Blue Origin setzt beim Weltraum-Tourismus auf Prominenz: Bei der nächsten Mission reist Katy Perry gemeinsam mit der Verlobten von Jeff Bezos ins All. Die zehnminütige Reise sorgt für Kritik.
Am Montagnachmittag startet das Zeitfenster für eine außergewöhnliche Reise: Die „New Shepard Mission NS-31“ soll nach Angaben des Raumfahrtunternehmens Blue Origin um 15.30 Uhr mitteleuropäischer Zeit in der texanischen Wüste abheben. Allerdings bleibt eine kurzfristige Verschiebung aus diversen Gründen weiterhin möglich.
Die Expedition führt die Teilnehmerinnen etwa 100 Kilometer über die Erdoberfläche hinaus und währt lediglich zehn Minuten, währenddessen die Passagiere zeitweise Schwerelosigkeit erleben. Das weitgehend automatisierte Raketensystem „New Shepard“ transportiert seit mehreren Jahren zahlungskräftige Weltraum-Touristen ins All. Von den bislang zehn erfolgreich durchgeführten Flügen profitierten nach Unternehmensangaben insgesamt 52 Personen. Bei der Premierenfahrt 2021 nahm Firmengründer Jeff Bezos selbst im Raumschiff Platz. Vergleichbare Angebote existieren von konkurrierenden Privatunternehmen – darunter Virgin Galactic des britischen Unternehmers Richard Branson sowie SpaceX von Tech-Milliardär Elon Musk.
Prominente Passagiere
Unter den Passagierinnen sticht besonders die mehrfach preisgekrönte Popsängerin Katy Perry hervor, die mit Hits wie „Firework“, „Roar“ oder „I Kissed a Girl“ weltweiten Ruhm erlangte. Die 40-jährige Künstlerin lebt in einer Beziehung mit Schauspieler Orlando Bloom und hat mit ihm eine Tochter. Mit an Bord geht zudem die in den USA populäre Moderatorin Gayle King, die seit Jahrzehnten unter anderem für den Fernsehsender CBS tätig ist. Weniger im Rampenlicht stehen üblicherweise die Wissenschaftlerinnen Aisha Bowe und Amanda Nguyen, beide mit NASA-Vergangenheit, sowie die Unternehmerin und Filmproduzentin Kerianne Flynn.
Besondere Aufmerksamkeit erhält diesmal Lauren Sanchez: Die 55-jährige ehemalige Journalistin, Schauspielerin und Unternehmerin besitzt einen Hubschrauberflugschein und führt seit einigen Jahren eine Beziehung mit Blue Origin-Gründer Bezos, einem der vermögendsten Menschen weltweit. Medienberichten zufolge planen beide ihre Hochzeit für diesen Sommer in Venedig. Im Vorfeld des Weltraumflugs erschien Sanchez bei einer Gala mit einer funkelnden Astronauten-Handtasche und erklärte dem Magazin „Elle“, sie werde sich für den Ausflug ins All „glamourös machen“.
Zur Höhe der Ticketpreise hält sich Blue Origin bedeckt. Branchenexperten schätzen die Kosten auf mehrere hunderttausend Dollar pro Person. Das Unternehmen nutzt seine Flüge regelmäßig für PR-Zwecke, indem es Prominente als Ehrengäste einlädt – beispielsweise den kanadischen Schauspieler William Shatner, der durch seine Rolle als „Captain Kirk“ in „Star Trek“ weltberühmt wurde. Comedian Pete Davidson sagte seine für 2022 geplante Teilnahme wieder ab. Auch bei der aktuellen Mission darf vermutet werden, dass nicht alle Teilnehmerinnen den vollen Preis entrichtet haben.
Kritische Stimmen
Die Ankündigung des Flugs stieß auf erhebliche Kritik. US-Schauspielerin Olivia Munn habe kürzlich in einem Fernsehinterview „gefragt, was viele von uns denken“, wie das US-Portal „Buzzfeed“ berichtete: „Warum?“, so Munns Frage. „Ich weiß, das ist wahrscheinlich nicht cool zu sagen, aber es gibt doch gerade so viele wichtigere Dinge auf der Welt.“ Das Vorhaben wirke auf sie „unersättlich“. „Es kostet so viel Geld, in den Weltraum zu reisen und es gibt so viele Menschen, die sich noch nicht einmal Eier leisten können.“ Zudem sei die Raumfahrt doch zur Forschung gedacht. „Was werden die da oben machen, das es für uns hier unten besser macht?“
Zahlreiche Wissenschaftler äußern seit langem Bedenken gegen den Weltraum-Tourismus, insbesondere aus Umweltschutzgründen. Jeder Raketenstart belaste die Umwelt, erklärte etwa Europas früherer Raumfahrtchef Jan Wörner kürzlich im rbb24 Inforadio.
„Insofern hoffe ich, dass wir jetzt nicht anfangen, die Kreuzschifffahrt ins Weltall zu verlegen.“