Der kulturelle Kampf in Bosnien-Herzegowina

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Der kulturelle Kampf in Bosnien-Herzegowina

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Das Nationalmuseum in Sarajevo hat zwar seine Tore wieder geöffnet, dennoch stecke man in finanziellen Schwierigkeiten. (Foto: Julian Nitzsche)

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In Bosnien-Herzegowina scheint der Wert des kulturellen Sektors am aussterben zu sein. Das Ministerium für Kunst und Kultur erkennt den Wert dieser Güter nicht.

Anfang Februar 2017 feierte das bosnische Nationalmuseum sein 129-jähriges Bestehen. Bei der Ausstellung wurde die berühmte Sarajevo Haggada, aus dem 14. Jahrhundert, gezeigt. Auch das Leben aus dem mittelalterlichen Bosnien-Herzegowina wurde ausgestellt. Nach Angaben des Museums wurden 5.000 Besucher bei der Ausstellung gezählt. Seit fast einem Jahr hat nun das Landesmuseum „Zemaljski Muzej“ seine Tore wieder geöffnet. Das Nationalmuseum von Bosnien-Herzegowina, die bedeutendste Kulturinstitution des Landes, war drei Jahren geschlossen.

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Vor genau 15 Jahren wurde das Drama „No Man’s Land“ von Danis Tanović mit dem Oscar gekrönt. Der Regisseur stellte seinen neuen, preisgekrönten Streifen „Death in Sarajevo“ in Wien vor. KOSMO hat den Bosnier zum Gespräch getroffen.

 

Die fehlende Finanzierung der Institution hätte beinahe das endgültige Aus bedeutet. Während der Schließung wurde das Nationalmuseum von Freiwilligen und ehemaligen Mitarbeitern in Stand gehalten. Das Museum zählt zu den bedeutendsten natur- und kulturwissenschaftlichen Institutionen des westlichen Balkans und überlebte einige Krieg. Dennoch schienen weder die Regierung noch andere Verantwortliche sich der Wichtigkeit dieses Kultureinrichtung bewusst zu sein. Schließlich wurde das Museum, trotz Proteste, geschlossen. Das Erbe des Museum wurde dem Staub überlassen.

Das Problem des Exklusivismus 

Die prekäre Rechtsstellung des Museums wurde durch das Ministerium für Kultur und Sport mit einem Vertrag, die die Finanzierung auf der staatlichen Ebene regeln soll, bereinigt. Nach der erfolgreichen Wiedereröffnung schienen die Probleme des Museums in Vergessenheit geraten zu sein. Dennoch hat sich an der Situation in Bosnien-Herzegowina wenig verändert. Während das kulturelle Erbe hervor gehoben wird, um eine Post-Konflikt-Versöhnung herbei zu führen, zeigt das Beispiel von Zemaljski Muzej, wie umstritten die Politik hinter ist. Denn der kulturellen Exklusivismus verdrängt die kulturelle Pluralität des Landes, um die man seit zwei Jahrzehnten auch international bemüht ist. Die Politik ist in allen Aspekten verflochten.

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