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FLUGZEUG-GEBURT

Erstes Jugo-Baby kommt im Flugzeug zur Welt und heißt Jatko!

(FOTO: Screenshot/ iStock/Camrocker)

Der ehemalige Flugbegleiter, Flugzeugmechaniker bei der damaligen jugoslawischen Fluggesellschaft JAT und Flugzeugpilot Radoje Rakocevic hat sich auf eine sehr ungewöhnliche Weise einen Namen in der Geschichte der zivilen Luftfahrt gemacht. Die weltweit erste Geburt an Bord eines Flugzeugs ereignete sich nämlich auf einem seiner Flüge mit JAT über Australien, so dass das Neugeborene in den ersten Minuten nach der Geburt nach der Fluggesellschaft „Jatko“ benannt wurde.

Es war eine regelrechte weltweite Sensation, denn Rakocevic und sein Team auf der Boing 707 halfen bei der Entbindung der damals 18-jährigen Marija Todeva aus der jugoslawischen Republik Mazedonien, die sich auf der Linie Singapur-Sidney auf 8.000 Meter Höhe in dem Flugzeug, das ursprünglich in Belgrad abgehoben hatte, ereignete.

Radoje erinnert sich, dass die Flugpassagierin Marija Todeva hochschwanger war und über Bauchschmerzen klagte, die immer stärker wurden. Wie sich herausstellte, waren das Wehen. Radoje verständigte sofort den Flugkapitän Maljkovic, der das Flugzeug sofort auf eine Flughöhe von 8.000 Metern brachte, weil diese Höhe für den menschlichen Körper am angenehmsten ist.

„Es stimmt schon, dass die Cabin Crew für alle möglichen Notfälle ausgebildet wird, einschließlich Geburt, aber keiner von uns hatte je eine Flugzeuggeburt gesehen, noch hatten wir so etwas von Kolleginnen und Kollegen aus anderen Fluggesellschaften jemals gehört“, erinnert sich der damalige Flugbegleiter Radoje in einem Interview für die Belgrader Zeitung „Politika“.

Als Maria die Wehen bekam, befand sich das Flugzeug über Zentralaustralien, bis Sidney waren es weitere drei Flugstunden. Die Zeit drängte, also übernahm Radoje die Leitung der Helfer, denn in solchen Situationen muss es eine verantwortliche Person geben.

Die ersten drei Sitzreihen wurden freigemacht, die Passagiere an andere Sitzplätze versetzt, und dort wurde eine Art „Feldbett“ eingerichtet. Marija wollte sich anfangs nicht vor Radoje und den Flugbegleiterinnen entkleiden, aber sie gab rasch bei, denn es gab keine Alternative. Ein Desinfektionsmittel und andere Hilfsmittel mussten rasch her. Da fiel ihnen ein, dass eine Flasche Whisky an Bord war, die wurde in ein größeres Gefäß ausgeleert, eine Nagelschere und ein Band zum Binden der Nabelschnur wurden hineingelegt. In einem anderen Gefäß war heißes Wasser.

„Ich zog mir Handschuhe über, die Flugbegleiterinnen Slavica, Gordana und Ana halfen der Gebärenden, sprachen ihr Mut zu, und einige Minuten später war ein gesundes männliches Baby in meinen Händen. Ich nahm es an den Beinen hoch, gab ihm zwei-drei Mal einen Klaps auf den Hintern, und als er seinen ersten Schrei machte, wussten wir, dass die Geburt ein Erfolg war“, sagt Radoje.

Doch dann kam schon die nächste Herausforderung, die Nabelschnur musste durchschnitten werden. Radoje trug es seiner Kollegin Slavica auf, doch diese erwiderte zitternd: „Das kann ich nicht“. Offensichtlich hatte sie fürchterliche Angst, dass sie das Baby verletzen könnte. Radoje ließ sich nicht beunruhigen, er maß drei Finger breit vom Nabel des Babys und deutete an die Stelle in der Nabelschnur: „Hier schneiden“. Als Clip diente das Band, das vorher in dem Whisky desinfiziert und in Wundverband eingewickelt wurde. Das Baby wurde ebenfalls in Wundverband eingewickelt und in die Trage, die in der Erste-Hilfe-Ausrüstung am Flugzeug dabei war, gelegt. „Ein Jatko ist geboren“, sagte jemand von der Crew.

Das Baby bekam den Namen Aleksandar. Der Flugkapitän verständigte den Kontrollturm über das Geschehen an Bord des Flugzeugs, so dass bei der Landung ein Sanitätswagen bereitstand, mit dem die junge Mutter und ihr Sohn in das nächste Krankenhaus gebracht wurden.

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