Ein Dokument aus 1988 zeigt, wer im späten Jugoslawien wirklich das große Geld verdiente – und es sind keine Namen, die man erwarten würde.
Fast vier Jahrzehnte nach dem Zerfall Jugoslawiens wirft eine alte Steuerliste ein bemerkenswertes Schlaglicht auf die Einkommensverhältnisse jener Ära – und das Bild, das sie zeichnet, könnte kaum weiter von der heutigen Realität entfernt sein.
Das jugoslawische Magazin TOP veröffentlichte im Februar 1989 eine Übersicht über die höchsten für das Jahr 1988 gemeldeten Einkommen. Die Steuerverwaltung legte im Februar 1989 ergänzend vorläufige Daten vor, die zeigten, wer im Vorjahr die höchsten Einkommen gemeldet hatte. Das Ergebnis überrascht: Unter den Spitzenverdienern fanden sich private Gastronomen, Volksmusiksänger, Handelsvertreter, Fußballer, Künstler, Journalisten und Universitätsprofessoren – aber kein einziger Politiker.
Spitzenverdiener 1988
Die höchste gemeldete Einkommenssumme des Jahres 1988 stammte aus Skopje: Ein privater Gastronom aus der mazedonischen Hauptstadt deklarierte 171 Millionen Dinar. In Belgrad führte ein Volksmusiksänger die Rangliste mit 142 Millionen Dinar an, in Zagreb belegte ein Handelsvertreter mit 61 Millionen Dinar den Spitzenplatz. In Ljubljana meldete ein akademischer Bildhauer mit 28 Millionen Dinar das höchste Einkommen der slowenischen Hauptstadt.
Neben Gastronomen und Musikern zählten auch Komponisten der Volksmusik sowie Vertreter ausländischer Unternehmen zu den Bestverdienenden – ein Querschnitt, der die damalige Vielfalt der Einkommensquellen widerspiegelt und sich grundlegend von jenen Strukturen unterscheidet, die heute die Wohlstandsranglisten prägen.
Vorsicht bei Vergleichen
Beim Lesen dieser Zahlen ist allerdings Vorsicht geboten: Die Steuerbemessungsgrundlage war innerhalb Jugoslawiens nicht einheitlich geregelt. Nach der damals geltenden Berechnungsmethode wurde das Dreifache des Durchschnittseinkommens als Grundlage herangezogen, weshalb direkte Vergleiche zwischen den einzelnen Republiken stets im Kontext der unterschiedlichen Steuersysteme und der wirtschaftlichen Gefälle innerhalb des Landes betrachtet werden müssen.
Für Sarajevo liegen in den verfügbaren Unterlagen keine vergleichbaren Spitzenwerte vor.