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INTERVIEW

Denis Ilić: „Meine Zeit beginnt gerade erst!“ (GALERIE)

FOTO: Anton Matyas

JIU JITSU. Denis Ilić (22) trainiert diese brasilianische Kampfsportart erst seit einigen Monaten, ist aber schon im letzten Monat zweifacher Europameister geworden. Sein sensationeller Erfolg war ein hervorragender Anlass für ein Gespräch über sein Talent, seine Arbeit und seine nächsten Ziele.

Österreich ist international nicht gerade als Großmacht in der Kampfsportszene bekannt. Bei weitem nicht. Aber junge Migranten aus dem Gebiet des ehemaligen Jugoslawien, aus der russischen Region Tschetschenien und aus anderen Gegenden ändern das allmählich und kämpfen in den österreichischen Farben erfolgreich auf internationalen Tournieren. Einer von ihnen ist Denis Ilić, ein junger Wiener, der in den letzten sechs Monaten intensiv Jiu Jitsu trainiert hat und bei der Europameisterschaft in Paris einen Überraschungscoup landen konnte: Er errang zwei Europameistertitel in der Kategorie bis 85 kg. In seinem Club Alpha Jiu Jitsu im zweiten Bezirk in Wien sind internationale Titel keine Seltenheit: Seine Trainer Antonio Stanić und Pawel Kozlowski sind gefeierte Namen in diesem Sport. Die letzten Erfolge von Denis Ilić sind ein perfekter Anlass für ein Gespräch mit ihm und seinen Trainern…

KOSMO: Denis, vor ein paar Wochen bist du zweifacher Jiu Jitsu-Europameister im NAGA-Verband geworden. Auf der anderen Seite haben wir gehört, dass du diesen Sport erst seit sechs Monaten trainierst. Wie ist es möglich, in so kurzer Zeit zu solchen Erfolgen zu kommen?
Denis Ilić:
Arbeit, Arbeit und nochmal Arbeit. Dreimal am Tag gehe ich in den Club und dreimal am Tag trainiere ich. Auf der einen Seite habe ich meinen regulären Job als Glaser gekündigt, um mich 100-prozentig auf meine sportliche Karriere zu konzentrieren. Auf der anderen Seite ist es ein großes Privileg, mit Leuten wie Pavel Kozlowski oder Antonio Stanić zu trainieren, die in diesem Sport enorme Erfahrung haben und die zahlreiche europäische und weltweite Titel tragen. Wenn du mit den Besten trainierst und Sparrings mit ihnen machst, dann bist du für Turniere phänomenal vorbereitet. Und bei den Turnieren ist das Tempo unwahrscheinlich hoch, denn du gehst von Kampf zu Kampf und hast dazwischen nur kurze Pausen von drei Minuten.

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Was können die Trainer über Denis sagen?
Antonio Stanić: Denis hat sich diesem Sport und den Zielen, die wir uns gesetzt haben, vollständig gewidmet. Sein Hunger ist sein stärkster Motor. Obwohl ihn dieser Erfolg in Paris selbst überrascht hat, wusste ich, dass er auf europäischer Ebene konkurrenzfähig ist. Denn neben einer großen Portion Arbeit ist da auch ein enormes Talent.
Pawel Kozlowski: Antonio und ich haben vor 7, 8 Jahren mit Jiu Jitsu begonnen. Heute erzielen mit unserer Unterstützung bereits andere, Jüngere gute Resultate. Denis ist gemeinsam mit seinem Kollegen Antonio Blažević auf jeden Fall der Aussichtsreichste unter ihnen. Er erinnert mich in vieler Hinsicht an mich selbst, als ich noch am Anfang stand, und ich glaube, dass er eine glänzende Karriere machen wird.

Denis, was sind deine Pläne?
Jetzt habe ich ein kleineres Turnier in Varaždin, das mir als Vorbereitung für die Europameisterschaft in Lissabon dient. Das ist ein Turnier des IBJFF-Verbands und gleichzeitig der Teilnehmerzahl nach das größte Jiu Jitsu-Turnier der Welt, etwa 5.000 Sportler werden dort antreten. Die Konkurrenz ist nicht nur groß, sondern auch stark, aber mein Ziel bleibt der Titelgewinn. In diesem Sport will ich langfristig alles erreichen, alle Titel, die es gibt. Dafür lebe und arbeite ich.

TITELHUNGRIG: „Ich will alles gewinnen, was man in diesem Sport gewinnen kann.
Das ist mein endgültiges Ziel“, sagt Denis Ilić.

Hast du vor Jiu Jitsu einen anderen Sport betrieben?
Ich habe geboxt, aber das war nur auf Amateur-Niveau und ich habe niemals einen Kampf im Ring bestritten. In diesem brasilianischen Kampfsport habe ich mich ganz gefunden. Das ist der Sport, der mir am meisten gefällt. Kein Zweifel.

Jiu Jitsu ist weltweit dafür bekannt, dass es häufig Thema bei Mixed Martial Arts ist, wo diese brasilianische Kampftechnik eine große Rolle spielt. Ist MMA ein Thema für dich?
Es freut mich, dass Jiu Jitsu langsam die Aufmerksamkeit erhält, die es verdient. Ja, es ist schwer, in den MMA zu bestehen, ohne Jiu Jitsu zu können. Im Moment ist MMA kein Thema. Jetzt interessiert mich nur, mich auf diesem sportlichen Gebiet zu beweisen. Was danach kommt, wird sich zeigen. In jedem Fall stimmt es, dass man ohne Jiu Jitsu im UFC-Ring nichts zu suchen hat. Und das sagt auch viel über diesen Sport aus.

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Wie bewertet ihr die Situation dieses Sports in Österreich. Kann man von diesem Sport leben?
Antonio Stanić:
Die Situation ist so, dass Jiu Jitsu in Österreich noch immer nicht zu den starken Sportarten gehört, aber gleichzeitig ist es der am schnellsten wachsende Sport der Welt überhaupt. Österreich ist in vielen Aspekten hinterher, vor allem, wenn wir es z.B. mit Polen vergleichen. Hier gibt es insgesamt vier bis fünf Leute, die den schwarzen Gürtel haben, und dort sind es über 200. Aber es liegt an uns, das zu ändern. Und daran arbeiten wir intensiv, sowohl als Team als auch als Club.
Denis Ilić: Bei dieser Gelegenheit möchte ich mich bei Jakov Ugljar, dem Café Aurora und der Firma Glasbautechnik Süd bedanken, die mich auf meinem Weg unterstützen. Wir hoffen, dass wir in Zukunft noch weitere Sponsoren finden werden.
Stanić: Wenn wir schon bei den Danksagungen sind, wollen wir auch unseren Physiotherapeuten Roman Pallesits nicht vergessen. Er hilft uns in vielen Dingen.

ENGAGEMENT. „Ich trainiere dreimal täglich, damit ich den anstrengenden Rhythmus durchhalte
und mich diesem Sport ganz widmen kann.
Ich habe aufgehört, als Glaser zu arbeiten“, sagt Denis.

Denis, wie sehen deine Familie und deine Freunde deine sportliche Karriere? Wie sind ihre Kommentare?
Mein Vater und meine Mutter betrachten meinen Weg so wie die meisten Eltern vom Balkan mit Skepsis, aber ich habe diese Entscheidung getroffen und will mich diesem Sport absolut widmen. Eine große Unterstützung kommt von meiner Verlobten Sabrina, die mich in allem unterstützt. Ohne ihre Unterstützung wäre alles viel schwerer.