kulturelle Zusammenarbeit zwischen Österreich und Bosnien-Herzegowina zu fördern. KOSMO hat die Gründer der Plattform getroffen, um herauszufinden was sie vorhaben.

Seit Wochen ist das schwarze Logo mit weißen Blockbuchstaben, das leicht an eine kommunistische Partei erinnert, auf Facebook zu sehen.  Bereits 794 „Gefällt mir“ Angaben hat die Facebook-Seite, die lediglich mysteriös mit einer Vereinspräsentation am 22.Februar wirbt. Doch wer steht hinter dem Verein und was möchte man bezwecken?

„Das Kulturangebot der bosnisch-herzegowinischen Community in Wien ist dünn besiedelt“, erzählt Kemal Smajić, einer der Vereinsgründer. Es würde nicht an Kulturbedarf mangeln, jedoch an der Umsetzung. Abseits von Folkore-Clubs gäbe es keine bosnisch-herzegowinische Vereinigung, die Kulturinteressen an Literatur, Theater oder Konzerten abdecken würde, so Smajić. Beginnen möchte man vorerst mit kleinen Schritten. Kinder und Jugendliche sollen mit verschiedenen Projekten gefördert werden. „Sei es durch Buchpräsentationen oder Ausstellungen. Es soll ein Platz geschaffen werden, wo Kreativität ausgelebt werden kann“, sagt Darko Marković.

„Das Kulturangebot der bosnisch-herzegowinischen Community in Wien ist dünn besiedelt. Das Interesse ist da, oft scheitert es an der Umsetzung“, erzählt Kemal Smajić

Kemal Smajić, der bereits mit Futurebag reichlich Erfahrung im Vereinswesen mitbringt, Darko Marković und Edin Islamović haben gemeinsam den Kulturverein auf die Beine gestellt. Durch andere karitative Projekte haben sich die drei Wiener kennen gelernt. „Wir sind ein eingespieltes Team, es geht nicht darum dass wir die Arbeit auf den anderen abschieben. Wir treffen uns regelmäßig und können uns aufeinander verlassen“, erklärt Edin Islamović, der aus der Unternehmensbranche kommt. Die Arbeit verrichten alle drei ehrenamtlich.

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Foto: Diva Shukoor

In Österreich leben, Schätzungen zufolge, mehr als 200.000 Personen mit bosnischen Wurzeln. Damit stellt Bosnien-Herzegowina nach den offiziellen Statistiken die viertgrößte ausländische Herkunftsgruppe, laut Medienservicestelle. Die Vereinslandschaft konzentriert sich vor allem auf Linz, Innsbruck und Wien. Aus Erfahrung wissen die drei Vereinsgründer, dass die Menschen mit bosnischen Wurzeln, durchaus die Geschehnisse aus ihrer alten Heimat verfolgen würden. „Im Oktober haben meine Frau und ich verkündet mit dem humanitären Projekt Futurebag aufzuhören. Das hat eine Welle von Anfragen ausgelöst, ob auch Wiener Sevdah eingestellt wird“, sagt Smajić. Im Rahmen von Futurebag ist das Projekt Wiener Sevdah, die traditionelle Musikrichtung Bosnien-Herzegowinas, entstanden.

„Sei es durch Buchpräsentationen oder Ausstellungen. Es soll ein Platz geschaffen werden, wo Kreativität ausgelebt werden kann“, sagt Darko Marković.

Auch das österreichische Publikum ließ sich von den Svedah-Klängen begeister.“Bei den Konzerten war fast ein Viertel des Publikums nicht vom Balkan“, so Smajić. So habe man festgestellt, dass die Nachfrage an kulturellem Angebot da ist. Man plane keine Megakonzerte, es wird sich alles in einem kleineren Rahmen, dafür aber auf einer höheren kulturellen Ebene abspielen. Man möchte eine verstärkte Zusammenarbeit mit österreichischen Institutionen anstreben, denn schließlich seien die zwei Länder geschichtlich verbunden.

Eine Zukunftsvision haben die drei Gründer: Die Veranstaltungen sollen ein breites Publikum ansprechen, auch Menschen die keinen Balkan-Background haben. Ihr Antrieb sind der Enthusiasmus und die Liebe zur bosnisch-herzegowinischen Kultur, aber auch der Wunsch Kindern der zweiten und dritten Generation diese nahe zu legen. Für ihre Vereinspräsentation ist auch eine Buchpräsentation des Sarajevoer Sevdah-Sängers, Damir Imamović, geplant. Weitere Projekte sollen im Frühjahr umgesetzt werden, u.a. zwei Theatervorstellungen und ein Konzert. Derzeit werden die Events auf Bosnisch abgehalten. Künftig würde man eine Übersetzung der Aufführungen anstreben, um das reichhaltige Angebot Bosnien-Herzegowinas weiterzugeben.