Start NEWS POLITIK Sara Velić: “Ich will die bestmögliche Vertretung für die Studierenden Österreichs sein”
INTERVIEW

Sara Velić: “Ich will die bestmögliche Vertretung für die Studierenden Österreichs sein”

(FOTO: VSStÖ)

Sara Velić ist die neue ÖH-Vorsitzende und als Kind einer bosnischen “Arbeiterfamilie” in Vorarlberg aufgewachsen. KOSMO sprach mit der 21-Jährigen über ihre Pläne für die Studierenden und den Weg, der sie zu ihrem frühen politischen Engagement geführt hat.

KOSMO: Sie sind als Tochter einer „migrantischen Arbeiterfamilie“ aus Bosnien in Vorarlberg aufgewachsen. Inwiefern hat Ihr familiärer Background Ihr Interesse für die Politik geprägt?
Sara Velić: Gerade in der Schule, also so zu sagen im ersten Abschnitt unseres Bildungssystems, habe ich persönlich sehr stark gemerkt, dass es einen großen Unterschied macht, ob die Eltern selbst ins Gymnasium gegangen sind, perfektes Deutsch sprechen und schreiben können und ob sie die Projektreisen problemlos finanzieren können oder nicht. Diese sozialen Barrieren und finanziellen Hürden sind einfach ungerecht und müssen abgebaut werden. Diese Überzeugung hat mich dazu angetrieben, selbst Schulsprecherin zu werden und jetzt ein paar Jahre später ÖH Vorsitzende zu werden. Ich bin der Meinung, dass der soziale Hintergrund nicht über den akademischen Erfolg entscheiden darf. Es braucht hier ein gerechtes und zielgenaues Beihilfensystem und eine gezielte Förderung von Leuten, die nicht im Geburtslotto gewonnen haben.

Mit Ihren 21 Jahren haben Sie sich schon sehr früh politisch engagiert. Was waren die Eckpunkte Ihrer bisherigen politischen Arbeit?
In meiner AHS Oberstufe hat mein politisches Engagement so wirklich begonnen. Gemeinsam mit einer Lehrerin habe ich ehrenamtlich Deutschkurse für geflüchtete Jugendliche organisiert, habe als Schulsprecherin kandidiert, mich in einer politischen Schüler_innenorganisation, der Aktion kritischer Schüler_innen, engagiert und durfte dann auch in der Vorarlberger Landesschüler_innenvertretung aktiv sein. Nach meiner Matura zog ich nach Wien und wurde Bundesvorsitzende der Aktion kritischer Schüler_innen. Mit dem Beginn meines Politikwissenschaftsstudium an der Uni Wien startete ich auch schon direkt in die Hochschulpolitik und arbeitete an der ÖH Uni Wien im Referat für Arbeiter_innenkinder und im Referat für Öffentlichkeitsarbeit. Das hochschulpolitische Engagement verschob sich dann mit Herbst 2020 auf Bundesebene, da ich im Verband Sozialistischer Student_innen (kurz VSStÖ) als hochschulpolitische Sprecherin und Spitzenkandidatin für die ÖH Wahlen gewählt wurde. Außerdem habe ich im Zuge der UG Novelle 2020/21 eine Petition gegen die Mindeststudienleistungen gestartet, die fast 25.000 Unterschriften hat. Seit dem 1. Juli 2021 bin ich nun die erste Vorsitzende der Österreichischen Hochschüler_innenschaft – das ist bis jetzt meine größte politische Aufgabe und Verantwortung.

Gerade in der Schule habe ich persönlich sehr stark gemerkt, dass es einen großen Unterschied macht, ob die Eltern selbst […] perfektes Deutsch sprechen und schreiben können oder nicht.

Sara Velić, ÖH-Vorsitzende

Im Juni wurden Sie mit Ihrer Kampagne “Zeit für Zukunft!” zur ÖH-Bundesvorsitzenden gewählt. Was bedeutet dieser Slogan konkret für Sie und was sind Ihre wichtigsten Anliegen als Studienvertreterin?
Unseren Slogan „Zeit für Zukunft“ finde ich deswegen so wichtig, weil seit der Pandemie von allen Seiten auf die Studierenden und ganz allgemein auf junge Menschen in Österreich vergessen wurde. In vielen Fällen sind die Auswirkungen der Pandemie so gravierend, dass uns unsere Zukunft genommen wurde. Wir haben keinerlei finanzielle Entlastung erhalten, kaum Unterstützung im digitalen Studium und unsere Zukunftsängste haben bei vielen Studierenden zu psychischem Stress und Erkrankungen geführt. So kann es nicht weitergehen! Für mich sind jetzt die wichtigsten Themen: ein soziales Auffangnetz für Studierende inklusive finanzieller Entlastung, ein funktionierendes hybrides Lehrsystem, das digital und in Präsenz funktioniert und der Abbau von Leistungsdruck an den Unis und Hochschulen. Studieren darf nicht krank machen.

Neben Ihrem Politikwissenschaftsstudium studieren Sie seit 2020 auch Raumplanung an der Technischen Universität Wien. Wie lassen sich diese beiden Bereiche vereinen?
Die Frage, wie man Raum verteilt und gestaltet ist eine höchstpolitische. Wer darf mitentscheiden, ob neue Parkplätze oder ein neuer Park gebaut wird? Baut man lieber unsere Öffis oder unsere Autobahnen aus? Gerade in Wien gibt es zahlreiche sehr entscheidende Fragen, die eine innovative Antwort brauchen, wenn man eine lebenswerte und zukunftsweisende Stadt sein möchte.

“Seit der Pandemie wurde von allen Seiten auf die Studierenden und ganz allgemein auf junge Menschen in Österreich vergessen. So kann es nicht weitergehen!

Sara Velić, ÖH-Vorsitzende

Nebenbei sind Sie auch künstlerisch aktiv, haben als Sängerin und Songwriterin der Band Soloflair 2018 den Falco-Hauptpreis in der Kategorie Pop/Rock gewonnen. Wie sehen Ihre Zukunftspläne aus? Sehen Sie sich eher in der Politik, in der Musik, oder doch ganz wo anders?
Schauen wir mal! Jetzt bin ich erst mal ÖH-Vorsitzende und will die nächsten zwei Jahre die bestmögliche Vertretung für die Studierenden Österreichs sein. Die Musik wird zumindest als Hobby immer ein Teil von mir sein.