Eisige Temperaturen, grelles Licht und unbequeme Sitze – die neuen Wasserstoffbusse der Wiener Linien sorgen für Unmut statt für Klimaschutz-Applaus.
Die Wiener Linien verkündeten Anfang vergangenen Jahres ambitionierte Pläne: Zehn neue Wasserstoffbusse sollten in Wien-Döbling und zehn wasserstoffbetriebene Batteriebusse in der Wiener Innenstadt den Betrieb aufnehmen. Das Unternehmen betonte damals den hohen Anspruch an die Umstellung auf klimaschonende Antriebe.
Seit Dezember sind die Wasserstoffbusse tatsächlich auf der Strecke zwischen Wien-Heiligenstadt und Wien-Sievering unterwegs – allerdings mit erheblichen Mängeln. In den Fahrzeugen herrschen teilweise Temperaturen von nur sechs Grad, was das Fahrpersonal zum Tragen dicker Winterkleidung samt Mütze zwingt. Klemens Resch, Stadtwerke-Sprecher der Wiener FPÖ, kritisierte gegenüber „oe24“ die Zustände scharf: „Das ist für Fahrgäste und Fahrpersonal nicht zumutbar.“
Laut seinen Angaben handelt es sich nicht um Einzelfälle, sondern um ein tägliches Problem mit Temperaturen zwischen sechs und zehn Grad zu verschiedenen Tageszeiten. Die Probleme beschränken sich nicht nur auf die Heizung. Die Innenbeleuchtung sei unangenehm grell und lasse sich nicht dimmen. Zudem seien die Sitze deutlich zu hoch angebracht. Resch zieht ein vernichtendes Fazit: Das vermeintliche Vorzeigeprojekt sei krachend gescheitert.
Internationale Probleme
Die Schwierigkeiten mit Wasserstoffbussen sind kein rein österreichisches Phänomen. In Großbritannien stehen zahlreiche dieser Fahrzeuge ungenutzt in Depots, während Millionenbeträge wirkungslos verpuffen. Die Gründe dafür sind vielfältig: technische Defekte, komplexe Infrastrukturanforderungen und vor allem Engpässe bei der Wasserstoffversorgung.
David Cebon, Professor an der Universität Cambridge, sieht darin ein Muster: „Ich habe eine Liste mit 27 gescheiterten Wasserstoff-Busprojekten weltweit – immer dieselbe Geschichte.“ Die Technologie sei kostspielig, ineffizient und auf eine Infrastruktur angewiesen, die vielerorts schlichtweg fehlt.
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Technologie-Potenzial
Dabei bietet die Technologie theoretisch durchaus Vorteile: Wasserstoffbusse verwenden Brennstoffzellen, die aus Wasserstoff elektrische Energie erzeugen und dabei lediglich Wasserdampf ausstoßen – im Betrieb entstehen keine CO₂-Emissionen. Sie erreichen größere Reichweiten als viele batteriebetriebene Elektrobusse, oft 300 bis 400 Kilometer und mehr. Zudem lassen sie sich ähnlich schnell wie Dieselbusse betanken.
Die Fahrzeuge kommen hauptsächlich im kommunalen Nahverkehr zum Einsatz, etwa in Städten, die ihre Flotten auf umweltfreundlichere Antriebe umstellen. Allerdings hängt der ökologische Nutzen stark davon ab, ob grüner Wasserstoff aus erneuerbaren Energien verwendet wird. Bei Wasserstoff aus fossilen Quellen sinkt der Klimavorteil erheblich.
Die Einführung von Wasserstoffbussen stellt sich sowohl in Wien als auch international als äußerst herausfordernd dar. Die Kritikpunkte reichen von technischen Defiziten über Infrastrukturprobleme bis hin zu wirtschaftlichen Bedenken.
Trotz der potenziellen Umweltvorteile bleibt fraglich, ob diese Technologie eine zukunftsfähige Lösung für den öffentlichen Nahverkehr darstellen kann.