Religionslehrerausbildung: „Lernen im Angesicht des Anderen“

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Religionslehrerausbildung: „Lernen im Angesicht des Anderen“

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KHP Wien Krems Kommentar Sylvia Inou
(FOTO: iStockphoto, KHP Wien/Krems)

Die Leiterin des Instituts Religöse Bildung – Christliche Konfessionen, Sylvia Inou über die Ausbildung zum Religionslehrer an der Kirchlichen Pädagogischen Hochschule Wien/Krems.

Sie haben Gäste. Freunde oder Nachbarn sind eingeladen, man sitzt beim Essen und unterhält sich. Da kommt die Rede auf Religion, vielleicht weil jemand gerade mal fastet und kein Fleisch und keinen Kuchen isst, vielleicht, weil Kinder vom Religionsunterricht erzählt haben, oder weil Religion wieder einmal in den Medien ein Thema war, kontroversiell und polarisierend.

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Zum ersten Mal in der Geschichte unserer Glaubensgemeinschaften haben ihre Vertreter einem österreichischen Medium ein gemeinsames Interview gegeben. Heute ist der Glaube mehr denn je mit den Herausforderungen des Alltagslebens konfrontiert.

 

Wenn nicht alle am Tisch derselben Kirche oder Religion angehören, kann das Gespräch spannend werden.

Religion betrifft den ganzen Menschen, seine Herkunft, seine Lebensgeschichte seine Sehnsucht, seine Fragen. Es geht also um Identität. Religion ist nicht nur wie eine Brille, durch die man die Welt betrachtet, sondern auch eine Art Lebenselixier für den Alltag mit seinen Höhen und Tiefen.

„Das beste Mittel, sich selbst kennen, zu lernen ist der Versuch, andere zu verstehen.“ (André Gide).

Bei allen Unterschieden in Theologie, Ritus und Brauchtum zwischen den Kirchen und Religionen – von der Erfahrung, dass der eigene Glaube zum persönlichen Selbstverständnis gehört, sind alle gläubigen Menschen betroffen. Wenn man so will: Darin sind wir alle eins. Aber wie damit im Alltag umgehen?

An der Kirchlichen Pädagogischen Hochschule Wien/Krems werden junge Menschen u.a. zu ReligionslehrerInnen ausgebildet. Sie lernen, mit der Vielfalt der Glaubensbekenntnisse lebendig und respektvoll umzugehen.

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Orthodoxe, katholische und evangelische Studierende haben neben den klassischen theologischen Fächern ihrer Konfession, in sogenannten interkonfessionellen Lehrveranstaltungen, auch die Chance zur Begegnung mit Lehrenden und Studierenden der anderen Kirchen. So lernen sie nicht nur den Anderen sachgerecht kennen und manches vorher Fremde verstehen, sondern – und das mag manchen überraschen – vor allem auch die eigene religiöse Identität bewusster wahrzunehmen und zu leben.

Mögen so ausgebildete LehrerInnen zum friedlichen Miteinander in unserer Gesellschaft beitragen – und spannende Tischgespräche bereichern!