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KOMMENTAR

„Österreich ist kein Nazi-Land!“

Rechts = Nazi?
Der Falter hat es ebenso geschafft, die herrschende Diskussion für ein geschmackloses Titelblatt auszuschlachten. Auch wenn das Wortspiel mit „Neo“ und „Faschismus“ in Verbindung mit dem feschen Sebastian Kurz zugegebenermaßen sehr kreativ ist, so stellt sich die Frage wozu der ganze Shit?

Österreich ist seit der Gründung der zweiten Republik bemüht, in der Gesellschaft eine klare Unterscheidung der politischen Rechten und Linken, sowie des Kommunismus und Faschismus zu etablieren. Der Falter – die „Zeitung für Intelektuelle“ – bewegt sich sich mit solchen Schlagzeilen auf dünnem Eis.

Im Fall Sebastian Kurz wird Unrecht betrieben.Hier wird einerseits ein Politiker als Nazi bezeichnet, andererseit wird auch die Gleichstellung von Rechts und Faschismus potenziert.

Damit lässt man Grenzen, welche ganz klar gezogen und für jeden rationell denkenden Menschen vorhanden sind, einfach so verschwinden und verharmlost zugleich die wahren Verbrechen des Faschismus.

Den Vogel abgeschossen hat das Satire-Magazin „Titanic“, deren Post auf Facebook ich nicht einmal kommentieren möchte, da er einfach unter aller Sau ist…

(FOTO: Screenshot – Titanic Magazin)

Das Problem mit der „Nazi-Karte“
Um die ganze Aufmerksamkeit von Kurz’ Wahlsieg und der politischen Ereignisse wieder auf das primäre Problem zu lenken, möchte ich auf die „Nazi-Karte“ eingehen.

Auch wenn ich immer davon ausgegangen bin, dass man in Österreich einen halbwegs objektiven Diskurs, frei von Angst, sowohl über die Vergangenheit, die Gegenwart als auch die Zukunft führen kann, so wurde ich in den vergangenen Jahren mehrmals enttäuscht.

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In den vergangenen Tagen sind die Medien voll mit Berichten darüber, dass das Geburtshaus Adolf Hitlers dem Erdboden gleich, bzw. „architektonisch umgestaltet“ werden soll.

 

Insofern ein Argument nur zu einem gewissen Maß in der politisch rechten Ecke positioniert ist, so ist dies für viele ein gefundenes Fressen, sofort die „Nazi-Karte“ zu spielen. Es ist ein Instrument, welches nicht nur im In-, sondern auch im Ausland verwendet wird, um sein Gegenüber sofort mundtot zu machen und somit jegliche Diskussion im Keim zu ersticken.

Ich glaube, dass es mehr als 70 Jahre später einfach Zeit ist, die „Nazi-Karte“ in der Lade zu lassen. Man sollte sie nur spielen, wenn sie wirklich angebracht ist. Neben der Tatsache, dass die Bezeichnungen von gegenwärtigen politischen Geschehnissen als „Nazi-ähnlich“ die wirklichen Verbrechen des Nationalsozialismus verharmlosen, so unterbindet die „Nazi-Karte“ auch die Möglichkeit, eine Lösung für das Problem zu finden. Vielmehr erhitzt sie nur die Gemüter und unterbindet jegliche Sachlichkeit.

Selbstverständlich darf man niemals vergessen, was während des Zweiten Weltkrieges passiert ist, jedoch ist nicht jede rechte politische Bewegung mit nationalsozialistischer Ideologie gleichzusetzen. Genauso wenig ist jeder, der der linken Fraktion angehört ein Kommunist, Anarchist oder eine „linke Bazille“.

Daher meine Bitte: hört auf, Österreich als Nazi-Land zu bezeichnen!

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Der gebürtige Wiener hatte seine ersten Berührungspunkte mit Menschen aus dem ehemaligen Jugoslawien bereits im Teenageralter. Ihre Sprache faszinierte ihn sehr schnell und die Liebe zum Balkan führte ihn bis zum Abschluss des Studiums der Slawistik (B/K/S). Heute ist er ein hervorragender Kenner der Balkangeschichte, der südslawischen Sprachen sowie der kleinsten kulturellen Nuancen der bosnischen, kroatischen und serbischen Dialekte. Mit einem kritischen Blick auf dem Balkan, schreibt er seine Texte aus einer besonderen, transslawischen, internationalen Perspektive, und seine Kritik lässt niemanden unberührt.