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INTERVIEW

Österreichs UFC-Hoffnung: „MMA ist nichts für Balkan-Eltern!“

FOTO: Radule Bozinovic

Seit Österreichs MMA-Hoffnung Aleksandar Rakić (25) einen Vertrag bei der UFC unterschrieb, ist das mediale Interesse an ihm über Nacht explodiert.

„Ich kriege noch immer viele Nachrichten, Gratulationen von Freunden und Anrufe von Journalisten. Aber gut, das gehört zu MMA dazu“, sagt der sympathische Wiener, als er uns im Gym 23 in Liesing zum KOSMO-Interview empfängt. Es ist wahrlich eine Sensation: Vor zwei Wochen unterschrieb der Sohn eines serbischen Busfahrers aus Wien-Ottakring in der Champions League der weltbesten Fighter, der Ultimate Fight Championship mit Sitz in Las Vegas. Mit KOSMO sprach er über seine Anfänge, seine Idole, seinen Heimatbezirk Ottakring und die nächsten Ziele im Oktagon.

KOSMO: Wie geht`s Dir seitdem du den Vertrag bei der UFC unterschrieben hast?
Rakić: Es war natürlich eine große Befriedigung, dass die jahrelange Arbeit Früchte getragen hat und ich mit diesem Vertrag belohnt wurde. Aber ich habe nicht lang gefeiert, sondern bin sehr schnell zurück zu meinem ganz normalen Alltag zurückgekehrt. Ich muss weiter diszipliniert und hart an meinen Zielen arbeiten. Schritt für Schritt, so wie ich es bis jetzt auch gemacht habe.

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Die weltweit größte Mixed-Martial-Arts-Organisation – Ultimate Fighting Championship (UFC) – ist um eine österreichische Kampfsportsensation reicher.

 

Wann werden wir deinen ersten UFC-Kampf sehen?
Vorraussichtlich im Juli, aber das wird erst noch fixiert. Ich habe einen Vertrag für vier UFC-Kämpfe bekommen, die ich in den nächsten zwei Jahren machen muss. Wenn ich gute, spannende und hoffentlich siegreiche Kämpfe habe, kann ich länger in der UFC bleiben. Ich will der ganzen Welt beweisen, dass ein Junge aus Wien-Ottakring es auch schaffen kann, ganz oben mitzuspielen.

Neben der sportlichen Leistung, muss bei der UFC auch die Show stimmen. Bist du bereit für den ganzen Trash Talk vor den Kämpfen und den ganzen Medien-Rummel?
Ja, sicher. Es ist wichtig interessant zu kämpfen und meine Kämpfe sind spektakulär und aufregend. Bei der UFC liege ich damit absolut richtig.

Kannst du uns erzählen, wie du mit dem Kampfsport angefangen hast?
Alles fing vor zwölf Jahren an, als ich selber dreizehn Jahre alt war. Ich fing an mit Kickbox, wo ich es letztendlich im Laufe der Zeit bis zum Wiener Landesmeister schaffte. Im Boxen habe ich ebenso drei Kämpfe gehabt. Aber irgendwann wurde es mir zu langweilig und ich wollte mehr. MMA war perfekt dafür: Es verlangt von dir alles ab und du musst in mehreren Disziplinen gut sein, sei es im Boxen, sei es im Ringen oder das Jiu-Jitsu. Im MMA musst du ein kompletter Kämpfer sein – auf allen Ebenen. Genau diese Herausforderung wollte ich.

FOTO: Radule Bozinovic

Du bist seit sechs Jahren im MMA-Sport. Hattest du die Gelegenheit UFC-Größen kennenzulernen?
Ja. Ich durfte sogar mit Alexander Gustaffson in Schweden trainieren. Er ist der drittbeste auf der Welt in der Leichtschwergewichtsklasse. Als ich in Las Vegas bei der Amateur-WM kämpfte, durfte ich auch den legendären Jon Jones kennenlernen. Das war wirklich ein Highlight.

Hat Jon Jones damals irgendwas zu deiner Performance gesagt?
Er hat mich nur angesehen als ich neben ihm stand und als er merkte, dass ich gleich groß wie er bin, meinte er nur: „Oh, you`re a big motherfucker“. Aber dann sagte er zu mir etwas, an das ich heute noch täglich denke: „Es ist leicht in die UFC zu kommen, aber es ist hart hier zu bleiben“. Das nehme ich natürlich jetzt mit auf den Weg.

