Der Henley Passport Index verzeichnet eine historische Verschiebung in der globalen Reisefreiheit. Erstmals in der zwanzigjährigen Geschichte der Rangliste fällt der US-amerikanische Pass aus den Top Ten und landet auf Platz zwölf, gleichauf mit Malaysia. US-Bürger können derzeit visafrei in 180 Länder und Territorien reisen.
Die Spitzenplätze werden nun von drei asiatischen Nationen dominiert: Singapur führt mit Zugang zu 193 Destinationen, gefolgt von Südkorea mit 190 und Japan mit 189 visafreien Zielen. Diese Entwicklung markiert eine bedeutende Veränderung in der internationalen Mobilitätslandschaft.
Für den Abstieg des amerikanischen Passes sind mehrere Faktoren verantwortlich. Brasilien hat Visabeschränkungen für US-Bürger eingeführt, während China den Zugang für viele europäische Länder erleichtert hat – nicht jedoch für die Vereinigten Staaten. Auch Papua-Neuguinea, Myanmar und Somalia haben ihre Einreisebestimmungen für US-Amerikaner verschärft.
Experten von Henley & Partners sehen darin Teil eines größeren Wandels in der globalen „Soft Power“: Staaten, die aktiv ihre Grenzen öffnen, steigen in der Rangliste auf, während jene, die auf historischen Privilegien ausruhen, zurückfallen.
Aufstieg neuer Nationen
Bemerkenswert ist der Aufstieg Kroatiens, das erstmals in die Top Ten vorgerückt ist und nun vor den Vereinigten Staaten rangiert. Serbien belegt Platz 36 und ermöglicht seinen Bürgern visafreien Zugang zu 137 Ländern. Großbritannien, einst Spitzenreiter, ist mittlerweile auf den achten Platz zurückgefallen.
China konnte sich durch Visaerleichterungen mit Russland, den Golfstaaten, südamerikanischen und einigen europäischen Ländern vom 94. auf den 64. Platz verbessern. Einen noch dramatischeren Aufstieg verzeichneten die Vereinigten Arabischen Emirate, die von Rang 42 auf Platz 8 kletterten.
Globale Unterschiede
Am unteren Ende der Skala steht weiterhin Afghanistan, dessen Staatsangehörige lediglich 24 Destinationen ohne Visum bereisen können. Auch Syrien und der Irak zählen zu den Ländern mit den größten Reisebeschränkungen.
Der Index verdeutlicht, wie entscheidend offene Grenzen und Gegenseitigkeit in der Visapolitik für die Mobilität der Bürger und das internationale Ansehen eines Staates sind. Während traditionelle westliche Mächte wie die Vereinigten Staaten und Großbritannien an Reisefreiheit einbüßen, etablieren sich Länder wie Singapur, Japan und Kroatien als neue Vorreiter globaler Bewegungsfreiheit.
Für Serbien bedeutet die mittlere Position in der Rangliste dennoch eine beachtliche Reisefreiheit, die Tourismus, Geschäftsreisen und internationale Kontakte erleichtert.