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Studienkrise

Österreichs Studenten am Limit: Jeder Dritte muss arbeiten statt lernen

Österreichs Studenten am Limit: Jeder Dritte muss arbeiten statt lernen
(Foto: Pexels)
5 Min. Lesezeit |

Finanzielle Sorgen, psychische Belastungen und soziale Hürden: Österreichs Studierende kämpfen mit wachsenden Herausforderungen seit der Pandemie.

Der Wissenschaftsausschuss des Nationalrats hat sich in seiner jüngsten Sitzung mit zwei Berichten befasst, die detaillierte Einblicke in die Herausforderungen österreichischer Studierender liefern. Beide Dokumente wurden von den Abgeordneten einhellig zur Kenntnis genommen.

Die vom Wissenschaftsministerium 2024 vorgelegten „Materialien zur sozialen Lage der Studierenden in Österreich“ – eine seit 1975 regelmäßig erscheinende Publikation – beinhalten unter anderem die Auswertung der Studierenden-Sozialerhebung 2023. Im Ausschuss diskutierten die Parlamentarier mit Wissenschaftsministerin Eva-Maria Holzleitner und dem IHS-Hochschulforscher (Institut für Höhere Studien) Martin Unger über die Erkenntnisse der Studie, die einen deutlichen Anstieg finanzieller und psychischer Probleme unter Studierenden seit Beginn der COVID-19-Pandemie aufzeigt.

An der Studierenden-Sozialerhebung 2023 beteiligten sich knapp 43.000 Studierende aller Hochschultypen Österreichs. Neben den Umfrageergebnissen enthält der Bericht auch Informationen zu Ausbildungsförderungen des Bundes sowie Daten zur Entwicklung der Studierendenzahlen und Studienabschlüsse.

Wissenschaftsministerin Holzleitner betonte den Wert der seit fünf Jahrzehnten durchgeführten Sozialerhebung für die Hochschulpolitik. Die Daten ermöglichten gezielte Maßnahmen zur Förderung erfolgreichen Studierens und zum Ausgleich sozialer Nachteile. Besonderen Handlungsbedarf sieht die Ministerin bei der Durchlässigkeit des Bildungssystems, da der Bildungsgrad der Eltern nach wie vor erheblichen Einfluss auf die Studienaufnahme hat. Viele Studierende müssten neben dem Studium arbeiten – Österreich liegt beim Anteil erwerbstätiger Studierender im europäischen Vergleich im oberen Drittel.

In der anschließenden Debatte erkundigte sich ÖVP-Abgeordneter Thomas Elian nach den Auswirkungen der Erwerbstätigkeit auf den Studienerfolg und der Akzeptanz digitaler Lehrangebote. FPÖ-Mandatar Manuel Litzke kritisierte die Hochschulpolitik der vergangenen Jahre und machte die Corona-Maßnahmen für viele Probleme verantwortlich. Zudem bemängelte er fehlende Antworten der Bundesregierung auf steigende Lebenshaltungskosten und beklagte ein Klima der Ausgrenzung bestimmter studentischer Gruppen.

Die grüne Abgeordnete Sigrid Maurer wollte die Gründe für die hohe Erwerbsquote österreichischer Studierender ergründen und fragte nach Maßnahmen zur besseren Vereinbarkeit von Studium, Beruf und Elternschaft. NEOS-Vertreterin Martina von Künsberg Sarre thematisierte regionale Unterschiede bei Hochschulzugangsquoten und die Situation studierender Eltern. SPÖ-Abgeordneter Antonio Della Rossa sprach die anhaltende soziale Selektion an Universitäten an und erkundigte sich nach dem Einfluss der Elternbildung.

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Ministerielle Maßnahmen

In ihrer Antwort auf die Kritik des FPÖ-Abgeordneten Litzke stellte Ministerin Holzleitner klar, dass sie jede Form von Gewalt verurteile, unabhängig von deren Urhebern. Zur Bekämpfung der Teuerung verwies sie auf die deutliche Erhöhung der Studienförderung und die Valorisierung der Studienbeihilfe. Im kommenden Budget seien zudem die Erhöhung des Mensa-Bonus und die Finanzierung der psychologischen Studierendenberatung gesichert. Mit der Wiedereinführung der Studierendenwohnheimförderung werde ein wichtiger Schritt zur Unterstützung des studentischen Wohnens gesetzt.

