Tunnel, Schlucht, Baustopp: Bei Zenica schließt sich eine Autobahnlücke – während der Streit ums Geld mit der EIB nachwirkt.
Drei Teilabschnitte des Korridors 5C rund um Zenica sind fertiggestellt. Sobald die letzten Verfahren abgeschlossen sind, sollen sie in den kommenden Tagen für den Verkehr freigegeben werden. Zusammen mit dem bereits eröffneten Abschnitt Nemila–Poprikuše entsteht so eine durchgehende Strecke.
Bei einer Feier vor dem Tunnel Zenica wurde das Ende der Bauarbeiten an den Abschnitten Vraca–Ponirak, Ponirak–Vranduk und Vranduk–Nemila offiziell verkündet. Die Trasse zählt zu den technisch anspruchsvollsten am Korridor 5C. Sie führt durch die Bosna-Schlucht bei Vranduk, über Brücken und Viadukte sowie durch mehrere Tunnel.
Denis Lasic, Direktor des Bauherrn JP Autoceste FBiH, dankte Kreditgebern, Mitarbeitern und beteiligten Firmen. Er sprach von einer Verbindung mit Europa und neuen wirtschaftlichen Chancen.
Asmir Dzevlan, als Geschäftsführer für Planung und Bau Leiter des Projekts, erläuterte die Besonderheiten des Baus und die Schwierigkeiten dabei. Er sagte: „Die Projektleitung hatte seit Mai mit technischen und finanziellen Problemen zu kämpfen. Die EIB ist ein wichtiger Partner des Korridors 5C, das respektieren wir, ebenso wie die Finanzkontrolle. Wird die Finanzierung aber gestoppt, bleibt das nicht auf dem Papier. Es trifft auch die Baustellen, die Unternehmen und die Bürger von Bosnien und Herzegowina. Meine Botschaft heute lautet daher: Europäische Partnerschaft muss Verlässlichkeit bedeuten. Wir fordern keine Privilegien, sondern die Einhaltung von Verträgen und gemeinsamen Interessen – und genau darum geht es beim Bau des Korridors 5C.“
Luigi Soreca von der EU-Delegation in Bosnien und Herzegowina mahnte Reformen, Transparenz und regelkonforme Vergaben ein. Andrijana Katic, Ministerin der Föderation Bosnien und Herzegowina, bezeichnete das Vorhaben als Generationenprojekt. Föderationspremier Nermin Niksic hob hervor, dass nun rund 120 Kilometer Autobahn am Stück befahrbar seien.
Technische Details
Auf dem 2,65 Kilometer langen Abschnitt Vraca–Ponirak bestimmt der zweiröhrige Tunnel Zenica das Bild. Er macht mehr als 90 Prozent der Strecke aus.
Der Abschnitt Ponirak–Vranduk misst 5,3 Kilometer und umfasst die Brücken Vranduk 1 (390 Meter) und Vranduk 2 (340 Meter), den 400 Meter langen Tunnel Vranduk sowie drei Viadukte mit zusammen 300 Metern. Weil die Hänge dort sehr steil sind, verlaufen die beiden Fahrbahnen in Linienführung und Höhe getrennt voneinander. Zahlreiche hohe Stützmauern sichern die Trasse.
Der Abschnitt Vranduk–Nemila ist 5,67 Kilometer lang. Dort entstanden das Viadukt Stara Stanica und vier Unterführungen. Auf der verlegten Magistralstraße (Hauptstraße) wurden zwei je 185 Meter lange Brücken über die Bosna gebaut, und das Flussbett der Bosna wurde bei Nemila auf rund drei Kilometern reguliert.
Auf dem 5,5 Kilometer langen Abschnitt Nemila–Poprikuše liegt mit dem Tunnel Golubinja (3.659 Meter) der längste Tunnel am Korridor 5C. Dazu kommen mehrere Brücken und Viadukte über die M17, die Bosna und die Bahnstrecke.
Verzögerungen und Stopp
Die ersten Verträge stammen aus dem Jahr 2019. Für Ponirak–Vranduk wurde am 15. Mai 2019 unterschrieben, mit einer Frist von 24 Monaten. Sie wurde in der Folge mehrfach verlängert.
Der Vertrag für Vraca–Ponirak mit der Firma Euro-asfalt folgte am 1. August 2019. Für Nemila–Poprikuše wurde am 16. November 2020 mit dem türkischen Unternehmen Cengiz abgeschlossen. Der Vertrag für Vranduk–Nemila datiert vom 28. Februar 2022 und sah ebenfalls 24 Monate Bauzeit vor.
Im Juli 2023 wurde der Bau auf Ponirak–Vranduk ausgesetzt, um Projektunterlagen und Kosten zu überprüfen. Auf mehr als der Hälfte der Trasse ruhten die Arbeiten, um hohe Stillstandskosten zu vermeiden.
Mit dem Nachtrag IV zwischen Autoceste FBiH und dem Konsortium Azvirt/Hering vom 26. Jänner 2024 wurde die Frist auf den 31. März 2026 verschoben. Gebaut wurde fortan nach einem neuen Projekt mit zusätzlichem Viadukt, einem Cut-and-Cover-Tunnel (Tunnel in offener Bauweise) und geänderter Böschungssicherung.
Im März 2026 stoppte die Europäische Investitionsbank (EIB) die Auszahlung von Kredittranchen, weil sie Verdachtsfällen von Unregelmäßigkeiten am Korridor 5C nachgeht. Dadurch häuften sich Schulden gegenüber den Auftragnehmern an. Betroffen war auch Euro-asfalt auf dem Abschnitt Vraca–Ponirak.
Nach Abschluss der Verfahren sollen Reisende in den kommenden Tagen von Bradina bis Žepče auf rund 140 Kilometern ohne Abfahrt auf der Autobahn unterwegs sein.
Sie ist eine sicherere und schnellere Alternative zur Magistralstraße M17 durch die Bosna-Schlucht bei Vranduk.