Keine Artikel gefunden
Versuche einen anderen Suchbegriff
Kunstdiebstahl

Drei Minuten, drei Meisterwerke – Millionen-Raub schockt Italien

Drei Minuten, drei Meisterwerke – Millionen-Raub schockt Italien
(Symbolbild FOTO: iStock)
3 Min. Lesezeit |

Drei Minuten, drei Meisterwerke, neun Millionen Euro – ein Kunstraub in Norditalien lässt Ermittler und Experten aufhorchen.

In der norditalienischen Gemeinde Traversetolo bei Parma laufen die Ermittlungen nach einem aufsehenerregenden Kunstraub auf Hochtouren. Aus der „Villa dei Capolavori“ – der Villa der Meisterwerke – wurden in der Nacht auf den 23. März drei Gemälde von Renoir, Matisse und Cézanne entwendet. Den Gesamtwert der gestohlenen Werke beziffern Experten auf neun Millionen Euro.

Laut Ermittlern handelte es sich um eine vierköpfige Bande, die auf Kunstdiebstähle spezialisiert ist und die drei Bilder in lediglich drei Minuten aus den Räumen der Stiftung Magnani-Rocca entfernte. Ein weiteres Werk – offenbar Renoirs „Paysage de Cagnes“, das im Obergeschoss der Stiftung hing – verloren die Täter auf der Flucht. Das zurückgelassene Gemälde sowie Aufnahmen der Überwachungskameras werden derzeit von den Carabinieri gemeinsam mit der Spezialeinheit zum Schutz des Kulturguts ausgewertet.

Gezielter Auftrag

Videoaufzeichnungen dokumentieren, wie vier maskierte Personen gegen zwei Uhr nachts über ein rückwärtiges Tor auf das Gelände gelangten, nachdem sie zuvor Metallstäbe durchtrennt hatten. Über eine aufgebrochene Tür drangen sie in den ersten Stock vor. Als Carabinieri und ein privater Sicherheitsdienst eintrafen – der die Eindringlinge zuvor über Wärmebildkameras entdeckt hatte – ergriffen die Täter die Flucht.

Die Ermittler gehen davon aus, dass der Diebstahl gezielt im Auftrag Dritter durchgeführt wurde. Im Fokus stehen daher Hehlerkreise sowie Personen mit Verbindungen zum illegalen Kunsthandel. Bekannt ist, dass gestohlene Werke in der Vergangenheit mitunter dazu genutzt wurden, potenzielle Käufer zu täuschen: Originale wurden vorgezeigt, anschließend jedoch Fälschungen verkauft.

Gestohlene Meisterwerke

Bei den entwendeten Arbeiten handelt es sich um kleinformatige, jedoch außerordentlich wertvolle Gemälde. Renoirs „Les Poissons“ aus dem Jahr 1917 wird auf rund sechs Millionen Euro geschätzt, Cézannes Aquarell „Stillleben mit Kirschen“ von 1890 auf etwa drei Millionen Euro. Matisses „Odaliske auf der Terrasse“ aus dem Jahr 1922 hat einen Wert im Bereich mehrerer Zehntausend Euro.

Das 1977 eröffnete Museum der Stiftung Magnani-Rocca bewahrt die Sammlung des 1984 verstorbenen Kunsthistorikers Luigi Magnani. Die gestohlenen Werke waren im Saal der französischen Künstler im Obergeschoss untergebracht – jenem Raum, in dem auch Werke von Gentile da Fabriano, Albrecht Dürer, Tizian, Peter Paul Rubens, Anthonis van Dyck, Francisco de Goya sowie Claude Monet, Filippo de Pisis, Giorgio Morandi, Alberto Burri und Antonio Canova hängen.

Die Stiftung Magnani-Rocca gilt als eine der bedeutendsten Kunstinstitutionen des Landes. Ihr Sitz, die „Villa dei Capolavori“, ist eine Sammlerresidenz mit neoklassischer Einrichtung, umgeben von einem weitläufigen romantischen Park mit exotischen Gewächsen, mächtigen Bäumen sowie weißen und farbigen Pfauen. Die Stiftung teilte mit, die Villa werde trotz des Vorfalls weiterhin für Besucher zugänglich bleiben.

Der Bürgermeister von Traversetolo, Simone Dall’Orto, bezeichnete den Diebstahl als einen „erschütternden Verlust“, der weit über den materiellen Schaden hinausgehe und die Identität der gesamten Gemeinde berühre.

Unabhängiger Journalismus braucht Unterstützung

Guter Journalismus entsteht nicht nebenbei. Gründliche Recherche, sorgfältige Faktenprüfung und eine kritische Einordnung brauchen Zeit, Erfahrung und Ressourcen. Damit wir weiterhin unabhängig berichten können – frei von politischem oder wirtschaftlichem Einfluss – sind wir auf deine Unterstützung angewiesen.

Hilf mit, unabhängigen Journalismus zu sichern.
KO KOSMO-Redaktion
Teilen