Zur Situation studierender Eltern erläuterte die Ministerin, dass etwa 8 Prozent der Studierenden – hochgerechnet rund 23.000 Personen – mindestens ein Kind unter 25 Jahren haben. Der Anteil von Studierenden mit Kindern bis 14 Jahren sei leicht angestiegen. Etwa 2,6 Prozent der Studierenden hätten Kleinkinder unter drei Jahren. Von den studierenden Eltern seien rund 10 Prozent alleinerziehend, was etwa 0,9 Prozent aller Studierenden entspricht. Für Personen mit Betreuungspflichten könnten digitale Lehrangebote besonders hilfreich sein, so Holzleitner.

Hochschulforscher Unger erläuterte, dass laut Erhebung knapp ein Drittel der Studierenden Eltern ohne Matura hat. Bei etwa einem Viertel verfügen die Eltern über Matura als höchsten Bildungsabschluss, während bei 44 Prozent mindestens ein Elternteil einen akademischen Abschluss besitzt. Die Wahrscheinlichkeit, ein Hochschulstudium aufzunehmen, sei für Personen, deren Vater mindestens Matura hat, etwa 2,5-mal höher als für jene mit Vätern ohne Matura. An Fachhochschulen, besonders in berufsbegleitenden Studiengängen, sei der Zugang ausgewogener als an Universitäten. In den letzten zehn Jahren habe sich daran wenig geändert.

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Zum Zusammenhang zwischen Berufstätigkeit und Studienerfolg erklärte Unger, dass etwa 10 Wochenstunden Erwerbstätigkeit als gut vereinbar mit dem Studium gelten. Bei studienbezogenen Jobs werde auch ein höheres Stundenausmaß als verträglich angesehen, allerdings gebe es zu wenige solcher Stellen. Bei 23 Prozent der Studierenden bestehe die Notwendigkeit zu arbeiten, obwohl sie sich lieber auf das Studium konzentrieren würden. Hingegen verstünden sich 25 Prozent primär als Erwerbstätige, die berufsbegleitend studieren.

Beim Hochschulzugang bestehe weiterhin ein deutliches Ost-West-Gefälle, wobei regionale Entwicklungen dieses Muster teilweise durchbrechen.

Ombudsstelle im Fokus

Studierende können sich bei Problemen im Studienalltag an die Ombudsstelle für Studierende wenden. Der Tätigkeitsbericht für das Studienjahr 2023/24 verzeichnet eine steigende Inanspruchnahme dieses Angebots. Die Leiterin der Ombudsstelle, Anna-Katharina Rothwangl, wertete dies als Bestätigung ihrer Arbeit.

Sowohl die Abgeordneten als auch die Wissenschaftsministerin würdigten die Tätigkeit der Ombudsstelle, die sich bei zahlreichen Fragen bewährt habe und der Politik wichtige Handlungshinweise gebe. Auf die Frage der NEOS-Abgeordneten Ines Holzegger nach möglichen Auswirkungen des Regierungssparpakets auf die Ombudsstelle versicherte Ministerin Holzleitner, dass der Personalstand gesichert bleibe.

Laut Tätigkeitsbericht wurden im Studienjahr 2023/24 insgesamt 822 Anliegen an die Ombudsstelle herangetragen – ein Anstieg von rund 6 Prozent gegenüber dem Vorjahr. Die häufigsten Anfragen betrafen Studienbedingungen, gefolgt von Fragen zur Studienzulassung. An dritter Stelle standen Anliegen zur Studienbeihilfe, danach folgten Fragen zu akademischen Graden und zur Anerkennung von Studienleistungen.

Einige Vorschläge der Ombudsstelle aus früheren Berichten wurden bereits umgesetzt, darunter eine einheitliche Definition guter wissenschaftlicher Praxis im Hochschul-Qualitätssicherungsgesetz. Ein 2024 durchgeführtes Feedbackverfahren ergab eine hohe Zufriedenheit mit den Serviceleistungen und der Kommunikation der Ombudsstelle.

Rothwangl berichtete den Abgeordneten, dass neben der Studienbeihilfe auch Wohnfragen, insbesondere im Zusammenhang mit Studierendenheimverträgen, häufig thematisiert würden. Die Ombudsstelle plane, sich im Herbst vertieft mit diesen Themen zu befassen, die besonders für ausländische Studierende wichtig seien.

Zur digitalen Lehre merkte sie an, dass viele Studierende nach der Pandemie die Rückkehr an die Universität begrüßt hätten, da die häusliche Isolation als belastend empfunden worden sei.

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KO KOSMO-Redaktion
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