Ein Bakterium aus der Tierwelt breitet sich in Europa aus – und trifft nun zunehmend auch Menschen. Die Fallzahlen steigen rasant.
Eine in Europa zunehmend verbreitete Hautinfektion rückt in den Fokus der Gesundheitsbehörden: Die Fallzahlen der Dermatophilose steigen, und mehrere Länder melden neue Erkrankungen.
Dem Europäischen Zentrum für die Prävention und die Kontrolle von Krankheiten (ECDC) zufolge hat sich die Zahl der dokumentierten Fälle von 70 im Juni auf 126 im August erhöht. Zu den betroffenen Ländern zählen Deutschland, Frankreich, Spanien und Norwegen; in Schottland wurde darüber hinaus ein einzelner Fall registriert.
Auch in Österreich wurden Fälle registriert: Zwischen 2025 und Juli 2026 erfassten die Behörden insgesamt 20 laborbestätigte Infektionen mit Dermatophilus congolensis, davon 18 in Wien und 2 in Salzburg.
Verursacht wird die Erkrankung durch das Bakterium Dermatophilus congolensis, das vor allem die Haut befällt und aus der Veterinärmedizin bekannt ist, wo es insbesondere bei Pferden und Wiederkäuern auftritt. Unter bestimmten Umständen kann jedoch auch der Mensch infiziert werden.
Übertragung & Risiko
Als häufigster Übertragungsweg gilt enger körperlicher Hautkontakt. Besonders häufig betroffen sind homo- und bisexuelle Männer sowie Männer, die Sex mit Männern haben. Als konkrete Übertragungsorte gelten unter anderem sogenannte Sex-Saunen; darüber hinaus können auch Kontakt- und Kampfsportarten ein Infektionsrisiko darstellen.
Das klinische Bild umfasst Hautausschläge, Pusteln und Juckreiz, wobei die betroffenen Körperstellen variieren. Für die Allgemeinbevölkerung wird das Ansteckungsrisiko insgesamt als sehr gering bewertet.
Prävention & Behandlung
Medizinische Fachleute empfehlen in erster Linie einfache hygienische Vorsichtsmaßnahmen: In Gemeinschaftseinrichtungen wie Saunen sollten ausschließlich eigene, saubere Handtücher verwendet werden. Nach einer Rasur im Intimbereich ist der Besuch solcher Einrichtungen zu vermeiden, da Hautverletzungen die Infektionsanfälligkeit erhöhen.
Therapeutisch wird die Dermatophilose mit Antibiotika behandelt, die entweder als Salbe oder in Tablettenform verabreicht werden und in Kombination mit antiseptischen Waschlösungen wirksam sind. Das ECDC bestätigt, dass bislang keine schwerwiegenden Komplikationen im Zusammenhang mit der Behandlung aufgetreten sind.
In Berlin wurden zwischen Dezember 2025 und Jänner 2026 insgesamt 17 Fälle erfasst.