Wenn du wählen könntest, wen würdest du am liebsten K.O. schlagen?
Wie jeder andere MMA-Kämpfer auch: Den Champion, natürlich!

Du wohnst jetzt in Brigittenau, bist aber in Ottakring aufgewachsen. Kann man dich am Wochenende manchmal auf der Balkanstraße antreffen?
Eigentlich sehr, sehr selten. Fortgehen, verrauchte Räume, Alkohol – das ist nicht meine Welt und das kann ich auch nicht mit meinem Sport vereinen. Ich trinke Alkohol fast nur nach einem gewonnen Kampf, aber dann auch nur ein, zwei Gläser Wein. Ich gehe lieber was essen mit Freunden als mich in den Rummel zu stürzen. Das ist viel entspannender.

Da du aus Ottakring kommst, muss ich dich natürlich ganz klischeehaft fragen: Warst du ein „Bad Boy“?
Wir haben als Jugendliche schon auch Blödsinn gemacht, aber nie etwas wirklich Schlimmes, geschweige denn eine Straftat begangen. Ich war vor allem ein unruhiges Kind, aber niemand, der den Konflikt gesucht hat. Mein Kamfpsport gab mir immer die Action, die ich brauchte.

Was machst du noch in der Freizeit? Wie entspannen MMA-Kämpfer?
Ich wohne unweit von der Donauinsel und gehe dort öfter Fahrradfahren oder Joggen. Ebenso mag ich das Fischen, weswegen ich manchmal nach Niederösterreich rausfahre. Natur, Bewegung und Entspannung, das ist mein Freizeit-Programm. Ansonsten sehe ich mir natürlich gerne UFC-Kämpfe an mit meinen Freunden zuhause.

Was sagt eigentlich deine Freundin dazu, dass du MMA zu deinem Beruf gemacht hast?
Meine Freundin steht voll und ganz hinter mir. Ich bin mit ihr dreieinhalb Jahre zusammen und sie gibt mir sehr viel Rückhalt. Als ich im Krankenhaus war, operiert wurde und mich selber nicht mal waschen konnte, war sie für mich da und sie ist es noch immer.

Wie geht’s deinem Vater und deiner Mutter bei deinen Kämpfen? MMA ist nicht gerade ein Schachspiel, sondern die von der Optik her brutalste Kampfsportart…
Meine Eltern unterstützen mich mein ganzes Leben lang, so ist es auch mit MMA. Dafür bin ich ihnen ewig dankbar. Aber meine Mutter hat natürlich immer Angst vor meinen Kämpfen und weint auch kurz vor dem Kampf meistens. Mein Vater kommt sehr selten zu Kämpfen, da er das Nervenspiel nicht mitmachen kann. Ich verstehe das und ich finde es auch besser so. MMA ist nichts für Balkan-Eltern. Aber dafür sind mein Bruder und meine Schwester immer da. Beim letzten Kampf im Hallmann Dome hat die Halle gebebt und das Publikum hat eine großartige Stimmung gemacht. Ich kriege jetzt wieder Gänsehaut, wenn ich daran denke.

Hast du manchmal Angst vor dem Kampf?
Nein, ich habe keine Angst, sondern empfinde dann eine positive Aufregung. Ich habe nur Angst vor Gott, der letztendlich bestimmt, wie alles kommen wird. Regelmäßig in die Kirche zu gehen und meinem Glauben nachzugehen ist mir wichtig.

Mit welchem Lied gehst du in den Oktagon?
Mit Ready for War von 50 Cent. Den Spruch habe ich mir auch tätowieren lassen.

Mittlerweile kannst du von MMA leben – oder?
Ja, ich werde pro Match bezahlt. Aber dank der Firma Gneth, die mein Hauptsponsor ist, kann ich schon länger in aller Ruhe meinem Sport nachgehen. Ich bin ihnen dafür sehr dankbar, dass sie mir das ermöglichen.

Wenn es mit MMA nicht klappt, was ist dann dein Plan B?
Ich habe eine Ausbildung zum Hotelfachmann gemacht, konnte danach aber leider keinen Job in der Branche finden. Dann arbeitete ich eine zeitlang in einem Lager, aber ich bezweifle, dass ich jemals dorthin zurückkehren muss. Ich zweifle nicht daran, dass ich es schaffen werde – solange Gott und die Gesundheit auf meiner Seite sind. Außerdem trainiere ich bereits jetzt andere. Insofern sehe ich meine Zukunft – so oder so – im Kamfsport.