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David Slomo: „Das Universum hat einen eigenen Humor”

David Slomo: „Das Universum hat einen eigenen Humor” (FOTO: zVg.)

„Erfolg ist kein Glück”, sagt der bekannte deutsche Rapper Kontra K. Dass der Weg dorthin Jahre dauern kann, aber Ausdauer, Beharrlichkeit und harte Arbeit der Schlüssel für den Ruhm sind, beweist David Slomo, einer der bekanntesten Songwriter im deutschsprachigen Raum mit Balkan-Wurzeln.

KOSMO: Seit ungefähr zwei Jahren, als du begonnen hast, Texte für Mathea zu schreiben, geht deine Karriere steil bergauf. Wie kam es zu dieser Zusammenarbeit?
David Slomo: Ich bin ja selbst auch Künstler und mache Musik, seitdem ich 16 bin. Das Problem war: Es hat nie wirklich funktionieren wollen. Radios wollten mich nicht spielen, ich konnte mir nie so richtig eine Fanbase aufbauen. Trotz unzähliger Songs und sogar einem Deal mit einem Major Label. Irgendwann kam mein Produzent auf mich zu mit der Frage: „Hättest du nicht Lust, für wen anderen zu schreiben?” Es ging um eine damals 19-Jährige, die Lust hatte, Musik zu machen. Im ersten Moment habe ich abgesagt, weil ich es ja nicht einmal für mich selbst hinkriege. Mein Produzent und auch mein Manager haben aber nicht aufgehört, auf mich einzureden, dass ich es zumindest versuchen sollte. Ich habe mich dann mit Mathea getroffen. Mir war es dabei aber immer wichtig, dass ich ihr nicht einfach igendwas auf den Tisch knalle. Es war immer ein gemeinsames Arbeiten. Ich hab also nicht FÜR sie geschrieben, sondern MIT ihr. Und wie das Leben so spielt: In einer der ersten Sessions ist gleich „2x” entstanden. Im Nachhinein völlig absurd. Da waren drei Leute im Raum, die in Wahrheit kaum Ahnung von der Szene hatten. Sie: eine totale Newcomerin. Ich: der mit der Musikwelt bereits abgeschlossen hat. Johannes (Produzent): der sich damals auch etwas mehr von seiner Karriere erhofft hatte. Und dann passierte noch das, was ich mir seit Jahren erträumt habe: Platz 1 der Charts, Gold, Platin, alles Mögliche… das Universum hat einen eigenen Humor.

Mittlerweile hast du sieben goldene Schallplatten als Songwriter und zählst zu den bekanntesten im deutschsprachigen Raum. Dein Wunsch ist es aber, eine als Sänger zu erhalten.
Ja, voll. Irgendwie klingt es manchmal so selbstverständlich. Auch im Freundeskreis nimmt man es einfach so hin, dass da sieben Platten bei mir daheim hängen. Dabei ist es total absurd. Ich bin jeden Tag aufs Neue dankbar dafür, weil ich weiß, dass das nicht die Norm ist. Und ja klar, der Traum ist weiterhin, irgendwann das eigene Gesicht neben so einer Platte zu sehen. Mit einem wirklich eigenen Song. Aber ich habe gelernt, dass man sowas nicht steuern oder erzwingen kann. Ich schreibe auf keinen Fall weniger für andere, im Gegenteil. Ich glaube, es wird immer mehr. Ich habe nun sogar einen Song mit Mark Forster machen dürfen. Das ist einfach nur surreal. Und es macht mir ja auch Spaß, sonst würde ich es nicht machen.

Der junge Kroate aus Donaustadt gewann 7 Goldplatten mit seinen Texten als Songwriter. (FOTO: zVg.)

Du hast ca. 30 Lieder von dir auf deinem Laptop. Wann können wir ihre Veröffentlichung erwarten?
Ja, es werden immer mehr. (lacht) Ich hoffe, dass es sie bald zu hören gibt. Das „Problem” ist einfach, dass ich weiß, auf meine Songs wartet man nicht so sehnsüchtig, wie auf jene von Mathea, Mark Forster oder so. Aber ich schaue, dass da wieder mehr passiert. Muss!

Wie sieht der Songwriting-Prozess grundsätzlich bei dir aus?
Es ist ein kreativer Prozess, den man nie erzwingen kann. Ich persönlich habe eine ganz geheime Notiz auf meinem Handy, wo ich untertags einfach Sätze aufschreibe, die mir in den Sinn kommen. Entweder schnapp ich in der U-Bahn ein Gespräch auf oder sehe im WhatsApp-Chatverlauf eine spannende Zeile. Vor allem bei Streitgesprächen. (lacht) Sehr komisch dann, wenn man im Streit denkt: „Ah, coole Zeile eigentlich”. Und wenn ich dann gerade in der Mood bin, versuche ich ein paar Sachen zu Summen, während ich ein bisschen Klavier spiele. Und in das Summen versuche ich die Sätze aus der Notiz reinzupressen.

„Auf dem Pass bin ich Kroate aber im Herzen bin ich Donaustädter.”

David Slomo

Du bist nicht nur Songwriter, sondern auch Blogger. Welche Themen inspirieren dich am meisten als Songwriter und welche als Blogger?
Bei den Songs geht es bei mir zum größten Teil um Liebe und Beziehungen. Meistens also eher melancholische, deepe, fast schon traurige Sachen. Meine Blogs leben eher vom Humor. Und von Geschichten vom Balkan. Da geht es viel lustiger zur Sache. Viel Sarkasmus und Ironie. Der Grund für Balkanthemen ist meine Identität. Ich bin ja in Kroatien geboren, habe dort bis zu meinem siebten Lebensjahr gelebt und bin dann erst nach Wien gekommen. Ich habe meine ersten Jahre auf der Welt am Balkan wahrgenommen und das ist doch relativ prägend. Mich interessiert eben dieser kulturelle Unterschied zu Österreich.

Der leidenschaftliche Musikmacher zählt zu den bekanntesten Songwritern im deutschsprachigen Raum. (FOTO: zVg.)

Und wer ist David als Donaustädter bzw. was bedeutet das für dich, in der Donaustadt aufzuwachsen?
Ja, auf dem Pass bin ich Kroate, aber im Herzen bin ich Donaustädter. Ohne dem 22. wäre ich nicht der, der ich heute bin. Hier habe ich doch meine prägendsten Jahre erlebt. Die erste große Liebe, erster Herzschmerz, erste richtige Freundschaften aber auch ordentliche Streitereien. Und was für mich ganz wichtig ist: Hier MUSSTE ich mich integrieren. Es gab damals kaum Jugos im 22. Und dafür bin ich wirklich dankbar. Ich bin davon überzeugt, dass ich deshalb nie wirkliche Probleme mit Ausländerfeindlichkeit hatte. Ich war immer schon durch und durch Donaustädter. Und klar, auch in der Musik. Von Kroatien aus hätte ich nie Hits für Mathea oder Mark Forster geschrieben. Diese Möglichkeit hätte es niemals gegeben. Ich meine, ich bin ein Jugo, der dafür gesorgt hat, dass ganz Österreich ein Jahr lang „2x” und „Chaos” gesungen hat. Schon witzig irgendwie.