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WOCHE DER ENTSCHEIDUNG

Erneute Verschärfungen: Müssen wir wieder komplett herunterfahren?

(FOTO: BKA/Andy Wenzel)

Die Woche der Entscheidung hat begonnen. Bleiben die Zahlen weiterhin so drastisch hoch, könnte das Land wieder komplett herunterfahren. Das drohte Gesundheitsminister Anschober jedenfalls am Sonntag via Aussendung an.

In einem Interview hatte Gesundheitsminister Rudolf Anschober (Grüne) am Sonntag bereits mit einer Verschärfung der Maßnahmen zur Eindämmung des Coronavirus gedroht:  „Die nächsten Tage werden zu Tagen der Weichenstellung. Kommt es zu keiner Entspannung durch Wirksamkeit des Teil-Lockdowns, dann werden wir den Teil-Lockdown verschärfen müssen.“ Diese neuen Maßnahmen scheinen unterdessen nur noch eine Frage der Zeit zu sein.

Besonders der Einzelhandel und die Schulen fürchten die neuerlichen Verschärfungen, denn eine komplette Schließung wie vor acht Monaten ist aufgrund der Wucht der zweiten Welle nicht mehr ausgeschlossen. Die Zahl der gemeldeten positiven Testungen (5.933, Stand: Sonntag) sei „nach wie vor dramatisch hoch“, die mittlerweile 459 Covid-19-Patienten auf Intensivstationen – ein Zuwachs um 58 Prozent binnen einer Woche – „besorgniserregend“, so Anschober. Es müsse darauf geachtet werden, „die Grenzen des Gesundheitssystems“ nicht zu überschreiten.

Tausende Spitalsbetten belegt
Wie zur Bestätigung der drastischen Lage, gab es am vergangenen Samstag mit mehr als 8.200 Neuinfektionen einen neuen Negativ-Rekord. Am gestrigen Sonntag waren es knapp 6.000 neue Fälle und zudem 34 Tote. Und: Binnen einer Woche stiegen die Zahlen der Corona-Patienten auf heimischen Spitalsstationen um 30 Prozent. Am Sonntag lag der Stand der Intensivbetten bei 459 (damit ist die Hälfte der österreichweiten Kapazitäten mit Virus-Erkrankten erreicht). Dies bedeutet sogar ein besorgniserregendes Plus von knapp 60 Prozent.

Angespannt bleibt die Situation besonders in Oberösterreich, das mit 1.608 positiven Covid-Tests erneut an der Spitze lag. Anschober kritisierte in diesem Zusammenhang die Vor-Lockdown-Partys unter dem Motto „Einmal geht’s noch“ in seinem Heimat-Bundesland. Die Kontakte müssten „zumindest halbiert“ werden, so der Gesundheitsminister.

Über 1.500 Infizierte in Alters- und Pflegeheimen
Neben der alarmierenden Zahl an belegten Spitalsbetten, macht auch die steigende Infektionszahl in Alters- und Pflegeheimen der Politik zu schaffen. Zuletzt wurden österreichweit 1.507 Infizierte in Alters- und Pflegeheimen gemeldet. Unter den Mitarbeitern gab es 877 bestätigte Fälle.

Laut Anschober wurden in der vergangenen Woche 100.000 Antigen-Tests an die Alten- und Pflegeheime geliefert. Weitere drei Millionen wurden bestellt. Anschober appellierte erneut, Kontakte „zumindest zu halbieren“, den Mindestabstand einzuhalten, Mund-Nasen-Schutz-Masken zu tragen, die Maßnahmen wie die nächtlichen Ausgangsbeschränkungen konsequent einzuhalten und die „Stopp Corona“-App zu verwenden.

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