Wiener Expertise trifft auf bosnische Innovation: In Sarajevo entsteht ein modernes Privatspital mit österreichischen Qualitätsstandards, das zunehmend Patienten aus Wien anzieht.
Zwischen Wien und Sarajevo entsteht eine bemerkenswerte medizinische Brücke. In der Hauptstadt Bosnien-Herzegowinas öffnete am 6. April des vergangenen Jahres – symbolträchtig am Stadtgeburtstag – das erste Privatspital des Landes seine Pforten. Der Gesundheitskomplex erstreckt sich über sieben Stockwerke mit einer Gesamtfläche von 36.000 Quadratmetern und verfügt über 180 Betten, zehn Operationssäle sowie zwölf Fachabteilungen und diverse Spezialkliniken. Im ersten Halbjahr wurden bereits 15.000 Patienten versorgt, wobei nicht ausschließlich Privatversicherte behandelt werden.
Auf den ersten Blick scheint diese Entwicklung wenig mit Österreich zu tun zu haben. Doch bei näherer Betrachtung zeigt sich ein deutlicher Wiener Einfluss. Die Medical University of Vienna International (MUVI), ein Beratungsunternehmen der Medizinischen Universität Wien, wurde 2022 vom Investor und Betreiber „ASA Group“ engagiert, um europäische Qualitätsstandards zu implementieren. MUVI, weltweit im Healthcare Consulting aktiv, berät Krankenhausbetreiber und Universitäten international.
Das Wiener Unternehmen stellte für das Projekt in Sarajevo sowohl den Internationalen Medizinischen Direktor als auch den Leitenden Pflegedienstleiter Roland Fasol (68). Zusätzlich unterstützt MUVI die Aus- und Weiterbildung, fördert medizinische Innovationen und wissenschaftliches Engagement, wie MedUni-Sprecher Jakob Sonnleithner erläutert. Spitalssprecherin Indira Music betont im Gespräch mit MeinBezirk: „Diese Zusammenarbeit sichert uns kontinuierlichen Wissenstransfer, ermöglicht die Weiterbildung unserer Mitarbeiter und garantiert die Umsetzung österreichischer Qualitätsstandards in allen Arbeitsbereichen.“
Internationale Patientenströme
Das bosnische Krankenhaus zieht zunehmend Patienten mit ex-jugoslawischen Wurzeln aus Wien, Österreich und Deutschland an. Laut Angaben des ASA Spitals haben bereits „mehrere Dutzend“ Patienten aus Österreich diagnostische und therapeutische Leistungen in Anspruch genommen. Das Spektrum reicht von minimalinvasiven chirurgischen Eingriffen über assistierte Befruchtung und umfassende internistische Untersuchungen bis hin zu Zweitmeinungskonsultationen.
Auch radiologische Leistungen wie MRT, CT und Röntgen sowie gastroenterologische Eingriffe, insbesondere Endoskopien, werden in Kooperation mit Wiener Experten durchgeführt. Der Ärztliche Direktor und Leiter der Abteilung für Gynäkologie und Geburtshilfe, Azur Tulumovic, erklärt in einem Video auf der Spitals-Website: „Bei komplexen Eingriffen können wir uns in Echtzeit mit Kollegen in Wien beraten und die Bilder von unseren Operationssaal-Monitoren teilen.“ Dies ermöglicht uns, fallspezifische Probleme und Dilemmata effektiv zu lösen.
Attraktive Vorteile
„Das Krankenhaus befindet sich noch in der Aufbauphase, bietet jedoch bereits eine sehr hohe Versorgungsqualität“, erläutert Sonnleithner. „Der Preiskatalog für medizinische Leistungen scheint attraktiv zu sein, da auch Patienten aus dem europäischen Ausland und den Nahost-Staaten das Spital aufsuchen.“ Die Gründe für die internationale Anziehungskraft sind vielfältig: kurze Wartezeiten, günstige Flugverbindungen, wettbewerbsfähige Preise, hohe Fachkompetenz und individuelle Betreuung.
Der Preisunterschied ist tatsächlich beachtlich: Eine MRT-Untersuchung im ASA Spital kostet umgerechnet etwa 120 bis 150 Euro, während für dieselbe Leistung in Wien durchschnittlich 300 bis 400 Euro zu zahlen sind. Auch operative Eingriffe werden in Sarajevo deutlich günstiger angeboten als in Österreich, was für viele Patienten ausschlaggebend ist.
Hinzu kommt das Vertrauen, das durch die Kooperation mit der MedUni und dem AKH Wien gestärkt wird. Tatsächlich sind die Wartezeiten für Operationen in Wien länger geworden, während Flüge zwischen Wien und Sarajevo bereits ab 149 Euro pro Strecke erhältlich sind.
Die 2005 als GmbH gegründete MUVI ist derzeit auch in anderen internationalen Projekten engagiert, darunter der Aufbau eines Kinderkrebszentrums in Usbekistan, Curriculumsberatung für Universitäten im Nahen Osten und die Unterstützung von Ausbildungsprogrammen für Ärzte aus verschiedenen Ländern.
Weitere Informationen zum ASA Spital in Sarajevo, seinen Angeboten und Preisen sind auf der Website asabolnica.ba verfügbar – allerdings derzeit nur auf Bosnisch/Kroatisch/Serbisch und Englisch.