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KLARTEXT: Warum „Weil ich deine Mutter bin, darum!“ keine gute Antwort ist

(FOTO: iStockphoto)

Alena Lagavska spricht in ihrem Blog KLARTEXT über all die Dinge, die man sich nie in der Balkan-Community – und darüber hinaus – zu sagen traut.

Jetzt einmal ganz ehrlich gesprochen: Jeder Jugo unter euch hat diese Erfahrung bestimmt schon mindestens ein Mal in seinem Leben gemacht: Eine Situation – ganz beliebig welche – tritt auf. Ihr habt eine bestimmte Vorstellung davon, wie ihr diese lösen wollt. Doch oh Wunder, eure sehr fürsorgliche und liebende Balkan-Mutter hat eine ganz andere Vorstellung davon, wie dies zu passieren hat. Es folgt eine lautstarke Diskussion in gewohnter Jugo-Manier, die in einer berechtigten und doch immer überraschenden Frage eurerseits gipfelt: „Aber warum!?“ – Die sehr klar formulierte, jedoch deshalb nicht unbedingt nachvollziehbare Antwort: „Weil ich deine Mutter bin, darum!“



Verstaubte Traditionen schleichen sich ungewollt in unsere Leben
Um dieses Phänomen zu verstehen, müssen wir uns zunächst einmal folgendes vor Augen führen: Unsere Eltern lieben uns. Gut, das wird uns wohl in den meisten Fällen eh klar sein. Aber sie sind auch in einer Zeit groß geworden, wo der Respekt für die ältere Generation – und hier ganz besonders die eigenen Eltern – sehr groß geschrieben wurde. Entscheidungen wurden auf Basis von deren Meinung getroffen – ob diese nun mit den eigenen Vorstellungen übereinstimmte oder nicht.

Heiraten? Ging nur wenn die künftigen Schwiegereltern dich auch für gut genug für ihren einzigartigen und sowieso überirdisch tollen Sohnemann empfunden haben. Wohnen? Die kleine Dorfhütte in der schon Schwiegereltern, deren Eltern und die Großeltern leben, wird sicher auch noch Platz für eure nicht ganz so traute Zweisamkeit bieten – Happy Family alle unter einem Dach lässt grüßen! Und die Meinungen all dieser Familienmitglieder musste dann – ihr habt es vielleicht eh schon erraten – die Frau, eure Mutter, respektieren, ungefragt miteinbeziehen und danach leben.

Dieser kleine Ausflug in eine patriarchale und totalitäre Vergangenheit zeigt ganz deutlich, dass es unsere Balkan-Eltern bestimmt nicht immer einfach hatten. Doch das große Problem an dem Ganzen: Diese verstaubten Traditionen versuchen viele Mütter bei ihren eigenen Kindern fortzuführen – zu unser aller Unglück!

„Weil ich es sage“ beendet mit SICHERHEIT keine Diskussionen
Ganz ehrlich liebe Eltern: Auch wenn ihr euch das noch so sehr wünscht, ein „Wer hat wen geboren?! Ich dich, oder du mich?“ oder ein „Weil ICH es dir gesagt habe, darum!“ oder aber der Klassiker in meiner Kindheit „Weil ich deine Mutter bin, darum!“ wird die Diskussion nicht beenden, sondern nur noch mehr Fragen aufwerfen. Denn wir sind nun einmal nicht in eurer Zeit großgeworden, sondern in unserer eigenen! Und da stellt sich uns allen natürlich die berechtigte Frage: „Nur weil du mich geboren hast, gibt dir das deiner Meinung nach das Recht über mein Leben zu bestimmen? Muss ich davon ausgehen, dass alles was du sagst stimmt und deshalb darauf hören? Oder soll ich nie hinterfragen was man mir sagt und einfach immer das tun, was ältere Menschen mir sagen?“ – Das ist doch sicherlich nicht das, was ihr euren Kindern kommunizieren wollt, oder?

Willenlose Marionetten waren früher wahrscheinlich Normalität und vielleicht sogar überlebensnotwendig, doch heutzutage haben wir uns – Gott sei Dank – zu eigenständig denkenden und handelnden Wesen weiterentwickelt. Also lasst uns unsere Individualität und Andersartigkeit doch bitte auch ausleben! Und wenn ihr uns wirklich helfen wollt und uns vor großem Schaden bewahren wollt, dann wäre es hilfreich eure Beweggründe wenigstens zu argumentieren. Ein einfaches „Weil ich es sage, darum“ reicht da aber leider nicht aus!