Eine Spritze, die Fettzellen gezielt verschwinden lässt: Was nach Zukunftsmedizin klingt, wird bereits am Menschen getestet. Der experimentelle Wirkstoff CBL-514 könnte künftig eine neue Möglichkeit bieten, Fett am Bauch gezielt zu reduzieren. Erste Studien zeigen, dass dabei nicht nur Fett direkt unter der Haut, sondern auch das gesundheitlich problematischere Fett rund um die inneren Organe zurückgehen kann.
Vorgestellt wurden neue Ergebnisse zu CBL-514 auf der Jahrestagung der European Association for the Study of Diabetes (EASD) in Mailand. Entwickelt wird der Wirkstoff vom taiwanischen Biotechunternehmen Caliway Biopharmaceuticals.
Das Besondere ist die Wirkungsweise: CBL-514 soll bestimmte Fettzellen dazu bringen, sich selbst abzubauen. Mediziner sprechen dabei von „Apoptose“, also einem programmierten Zelltod. Andere Zellen in der Umgebung sollen dabei möglichst verschont bleiben.
Deutlich weniger Bauchfett
Die bisherigen Studien liefern interessante Ergebnisse. Acht Wochen nach der letzten Behandlung hatten knapp 70 Prozent der behandelten Teilnehmer mindestens 150 Milliliter Fett direkt unter der Haut verloren. In der Placebogruppe erreichte zu diesem Zeitpunkt niemand diesen Wert.
Besonders interessant ist jedoch der Effekt auf das sogenannte viszerale Fett. Dabei handelt es sich um Fett, das sich tief im Bauchraum rund um Organe wie Leber und Darm ansammelt. Dieses Fett gilt als gesundheitlich problematischer als das Fett direkt unter der Haut.
Vier Wochen nach der letzten Behandlung war das viszerale Fettvolumen bei den mit CBL-514 behandelten Teilnehmern im Durchschnitt um rund zwölf Prozent geringer als zu Beginn der Untersuchung. Auch mehrere Wochen später war der Effekt weiterhin messbar.
Die Spritzen wurden direkt in den Unterbauch verabreicht. Die Zahl der Behandlungen richtete sich unter anderem danach, wie dick die Fettschicht der jeweiligen Teilnehmer war.
Auch bei den Nebenwirkungen waren die bisherigen Ergebnisse vergleichsweise unauffällig. Am häufigsten kam es zu vorübergehenden Schmerzen, Schwellungen oder Rötungen an der Einstichstelle. Schwerwiegende unerwünschte Ereignisse wurden in den untersuchten Gruppen bislang nicht gemeldet.
Der Adipositasforscher Professor W. Timothy Garvey von der University of Alabama at Birmingham bezeichnete den Ansatz als besonders innovativ. Die Hoffnung der Forscher ist, dass eine Verringerung des viszeralen Fetts künftig nicht nur kosmetische Vorteile bringen könnte, sondern auch gesundheitlich relevant sein könnte.
Phase-3-Studie läuft bereits
Bis CBL-514 tatsächlich als Medikament verfügbar sein könnte, sind allerdings noch weitere Untersuchungen nötig. Eine große internationale Phase-3-Studie hat inzwischen bereits begonnen. Dabei soll an einer größeren Zahl von Teilnehmern überprüft werden, wie wirksam und sicher die Behandlung tatsächlich ist.
Damit ist CBL-514 derzeit noch keine zugelassene Alternative zu bekannten Abnehmmedikamenten wie Wegovy oder Mounjaro. Die bisherigen Ergebnisse zeigen jedoch, dass die Forschung inzwischen auch an völlig anderen Ansätzen arbeitet, um problematisches Bauchfett gezielt zu reduzieren.